Humpis-Burg Gedenkstein zwischen Bäumen und Kühen

Leutkirch-Merazhofen / Alfred Wiedemann   03.09.2018

Geld wie Heu haben die Ravensburger Humpis im Spätmittelalter gemacht – mit Handel in ganz Europa. In der zusammen mit anderen Familien 1380 gegründeten Großen Ravensburger Handelsgesellschaft liefen die Geschäfte wie geschmiert, zum Beispiel mit Leinen und Papier. Was anfangen mit so viel Geld im Spätmittelalter? Man investiert in Steingold, erwirbt Herrschaften, sammelt Burgen und Bauern.

Die Herren von Humpis, zuerst welfische und staufische Ministeriale in Altdorf, später Stadtadel in Ravensburg und seit 1699  Reichsfreiherren, investierten kräftig. Nicht nur in Oberschwaben und im Allgäu. Bis Wellendingen (heute Kreis Rottweil), Wolfatz und Worndorf (Kreis Tuttlingen) reichte der Besitz der verschiedenen Humpis-Linien.

Amtzell, Brochenzell, Pfaffenweiler, Ratzenried, Schomburg, Siggen-Waltrams – nur ein paar der Herrschaften, die einmal zum Familienimperium gezählt haben.   Hans Ulrich Rudolf zählt sie alle auf im lesenswerten Buch „Stätten der Herrschaft und Macht. Burgen und Schlösser im Kreis Ravensburg“.

Das Investment in feudale Herrlichkeit war aber nicht so rentabel wie der europaweite Handel. „Daher waren solche familiären Herrschaftsagglomerationen auch selten dauerhaft“, so Hans Ulrich Rudolf.

1530 war es vorbei mit der Ravensburger Handesgesellschaft. Heute sind aber nicht alle Familienlinien ausgestorben. Und der Name Humpis lebt: Das sehenswerte Ravensburger Stadtmuseum „Humpisquartier“ hält die Erinnerung wach, Humpis-Darsteller gehören zum Festzug beim Ravensburger Rutenfest, eine Schule heißt nach den Humpis und sogar ein Bier. In Mecken­beuren-Brochenzell steht das Humpisschloss. Der  Ruf der Narrenzunft dort, logisch, „Humpis – ahoi!“.

Ruinen sind auch noch übrig vom Investment der Humpis, beispielsweise in Argenbühl-Ratzenried, Wangen-Schomburg und Wangen-Amtzell.

In Merazhofen blieb nicht einmal eine Ruine, das Humpis-Erbe ist fast ganz verschwunden. Fast. Berthold Haas, Ortsheimatpfleger des Leutkircher Teilorts,  kennt es natürlich: Ein unscheinbarer Hügel in der hügelreichen Voralpenlandschaft ist es, mitten in einer Jungviehweide am südöstlichen Dorfeingang. Hier stand einmal eine Burg. Übrig ist nur der Burgstall, die Erhebung, und kümmerliche Mauerreste. „Sicher sind viele Steine der Burg in Bauernhöfen rundherum verbaut worden“, sagt Haas. Hochklettern auf den Burgstall ist keine gute Idee, auch wenn man den Landwirt gefragt hat: Es geht steil bergauf über Stacheldraht und Stachelgestrüpp. „Oben ist ein Gedenkstein“, sagt Haas. Einer von rund 800, die der Kemptener Oberbürgermeister und Burgenforscher Otto Merkt (1877-1951) im Allgäu hat aufstellen lassen.

Über Gestrüpp und Stacheldraht

Nach der Kletterpartie lüftet Haas die Schutzhaube des Gedenksteins. Ohrwürmer und Spinnen flüchten, dann sind die früheren Burgherren nachzulesen. „Das ist zum Teil ein alter Forschungsstand“, sagt Haas. „Ital Huntpiß von Ravensburg“ ist aber für 1438 aufgeführt. Das stimmt. Huntpiß ist eine der Schreibweisen der Humpis. Vermutlich ist ein Ahn der Familie mal von einem Hund gebissen worden. Im Humpis-Wappen prangen drei Hunde. Das Dorf Merazhofen mit 87 Leibeigenen kostete 2100 Gulden, verkauft hatte es die Familie Ringlin aus Leutkirch. Bewohnt war die Burg da schon nicht mehr, nur noch von einem Burgstall war die Rede.

Immerhin 149 Jahre dauerte es dann bis zum nächsten Besitzwechsel: 1587 werden die Humpis von Siggen in Waltrams neue Herren, eine andere Linie der Familie. Über ihre Burg in Merazhofen ist seither viel Gras gewachsen – und ein paar Bäume.

Ruinen und eine 600 Jahre alte Stube

Mal ist mehr, mal weniger übrig vom Besitz der Humpis: In Merazhofen sind es ein paar Steine, in Ratzenried eine Burgruine, in Meckenbeuren-Brochenzell das Humpisschloss. Zum Museum Humpisquartier in Ravensburg gehört die gut erhaltene „gute Stube“ des Hans Humpis von 1435.

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