Glänzender Glaube: Der Meister von Meßkirch in der Staatsgalerie

|
„Die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ (Ausschnitt) entstand um 1535/40 und hängt als einzige Tafel noch heute in St. Martin.  Foto: 

Es ist nicht nur das viele Gold, es sind nicht nur die hell leuchtenden Farben, die glänzenden Heiligenscheine und die kunstvoll sich bauschenden Gewänder. Es ist die Art, wie die Figuren auf diesen Bildern sich zueinander in Beziehung setzen, es sind ihre zarten Gesichter, die melancholischen, ganz menschlichen Blicke dieser heiligen Gestalten. Ja, es ist wirklich wunderschön, was der Mann da gemacht hat. Und er hat noch nicht einmal seinen Namen darunter geschrieben.

Unter anderem deshalb kennt man diesen Künstler nur als geheimnisumwitterten „Meister von Meßkirch“, und das wird wohl vorerst so bleiben. Auch in seiner ersten großen monografischen Schau, die die Staatsgalerie Stuttgart dem Maler jetzt mit viel finanziellem, restauratorischem und gedanklichem Aufwand ausgerichtet hat. Kuratorin Elsbeth Wiemann sagt es gleich: „Nein, wir haben keinen neuen Namen anzubieten.“ Das Rätsel um die Identität des Künstlers, der just zur Zeit der Reformation so viel katholischen Glanz in Oberschwaben entfaltete, sei ungelöst.

Mit ein Grund, warum diesem Meister der Frühen Neuzeit nie die gebührende Aufmerksamkeit zuteil geworden ist, wie Wiemann sagt – und genau das soll diese Große Landesausstellung nun ändern. Aus aller Herren Länder hat man die verstreuten Tafeln zusammengetragen. Die meisten von ihnen waren ursprünglich Teil eines Gesamtkunstwerks: Insgesamt 84 Bilder schufen der Meister und seine Mitarbeiter zwischen  in den Jahren 1535 bis 1540 für die Stiftskirche St. Martin in Meßkirch; mit dem etwa zwölfteiligen Altarzyklus setzten die altgläubigen Auftraggeber aus der Familie von Zimmern ein ­stolzes Statement gegen die Reformation.

Als St. Martin im 18. Jahrhundert modernisiert wurde, durfte einzig „Die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ bleiben. Die anderen Tafeln wurden in der Säkularisation verkauft und wanderten bis in die USA.

Ein Drittel der Bilder ist zwar verloren, von dem was übrig ist, findet nun aber ein großer Teil in der Säulenhalle der Staatsgalerie wieder zusammen, wo sich „ein Palladium des Katholizismus’“ (Wiemann) auftut; begleitet von Zeitgenossen wie Albrecht Dürer und Hans Baldung Grien sowie Objekten. Intensiv kann man die Originale in jedem Detail studieren, nur wenige fehlende Teile sind zum besseren Verständnis als Reproduktionen eingefügt. Denn der Vermittlungsaufwand, das wissen sie in der Staatsgalerie selbst, wird bei diesem religiösen Thema hoch genug.

Der „Wildensteiner Altar“, als Hausaltar für die von Zimmern geschaffen, ist als spektakulärer Ankauf der ganze Stolz der Staatsgalerie und auf der anderen Seite zu finden – was in diesem Fall durchaus weltanschaulich zu verstehen ist. Wer nach links läuft, findet sich alsbald auf Seiten der Reformation mitsamt Werken etwa von Lucas Cranach dem Älteren wieder. Die Ausstellung nämlich wolle den „clash of cultures“ sinnlich erfahrbar machen, sagt Direktorin Christiane Lange. Damit verständlich werde, was es im 16. Jahrhundert bedeuten konnte, sich für einen Glauben zu entscheiden.

Ganz unchristliche Aggression zuweilen, auch gegen die Kunst: Bilderstürmer kratzten den Heiligen buchstäblich die Augen aus (wer wusste schon ganz sicher, ob nicht doch noch Macht davon ausging); die Heiligen Barbara und Katharina jedenfalls wirken schon arg mitgenommen. Nach Luthers Vorstellungen wiederum sollten Bilder zur didaktischen Vermittlung der Schrift eingesetzt werden. Der Gothaer Tafelaltar, vom württembergischen Herzog Ulrich in Auftrag gegeben, ist als reformatorische Antithese zum katholischen St. Martin am entgegengesetzten Ende der Schau aufgebaut und weist ein fast gleichberechtigtes Verhältnis von Bild und Text auf.

Wer meint, sich auf eine Seite schlagen zu müssen, dem entgeht in dieser Schau auf jeden Fall die Hälfte. Viel mehr Spaß macht es, hin und her und noch einmal zurück zum Meister von Meßkirch zu laufen, um sich zum Beispiel den Jakobus an seinem Wanderstab anzusehen. Wenn man ganz still ist, dann glaubt man, ein leises Schnaufen zu hören.

Werke „Der Meister von Meßkirch. Katholische Pracht in der Reformationszeit“ läuft in der Staatsgalerie noch bis zum 2. April. Zu sehen sind 188 Exponate, neben den Tafeln des Meisters von Meßkirch auch Werke von Künstlern wie Albrecht Altdorfer, Lucas Cranach d.Ä. und Albrecht Dürer. Dazu bietet das Museum ein umfangreiches Begleitprogramm an, mehr Informationen im Netz unter: www.staatsgalerie.de

Öffnungszeiten Geöffnet ist Dienstag bis Sonntag 10-18 Uhr, Donnerstag bis 20 Uhr.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bosch-Manager ist in Ottendorf Nazis entkommen

Albrecht Fischer hatte Glück im Unglück. Jetzt erinnert die Landeszentrale für politische Bildung an den NS-Widerständler. weiter lesen