Die Frage nach dem deutschen Handball-Meister der Frauen 2018 ist schnell beantwortet: Bietigheim. So sehen es Experten und die Konkurrenz. Die SG BBM Bietigheim hat in der Vorsaison mit der makellosen Bilanz von 26:0 Punkten in der Liga sowie dem Erreichen des Endspiels im EHF-Cup Maßstäbe gesetzt und ist auch in der neuen Spielzeit das Maß der Dinge im deutschen Frauenhandball.

Der steht mit dem Start der Bundesliga-Saison an diesem Wochenende in den kommenden Monaten stark im Fokus der deutschen Sportöffentlichkeit. Denn im Dezember findet bekanntlich die Weltmeisterschaft statt. Ein Spielort während der Vorrunde mit 15 Partien in fünf Tagen ist Bietigheim-Bissingen mit der EgeTrans-Arena. Auch der Weltmeister Norwegen wird seinen Weg zur Titelverteidigung dort beginnen. Um auch der deutschen Nationalmannschaft genügend Zeit zur Vorbereitung auf die Heim-WM einzuräumen, wird der Bundesliga-Spielbetrieb vom 11. November bis zum 23. Dezember ruhen. Bis dahin stehen sechs Spieltage auf dem Plan. Für die SG BBM kommen noch ein paar Gruppenspiele in der Champions League hinzu.

Für den Bietigheimer Trainer Martin Albertsen steht die Bundesliga und die Titelverteidigung an erster Stelle. Diese Mission beginnt an diesem Samstag um 20 Uhr mit dem Heimspiel in der Ludwigsburger EgeTrans-Arena gegen den TSV Bayer 04 Leverkusen. Bis auf Maura Visser (Knieverletzung) kann Albertsen alle Spielerinnen seines Kaders einsetzen.

Tussies und THC greifen an

Erst recht durch die Verpflichtung der 159-fachen polnischen Nationalspielerin Karolina Kudlacz-Gloc, und weiteren gezielten  Transfers gilt der Meister auch in der neuen Runde als klarer Favorit. Kudlacz-Gloc ist nach der Geburt ihres Sohnes Jakub überraschend schnell in den Spielbetrieb eingetiegen. Mit dem Gewinn des Supercups vor einer Woche feierte sie gleich ihren ersten Titel mit ihrem neuen Verein. Von der Konkurrenz klingen aber auch forsche Töne an, in denen Kampfansagen versteckt sind. „Bietigheim wird nicht mehr verlustpunktfrei Meister werden“, sind sich Manager Ferenc Rott von TuS Metzingen und Trainer Herbert Müller vom Vizemeister Thüringer HC sicher. Nach sechs Meisterschaften in Folge muste sich der THC in diesem Jahr von der SG BBM ablösen lassen.

„Bietigheim ist definitiv stärker als letzte Saison. Sie spielen finanziell in einer anderen Liga“, sagt Müller. Dabei hat er seine Mannschaft ebenso verstärkt wie Rott seine Metzinger Tussies. Neuer Trainer in Metzingen ist der dänische Ex-National- und frühere Bundesliga-Spieler René Hamann-Boeriths, der bislang nur Männerteams trainiert hat. Seine Ehefrau Conny wurde mit Dänemark 1996 Olympiasieger. Beim TuS hat auch im Kader ein personeller Umbruch stattgefunden. Geblieben ist die Achse mit Anna Loerper und Julia Behnke, qualitativ erheblich verstärkt wurde der Rückraum mit Rückkererin Shenia Minevskaja und der Polin Monika Kobylinska. Kein Wunder, dass THC-Trainer Müller die Tussies hoch einschätzt: „Ich traue Metzingen alles zu. Sie können auch uns und Bietigheim schlagen.“

Der Thüringer HC hat seine Mannschaft mit den beiden deutschen Nationalspielerinnen Anne Hubinger und Saskia Lang vom insolventen HC Leipzig erheblich verstärkt. Ersetzt werden muss allerdings Torjägerin Katrin Engel, die ihre Karriere beendet hat.

Leverkusens starker Rückraum

Hinter Metzingen und dem Thüringer HC stuft der Bietigheimer Trainer Martin Albertsen den TSV Bayer 04 Leverkusen hoch ein und bezeichnet ihn ebenso wie den BVB Dortmund „als schlafenden Riesen“. Mit Franziska Mietzner verpflichtete der TSV Bayer 04 ebenfalls eine Spielerin des HC Leipzig. Sie und die Litauerin Marija Gedroit sollen den Rückraum besser machen. „Wir sind auf allen Positionen gut besetzt“, sagt Trainerin Renate Wolf und hofft, dass der Konkurrenzkampf die einzelnen Spielerinnen beflügelt. Um besser abzuschneiden als auf Platz acht wie zuletzt benötigt das Wolf-Team mehr Konstanz in seinen Leistungen.