Zu den wohl bekanntesten Wasseranwendungen gehören Kneippkuren. Vor einigen Jahrhunderten machte Sebastian Kneipp das Wassertreten salonfähig, indem er herausfand, dass das Gehen in eiskaltem Wasser die Selbstheilungskräfte des Körpers aktiviert und dadurch das Immunsystem gestärkt wird. Vor allem macht sich die Kneipp-Medizin die Wirkung von warmem und kaltem Wasser auf den Körper zu nutze. Der kalte Temperaturreiz beim Wassertreten oder Armkneippen und das anschließende Aufwärmen durch Bewegung regen den Stoffwechsel an und führen zu einer verbesserten Durchblutung. Ein Wechselfußbad in warmem (36 bis 38 Grad Celsius) und kaltem (ca. 15 Grad Celsius) Wasser lindert Kopfschmerzen und hilft bei Kreislauf- und Durchblutungsstörungen.

Für seine zahlreichen Thermalquellen ist vor allem Baden Württemberg bekannt. Genau wie das Kneippen, hat auch das warme und mineralstoffhaltige Wasser einen positiven Einfluss auf das individuelle Wohlbefinden. Es wirkt entspannend und fördert die Durchblutung. Außerdem werden durch den Auftrieb im Thermalwasser Muskeln und Gelenke entlastet. Bei Wasser mit hohem Salzgehalt (Sole) verstärkt sich dieser Effekt zusätzlich. Besonders empfehlenswert sind Bäder in Solewasser für ältere und in ihrer Bewegung eingeschränkte Menschen oder Menschen mit Gelenkproblemen.

Echtes Thermalwasser zeichnet sich durch eine hohe Temperatur bereits an der Quelle aus: Mindestens 20 Grad Celsius muss es warm sein, damit es sich überhaupt Thermalwasser nennen darf. Auf eine angenehme Badetemperatur von 35 bis 38 Grad Celsius wird es in den meisten Fällen vor der Nutzung im Becken.

Das Thermal- oder Heilwasser muss eine weiter Reise machen, bevor es in einem Becken sprudeln kann. Es versickert als Niederschlagswasser in der Erde und erfährt bei seinem Weg durch zahlreiche Gesteinsschichten einige bedeutende Veränderungen: Es nimmt zahlreiche Mineralstoffe und Spurenelemente auf und entwickelt sich dadurch zu einem wichtigen Nährstofflieferanten. In dem Wasser aus der Tiefe finden sich vor allem essentielle Stoffe wie Calcium, Natrium, Jod und Magnesium für den Menschen.
 
Jede Thermal- oder Heilquelle ist in ihrer Zusammensetzung ein Original. Eine Spezialisierung kann auch deshalb jedes Heilbad vorweisen. Je nach Zusammensetzung des Wassers werden seine heilenden Kräfte auf unterschiedliche Weise eingesetzt: Bei Trinkkuren wird das Heilwasser in Mengen zwischen 100 und 1.500 ml verabreicht. Mangelerscheinungen werden beispielsweise mit magnesium-, jod- oder calciumhaltigem Wasser bekämpft. Bei einer Reizung der Magenschleimhaut wirken Trinkkuren mit hydrogencarbonathaltigem Wasser lindernd. Häufig wird auch Radonwasser als Trinkkur verabreicht und vor allem bei der Therapierung von Schilddrüsenfehlfunktionen eingesetzt.

Auch lokal auf die Schleimhäute wirken Heilwässer als feiner Nebel oder Dampf. Durch das Inhalieren der feinen Tröpfchen werden Entzündungen gelindert, festsitzender Schleim in den Atemwegen wird gelöst und die Selbstreinigungsmechanismen des Körpers werden angeregt. Insbesondere bei Bronchitis und asthmatischen Erkrankungen werden Aerosole, also Tröpfchenpartikeln in der Luft, eingesetzt. Dampfbäder haben eine ähnliche Wirkung, allerdings entsteht der Nebel bzw. Dampf hier durch Erhitzen des Heilwassers und nicht durch eine Vernebelungsmaschine.