Hörschäden vorbeugen

Tragen die Kinder Kopfhörer, sollten Eltern die Lautstärke kontrollieren. Es gibt regulierbare Kopfhörer, die auf maximal 85 Dezibel eingestellt werden können.
Tragen die Kinder Kopfhörer, sollten Eltern die Lautstärke kontrollieren. Es gibt regulierbare Kopfhörer, die auf maximal 85 Dezibel eingestellt werden können. © Foto: Honorarfrei (98937094)
ALEXANDER KERN 01.03.2016
Orientierung und Sicherheit im Alltag, Gespräche mit Freunden, Bekannten und in der Familie, außerdem den Genuss der Lieblingsmusik – all das ermöglicht uns das Gehör.
Im Alltag wird das Gehör oftmals stark beansprucht: Laute Motoren im Straßenverkehr, dröhnende Bässe in Diskotheken oder Baustellenlärm – all das sind Belastungen fürs Gehör, die man oftmals nicht direkt wahrnimmt. Zahlen belegen diese Gefahr: Bei mehr als 12 Millionen Deutschen wird das Gehör zunehmend schlechter. Vor allem im Alter leiden immer mehr Menschen unter Schwerhörigkeit. „Viele Menschen möchten sich das aber nicht eingestehen und suchen sich keine Hilfe“, sagt Dr. Stefan Zimmer vom Bundesverband der Hörgeräteindustrie (BVHI). Das sei jedoch kritisch, da eine Vielzahl von Hörschäden irreparabel sei und sie mit der Zeit stärker werden könnten. Außerdem erhöht eine Schwerhörigkeit die Gefahr, an Demenz zu erkranken, um das Fünffache. „Das Gehirn wird bei Schwerhörigen stark in Anspruch genommen, da es versucht, den Hörverlust zu kompensieren. Auf Dauer kann dies zu Demenz führen“, bestätigt Zimmer. Doch auch Jugendliche und junge Erwachsene belasten ihr Gehör überdurchschnittlich: Nachtclubs, Konzerte und zu laute Kopfhörermusik sind Gründe dafür, dass knapp 15 Prozent der Schüler in Baden-Württemberg an Hörminderung leiden. „Die Zahlen sind alarmierend“, betont Zimmer.  Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat der BVHI deshalb den Welttag des Hörens ins Leben gerufen, der am 3. März über die Bühne geht.

15 Prozent der Schüler hören schlecht

„Es ist unser Ziel, im Rahmen des globalen Aktionstages über Ursachen, Risiken und mögliche Folgen einer Hörminderung aufzuklären sowie geeignete Wege zu ihrer Prävention, frühen Diagnose und bestmöglichen Versorgung aufzuzeigen“, erläutert Dr. Shelly Chadha von der WHO die Zusammenarbeit.Auch in Ulm und Umgebung beteiligen sich einige Betriebe an dieser Aktion. Sie bieten kostenlose Hörtests und Beratungsgespräche an. „Wer sich in den Finger schneidet, spürt den Schmerz. Hörschäden können sich aber mit der Zeit einschleichen. Beratungsgespräche und Untersuchungen können daher hilfreich sein, um Defizite frühzeitig zu erkennen“, sagt Zimmer. Der Experte rät aber auch zu kleinen Selbsttests im Alltag. Wer das Telefon oder die Türklingel öfters überhört, sollte sich untersuchen lassen. „Die hohen Frequenzen gehen nämlich als Erstes verloren“, weiß Zimmer. Auch bei Spaziergängen könne man sich selbst testen: Vogelgeräusche und Blätterrauschen sollten gut hörbar sein. Vor einer Ohrreinigung mit Wattestäbchen warnt Zimmer: „Ohrenstäbchen können Bakterien in den Gehörgang bringen.“ Er rät dazu, sich das Ohrenschmalz beim Hals-Nasen-Ohrenarzt regelmäßig entfernen zu lassen.
 
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