Frühling Heuschnupfen: Alles rund um die Pollen-Allergie

Heuschnupfen - wenn die Pollen wieder fliegen.
Heuschnupfen - wenn die Pollen wieder fliegen. © Foto: Karl-Josef Hildenbrand
Ulm / Susanne Klöpfer 07.04.2018
Die Kehrseite des guten Wetters ist der Heuschnupfen. Welche Pollen jetzt fliegen und wie sich Betroffene helfen können, erfahren Sie hier.

Heuschnupfen - rund 16 Prozent Menschen in Deutschland sind laut dem deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. von der Pollen-Allergie betroffen. Und das fast das ganze Jahr über. Denn nur in den Monaten November und Dezember fliegen keine Pollen.

Was ist eigentlich Heuschnupfen?

Heuschnupfen (oder Allergische Rhinitis, Pollinose) ist einer der bekanntesten allergischen Erscheinungen. Dabei tritt eine allergische Reaktion des Körpers auf die verschiedenen Pollenarten auf. Betroffen davon sind vor allem die oberen Atemwege. Wenn die Pollen fliegen, ist die Zeit des Heuschnupfen. Und weil das noch nicht genug ist, kann sich der Zustand des Geplagten durch gleichzeitig auftretende Kreuzallergien und weiteren Erkrankungen noch weiter verschlechtern.

Das erschwert freilich die Behandlung. Aber es ist auch möglich das Immunsystem wieder zu desensibilisieren – etwa durch Immuntherapien. Dr. Juliane Rieker, die Leiterin der Allergieabteilung des Klinikum Stuttgarts erklärt: „Sie wirkt nur dann, wenn erst wenige Allergien vorliegen, weshalb die Therapie meist im Kindesalter begonnen wird.“ So könne die Allergie rückgängig gemacht werden. Oder die Symptome zumindest geschwächt werden.

Was sind die Gründe für Heuschnupfen?

Die Gründe für Pollenallergien sind immer noch nicht geklärt. Es gibt verschiedene Spekulationen:

Ein Ansatz sind die Hygienestandards, welche unser Immunsystem unterfordern, so dass dieses auf harmlose Pollen anspringt. „Dafür spricht, dass in Industrieländern mehr Menschen an Allergien leiden, als in Entwicklungsländern. Und dass Kinder, die mit Tieren aufwachsen, weniger Allergien und Asthma entwickeln“, erklärt Rieker-Schwienbacher.

Die Leiterin der Allergieabteilung hält es für sehr wahrscheinlich, dass der Klimawandel die Lage noch verschlimmert. Laut eines internationalen Forscherteams steige die Blütenstaubmenge deutlich: In warmen Städten um drei Prozent und auf dem kühlen Land um ein Prozent. Die Pflanzen produzieren mehr Pollen, wenn die CO2-Konzentration in der Luft steigt. Und bei milden Temperaturen beginnen die Pflanzen auch vorzeitig zu blühen, wodurch die Pollensaison wiederum früher beginnt. „Mittlerweile gibt es nur noch zwei pollenfreien Monate im Jahr - November und Dezember“, sagt Rieker-Schwienbacher. Auch würde sich das Beifußblättrige Traubenkraut (Ambrosia), das ursprünglich aus Nordamerika, aufgrund des Klimawandels immer weiter in Europa, sowie Deutschland, ausbreiten.

Auch interessant: Je mehr Feinstaub und Stickoxid sich auf den Pollen befinden, desto stärker fällt die entzündliche Reaktion aus. Diese kann wiederum zur Entstehung einer Allergie führen.

Was sind die Anzeichen von Heuschnupfen?

Während der Zeit des Pollenflugs entwickeln die Patienten Fließschnupfen und müssen häufig niesen. Oft aber auch eine verstopfte Nase, Juckreiz allgemein oder an der Nasenschleimhaut, Rötungen bis hin zu Schwellungen der Augen treten auf. Die heftigsten Symptome sind Reizhusten und eine Verengung der Atemwege mit starken Atemstörungen.

Weitere Beschwerden können auftreten, wie Einschlafstörungen oder Schlaflosigkeit, Müdigkeit, eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit sowie ein allgemeines Krankheitsgefühl. Es kann aber auch zu Juckreiz am ganzen Körper und zur Überempfindlichkeit gegenüber bestimmten Gerüchen kommen.

Wie kann Heuschnupfen therapiert werden?

Außer neuen Antihistaminika sind antiallergische und antientzündliche Heuschnupfen-Medikamente rezeptfrei erhältlich. Dabei gilt zu beachten: Antihistaminika wirken innerhalb kurzer Zeit. Diese bremsen das Immunsystem aus, indem Andockstellen des Symptom-verursachenden Botenstoffs im Gewebe blockiert werden. Kortisonhaltige Nasensprays wirken erst nach ein paar Tagen (bei konsequenter Anwendung).

Antihistaminika in Tablettenform oder als Nasenspray helfen innerhalb weniger Minuten bei Akutbeschwerden wie Fließschnupfen, Niesen, Juckreiz der Nase, Tränen, Rötung, Schwellung und Juckreiz der Augen.

Bei geschwollenen Nasenschleimhäuten mit behinderter Nasenatmung helfen antientzündliche Medikamente, wie kortisonhaltige Nasensprays. Diese sollten täglich angewandt werden, damit sie ihre Wirkung entfalten können. Hinweis: Diese sollten nicht ohne ärztliche Erstdiagnose und ohne weitere ärztliche Beobachtung für längere Dauer angewendet werden.

Rieker-Schwienbacher erklärt: „Bei zwei Saisons hintereinander mit starker Pollensymptomatik und nicht ausreichendem Ansprechen auf die Anti-Allergie-Therapie, wird eine Hyposensibilisierung (spezifische Immuntherapie) empfohlen.“

Weitere Tipps und Tricks bei Heuschnupfen

  • Die Kleidung beim Betreten der Wohnung wechseln.
  • Vor dem Schlafengehen die Haare waschen.
  • Eine Nasendusche spült Pollen aus.
  • Hilfreich ist auch ein Pollenschutzgitter am Fenster und ein Lüftungsfilter im Auto.

Der Sport im Freien sollte bei starkem Pollenflug vermieden werden. Am stärksten ist die Pollenbelastung in der Stadt am Abend und auf dem Land am Morgen. Eine Empfehlung ist daher auch, über Nacht zu lüften.

Beim Planen des Urlaubs schlägt Rieker-Schwienbacher vor: „Allergiker sollten sich am Pollenkalender orientieren.“ Wenn zu Hause Hochsaison der allergieauslösenden Pollen ist, kann ein Urlaub gut sein, um zu flüchten. „Vor allem in den Hochgebirgen und am Meer, wo es reichlich pollenarme Luft gibt, können Allergiker durchatmen.“

Wann fliegen welche Pollen?

 Pollenflug-Kalender: Welche Pollen fliegen wann?
Pollenflug-Kalender: Welche Pollen fliegen wann? © Foto: dpa-infografik GmbH

Bei Birken ist es so, dass diese alle zwei Jahre mehr Pollen frei setzten. Die Pollen von Birke, Erle, Hasel sind aggressiver, als andere Laubbäume, Gräser, Roggen und Kräuter.