Bad Urach Generationenhaus: Idee vorerst auf Eis gelegt

Beim Infoabend zum geplanten Generationenhaus im Januar 2017 herrschte in Sirchingen großer Andrang. Nun ist das Projekt aber vorerst auf Eis gelegt. Es fehlt ein Grundstück für den geplanten Neubau.
Beim Infoabend zum geplanten Generationenhaus im Januar 2017 herrschte in Sirchingen großer Andrang. Nun ist das Projekt aber vorerst auf Eis gelegt. Es fehlt ein Grundstück für den geplanten Neubau. © Foto: Kirsten Oechsner
Sirchingen / Simon Wagner 03.06.2018
Die Idee, verschiedene Generationen unter ein Dach zu bekommen, scheitert an zu hohen Grundstückskosten.

Angetreten war man in Sirchingen mit Pioniergeist und großem Enthusiasmus. Nichts weniger als das soziale Miteinander über alle Generationen hinweg hatte man im Blick, als im Januar 2017 rund 50 Menschen zusammenkamen. Sie wollten sich über ein Projekt informieren, mit dem man in Bad Urachs Teilort Neuland betreten hätte. Nun aber ist klar, es blieb und bleibt beim Konjunktiv: das anvisierte Mehrgenerationenhaus kann, zumindest vorerst, nicht realisiert werden.

Kein Verkaufswille vorhanden

Nicht etwa weil das anfängliche Interesse bei Alt und Jung plötzlich abgeflaut wäre, sondern weil sich trotz einjähriger Suche und mehreren Sondierungsrunden kein geeignetes Grundstück in der Nähe des Ortskerns gefunden hat. Mehrere mögliche Grundstücks-Kandidaten habe man im Blick gehabt, wie Sirchingens Ortsvorsteherin Kathrin Reichenecker sagt. Doch die aufgerufenen Preise hätten bei fehlendem Verhandlungswillen derart hoch gelegen, dass sie von einem nicht ausreichend vorhandenen Verkaufswillen der Grundstückseigner ausgehen müsse. „Total schade“, kommentierte Reichenecker das ernüchternde Ergebnis und damit auch das vorläufige Ende des Projekts.

Geplant war der durch eine Bauherrengemeinschaft finanzierte Neubau eines Gebäudes mit acht bis zehn Wohneinheiten, in denen die Bewohner jeglicher Generation eine Hausgemeinschaft gebildet hätten, die sich idealerweise, je nach Talent und Ressourcen, unter die Arme gegriffen hätte. Einkäufe erledigen, Kinder betreuen, kleine Reparaturen: „Ziel war es, den Generationenvertrag leben zu können“, so Reichenecker, über die gelebte Nachbarschaftshilfe. Angedacht war zudem, ein Angebot für altersgerechten Wohnraum in Sirchingen zu schaffen. Für Reichenecker wäre das Haus damit auch eine Maßnahme gegen die grassierende Landflucht. Denn die greife nicht nur unter der jungen Generation um sich, sondern auch unter Senioren wenn sie mit ihren großen Grundstücken nicht mehr fertig werden, weiß die Ortsvorsteherin. Kleinere Wohneinheiten mit optionalen Betreuungsmöglichkeiten wäre für all jene ein Argument, im Ort zu bleiben, ist sich Reichenecker sicher.

Breite Unterstützung

Sie hatte sich für das Vorhaben nicht zuletzt deshalb stark gemacht und wusste den Ortschaftsrat einstimmig hinter sich. Zu den Fürsprechern gehörte auch die Vereinswelt mit dem Förderverein Dorfgemeinschaft Sirchingen und dem Krankenpflegeförderverein. Die Stadt Bad Urach gehörte ebenfalls zu den Unterstützern und schulterte einen Gutteil der Kosten, die für eine vorangegangene Bedarfsanalyse durch ein Büro für Stadtentwicklung anfielen. Vorarbeit, die nun zunächst im Sande verläuft, auch wenn Reichenecker noch immer vom Ansatz eines Mehrgenerationenhauses überzeugt ist: „Ich halte die Idee nach wie vor für eine spannende Überlegung für Sirchingen“, sagt sie und schiebt nach: „Es hat einige Zeit gebraucht, um zu verstehen, dass es noch der falsche Zeitpunkt und das Projekt im Moment nicht machbar ist“, sagt sie mit Bedauern. Ein Wiederaufleben der Initiative hält sie zu einem späteren Zeitpunkt aber für nicht ausgeschlossen.

Idee in Schublade

Möglicherweise, so macht sie sich auf Ursachenforschung, hätten zu viele Fäden, namentlich Ideen, frei in der Luft geschwirrt, ohne mit konkreten Fakten zum tatsächlichen Bauprojekt unterfüttert worden zu sein. Bewusst habe man jedoch die Planungen im Vorfeld vage und offen gehalten. Sollte nun aber in Zukunft jemand auf die Stadt mit einem konkreten Angebot zukommen, dann weiß sie wo sie suchen muss: „Die Idee liegt  in der Schublade.“

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