Krampfadern Krampfadern: Neue Möglichkeiten der Behandlung

Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem.
Krampfadern sind nicht nur ein kosmetisches Problem. © Foto: zlikovec - Fotolia
Birgit Weichmann 22.05.2017
Krampfadern Operation ade: Dank Ultraschall und Radiowellen neue Möglichkeiten der Behandlung.

Sie schlängeln sich deutlich sichtbar über die Beine, schimmern blau durch die Haut und führen dazu, dass die Beine schmerzen und sich schwer anfühlen: Krampfadern. Mit rund 300.000 Eingriffen pro Jahr ist die Behandlung von Krampfadern eine der häufigsten Operationen in Deutschland. Die Art, wie sie meist behandelt werden, ist aber seit über 100 Jahre dieselbe, sie werden gezogen – bei einer sogenannten Stripping-Operation. Doch nun setzen sich zunehmend schonendere Kathetermethoden durch, bei denen innovative Ultraschalldiagnostik zum Einsatz kommt. Noch jedoch stehen veraltete Behandlungs-Leitlinien gegen eine Verbreitung der neuen, schonenden Methoden, kritisieren Spezialisten.

Der Trend lautet: Operation war gestern, heute werden Varizen, wie Krampfadern auch genannt werden, mit Radiowellen verschlossen oder verklebt. Ohne große Schnitte, ohne Vollnarkose und vor allem ohne Krankenhausaufenthalt. „Die modernen Katheterbehandlungen zielen darauf ab, die erkrankten Venen mittels Katheter schonend zu verschließen statt sie zu entfernen“, erläutert Tobias Hirsch, Facharzt für Innere Medizin und Angiologie aus Halle (Saale). Er erklärt die neuen Vorgehensweisen: „Neben Methoden wie der Laserbehandlung, die auf der Einwirkung von Wärme beruhen, können die Krampfadern beispielsweise auch verklebt werden.“ Statt zahlreicher Schnitte sei für diese minimalinvasiven Methoden nur ein kleiner Einstich erforderlich. Der Vorteil: Die Behandlung ist für die Patienten angenehmer – und die Heilung erfolgt schneller. Doch immer noch werden rund 80 Prozent aller Patienten nach der alten Stripping-Methode mit Vollnarkose behandelt, bei der die Venen komplett gezogen werden. Zum Verständnis: Der prinzipielle Unterschied zwischen der herkömmlichen und den von Ultraschall gestützten Methoden liegt darin, dass es die sonografisch gesteuerte endovenöse Behandlung zum Ziel hat, nur erkrankte Venenabschnitte zu behandeln und gesunde zu erhalten.

Ob mit einer Laserbehandlung oder per Radiofrequenzkatheter – alle neuen Methoden haben eines gemeinsam: Es kommt moderne Ultraschalltechnik zum Einsatz. „Um Krampfadern mit den schonenden Kathethermethoden erfolgreich behandeln zu können, ist die Ultraschalldiagnostik eine grundlegende Voraussetzung für uns“, so Hirsch.

Neben der anatomischen Untersuchung der Venen kann so beispielsweise auch verdeutlicht werden, dass das Blut, das normalerweise Richtung Herz strömt, aufgrund einer gestörten Klappenfunktion wieder vom Herzen weg fließt. Durch den so entstandenen Rückstau des Blutes werden Venen geweitet – und Varizen entstehen. Auch Wassereinlagerungen, so genannte Ödeme, können durch den Blutstau entstehen. Folgen hiervon können eine verschlechterte Versorgung der Haut mit Sauerstoff und Nährstoffen sein.

Andere Länder sind weiter

„Die Ultraschalltechnik ermöglicht mittlerweile eine sehr exakte Bildgebung, die es sogar möglich macht, die Rückflüsse zeitlich zu erfassen“, sagt der Experte. Hirsch erklärt auch den klaren Vorteil des Ultraschalls gegenüber einer Röntgenaufnahme: „Die Untersuchungen sind beliebig oft wiederholbar und können unmittelbar in der operativen Therapie durchgeführt werden“.

Hirsch sieht die Kathetermethode auf dem Vormarsch: „Wir erwarten, dass in den kommenden Jahren auch in Deutschland die klassische Stripping-Operation mehr und mehr von den Kathetermethoden abgelöst wird“, meint er. In anderen Ländern wie den USA oder Großbritannien würden die Kathetermethoden inzwischen als Therapie der ersten Wahl empfohlen. In Deutschland seien  bisher erst rund 15 bis 20 Prozent der Varizen-Eingriffe mit Ultraschall und Kathetereinsatz.

Das Problem seien bisher noch die Krankenkassen. Sie zahlen aktuell nur im Rahmen von individuellen Verträgen mit einigen Ärzten, nicht aber im Rahmen der allgemeinen kassenärztlichen Versorgung. Ärzte, die die beschriebenen Methoden anwenden können, brauchen derzeit also nicht nur die nötige Qualifikation dafür, sondern auch einen so genannten IV-Vertrag, einen Vertrag der Integrierten Versorgung mit der Krankenkasse, damit die Patienten aus Kostengründen nicht doch auf die Stripping-Operation zurückgreifen müssen.

Info Die Deutsche Gesellschaft für Phle­bologie gibt auf ihrer Website Tipps, wie man sich bei Venenleiden verhalten kann. Dort kann man auch nach Venenspezialisten suchen:
www.phlebology.de/startseite

Der Berufsverband der Phlebologen hat ein „arztbegleitetes Venenportal für Patienten“ ins Netz gestellt, wo Fragen rund um Venenleiden gestellt und beantwortet werden:
www.kompetente-venenbehandlung.de

Wer einen Verdacht auf eine chronische Venenkrankheit hat, kann einen Fragebogen ausfüllen, der online beantwortet wird und helfen soll, Venenleiden zu erkennen: www.phlebology.de/venencheck/was-kann-ich-tun/mein-risiko

Was man selbst tun kann

Ein „Venencheck“ der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie gibt Anregungen, was Patienten selbst gegen ihre Beschwerden tun können. Die Tipps sind leicht umsetzbar:

Bewegen Sie sich so viel wie möglich – natürlich vor allem die Bein- und Wadenmuskulatur. Das kräftigt die Muskelpumpe.

Lagern Sie Ihre Beine so oft als möglich hoch. Stellen Sie Ihr Bett zur Nacht am Fußteil hoch. 10 Zentimeter reichen hier schon.

Schlagen Sie nicht die Beine übereinander, denn das drückt eventuell die Venen in der Kniekehle ab und kann somit die Blutzirkulation hemmen.

Tragen Sie bequemes Schuhwerk und verzichten Sie auf einengende  Kleidung. Sie behindert Ihren Kreislauf und die Pumpstation Zwerchfell. Auch hohe Absätze sind ungünstig. bw

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