Richtig handeln Bei einem Schlaganfall zählt jede Minute

70 Prozent der Schlaganfälle sind vermeidbar. Neben einer gesunden Lebensweise tragen auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen dazu bei.
70 Prozent der Schlaganfälle sind vermeidbar. Neben einer gesunden Lebensweise tragen auch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen dazu bei. © Foto: Amrei Groß
Ulm / Amrei Groß 06.07.2018
Wenn plötzlich Seh- und Sprachstörungen, Lähmungen, Taubheitsgefühle, Schwindel und sehr starke Kopfschmerzen auftreten, ist Vorsicht geboten: Diese Symptome können Vorboten eines Schlaganfalls sein. Tipps zum richtigen Handeln und zur Vorbeugung gibt der rote Info-Bus des Pharmaunternehmens Boehringer Ingelheim. Heute ist er von 10 bis 14 Uhr mit Ärzten und Pflegern der Uniklinik Ulm auf dem Münsterplatz zu Gast.

Er kommt wie aus dem Nichts und hat oft schwere Folgen: Jährlich erleiden rund 270 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall. Rund ein Viertel der Patienten überlebt die Erkrankung nicht, ein weiteres Viertel trägt schwere gesundheitliche Schäden davon und bleibt dauerhaft behindert. Fast eine Million Bundesbürger leiden laut offiziellen Zahlen der Deutschen Schlaganfallhilfe an den Folgen eines Schlaganfalls.

Jeder Schlaganfall ist ein Notfall

Kommt es zu einem Schlaganfall, zählt jede Minute: Time is Brain, Zeit ist Hirn, lautet das Motto. „In jeder Minute, die man verliert, sterben im Gehirn des Betroffenen unwiederbringlich Nervenzellen ab“, erklärt Katharina Althaus, Oberärztin an den Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU).

Time is Brain, Zeit ist Hirn. Dieses Motto ist auf den Tassen der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) eindrucksvoll dargestellt.
Time is Brain, Zeit ist Hirn. Dieses Motto ist auf den Tassen der Universitäts- und Rehabilitationskliniken Ulm (RKU) eindrucksvoll dargestellt. © Foto: Amrei Groß

Besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall, sollte daher sofort der Notruf 112 gewählt werden, rät die Neurologin: „Jeder Schlaganfall ist ein Notfall.“ Erste Hilfe bei der Entscheidung, ob ein Schlaganfall vorliegt, bietet der sogenannte FAST-Test:

Dabei wird die betroffene Person gebeten,

  • zu lächeln (Face = Gesicht),
  • die Arme (Arms) nach vorne zu heben und die Handflächen nach oben zu drehen) und
  • einen einfachen Satz nachzusprechen (Speech = Sprache).

Hat der Betroffene mit einer dieser Aufgaben Probleme, besteht der Verdacht auf einen Schlaganfall. Nun zählt jede Minute (Time = Zeit).

Stroke Units als spezialisierte Zentren

Der Rettungsdienst bringt den Betroffenen in der Regel in eine sogenannte Stroke Unit. Hier erhalten Schlaganfallpatienten eine umfassende Versorgung von der Diagnose über die Akuttherapie bis hin zur Rehabilitation. Ein multidisziplinäres und multiprofessionelles Team aus Ärzten, spezialisierten Pflegekräften, Physiotherapeuten, Logopäden und Ergotherapeuten steht vor Ort bereit. Die Stroke Unit der RKU bietet zudem Selbsthilfegruppen an.

Nicht nur Senioren betroffen

Rund drei Viertel aller Schlaganfälle weltweit treffen Menschen über 70 Jahren. Wer allerdings glaubt, dass Jüngere von dieser Erkrankung verschont bleiben, irrt: Fünf bis zehn Prozent der Patienten sind unter 50 Jahren. Das sind pro Jahr etwa 9 000 bis 14 000 Männer und Frauen in Deutschland. Auch Kinder können betroffen sein.

Spezielle Ursachen für einen Schlaganfall bei 18- bis 50-Jährigen gibt es nicht. Generelle Risikofaktoren sind unter anderem Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Migräneattacken. Diabetes erhöht das Schlaganfallrisiko gar um das Zwei- bis Dreifache!

70 Prozent der Schlaganfälle sind vermeidbar

Jeder kann durch eine gesunde Lebensweise sein persönliches Schlaganfallrisiko senken. Hilfreich ist in jedem Fall eine gesunde Lebensweise mit einer ausgewogenen Ernährung und ausreichend körperlicher Aktivität. Übergewicht, Rauchen, übermäßiger Alkoholkonsum und Stress dagegen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und somit auch für einen Schlaganfall.

Die Deutsche Schlaganfallhilfe hat einen Online-Test entwickelt, mit dem jeder sein individuelles Schlaganfall-Risiko bestimmen kann.

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