Unicorns Football-Europapokal: Unicorns haben beim 52:12 mit Amiens leichtes Spiel

Schwäbisch Hall / GUIDO SEYERLE 29.04.2013
Es ist der erwartete Spaziergang: Die Unicorns fertigen den französischen Meister Amiens bei Kälte und Dauerregen 52:12 ab. Nun geht es am 26. Mai gegen den Cupsieger von 2012, die Calanda Broncos.

Die Spannung hochhalten - in der Sportlersprache werden diese drei Worte oft verwendet. Sie stehen für: "Was kann man dafür tun, um ein an sich bedeutungsloses Spiel doch noch interessant zu gestalten?"

Die Unicorns haben sich schon vor der Eurobowl-Partie gegen Amiens alle Mühe gegeben, die Spannung hoch zu halten. Head Coach Siegfried Gehrke sprach von einem Kampf um die Stammplätze. Außerdem seien beim Gegner einige gute Akteure, die vor drei Wochen gefehlt hatten, wieder fit geworden. Das Ergebnis damals: Hall gewann als deutscher Meister beim französischen Champion mit 55:13. Unter den Regenschirmen sprechen viele der 600 Zuschauer am Samstagnachmittag schon vom "französischen Kanonenfutter".

Die Pässe des neuen Quarterbacks fliegen präzise

Doch da ist doch noch die Spannung: Kaum hat Waldemar Schander nach fünf Minuten den ersten Touchdown für Hall vorgelegt, schon ziehen nicht einmal zwei Minuten später die Franzosen nach. Ganz reicht es nicht zum Ausgleich, da ihr Kick zum Extrapunkt nicht erfolgreich ist. Es steht somit 7:6. Böse Zungen würden behaupten, das sei das Gastgeschenk für die 700 Kilometer Anfahrt. Tatsächlich ist die Unicorns-Defense nicht besonders aufmerksam und bietet den Franzosen immer wieder große Lücken für eigene Aktionen.

Zuviel Spannung sollte es dann nach Ansicht von Felix Brenner auch wieder nicht sein. Dank seines Touchdowns steht es zum Ende des ersten Viertels 14:6. Auffällig schon zu diesem frühen Zeitpunkt beim ersten Heimspiel der Unicorns im Jahr 2013: Die Pässe des neuen Quarterbacks Ryan Taggart fliegen schnell und präzise zu seinen Mitspielern.

Aber dann ist die Spannung weg - zumindest in der Sprecherkabine von Axel Streich. Die fröstelnden Zuschauer wundern sich bereits darüber, dass die Stadionlautsprecher schweigen. Streich bleibt nichts anderes übrig, als in die Stadion-Gaststätte zu rennen und eine Minute später wie ein Nummern-Girl über die löchrige Tartanbahn zu schreiten. Nur trägt der Zettel, den er vor sich hält, keine Zahl. Es ist lediglich ein Wort darauf geschrieben: Stromausfall. Dafür gibt es Applaus von den Rängen. Der positive Nebeneffekt besteht in zumindest für ein paar Sekunden erwärmten Fingern.

Es regnet in Strömen, während Streich und sein Team die marode Technik reparieren. Doch dies ist im Vergleich nur eine Kleinigkeit, wenn man seinen Blick zwei Meter neben Streichs Reporterkabine wirft. Dort haben es sich die Berichterstatter des GFL-Radios gemütlich gemacht. Die "Hagenbach-Pressetribüne" besteht aus Bierbänken. Um gegen den Dauerregen wenigstens ein klein wenig Schutz zu bekommen, wurde behelfsmäßig eine grüne Plane über senkrecht gestellte Biertische gespannt. Bei allem Lob für so viel Improvisation: Dies ist eines Europapokal-Spiels nicht würdig. Es wird höchste Zeit, dass die Football-Partien vorzeigbare Rahmenbedingungen bekommen. In der nächsten Saison soll ja dann bereits im Stadion Auwiese gespielt werden.

Während Streich zum Schweigen verdonnert ist, gelingt den Franzosen ihre einzige Interception (Balleroberung während der Haller Offense). Aber die Haller Defense erobert sich den Ball schnell wieder zurück und ermöglichst dadurch Thomas Hambalek seinen ersten von insgesamt drei Touchdowns. Das darf dann auch Stadionsprecher Streich laut verkünden, der elektrische Saft fließt wieder.

"Wir sind hier nicht um zu verlieren!", ruft die Haller Nummer 44, Hannes Dierolf, bei einer Teambesprechnung in die Runde. Es steht 35:6 für Hall, aber der Haller Line-backer will die Spannung bei seinen Defense-Kollegen hochhalten.

Das gelingt nur noch ansatzweise. Nach der Halbzeit schickt Head Coach Gehrke immer mehr Backups aufs Feld, während einige Zuschauer Nässe und Kälte im Stadion gegen Wärme und Behaglichkeit der heimischen vier Wände eintauschen. "Wir probieren viel", sagt Andreas Wengertsmann, der Haller Defense Coordinator. Brian Rushing versucht sich als Quarterback und bekommt von Gehrke zugerufen: "Lass die Zeit laufen!" Hall gelingen noch 17 Punkte, die Franzosen jubeln kurz vor Schluss über ihren zweiten Touchdown.

Um 18.34 Uhr freuen sich die Haller über den Einzug ins Eurobowl-Viertelfinale am 26. Mai gegen die Calanda Broncos, und die Gäste dürfen sich auf die neunstündige Heimreise machen. Der Unicorns-Quarterback sagt zum Abschluss: "Spannend war es nicht, aber gewinnen ist immer schön!"

Punkte für Hall: Waldemar Schander (6), Maximilian Leutert (10), Felix Brenner (12), Thomas Hambalek (18) und Timothy Goth (6).

Viertel: 14:6 / 21:0 / 10:0 / 7:6 / Final: 52:12

Alle Punkte:

7:0 - Waldemar Schander - 5-Yard-Lauf (PAT Maximilian Leutert)

7:6 - Jesse Kirstatter - 45-Yard-Pass von Zachary Walls

14:6 - Felix Brenner - 25-Yard-Pass von Ryan Taggart (PAT Maximilian Leutert)

21:6 - Thomas Hambalek - 7-Yard-Pass von Ryan Taggart (PAT Maximilian Leutert)

28:6 - Thomas Hambalek - 7-Yard-Pass von Ryan Taggart (PAT Maximilian Leutert)

35:6 - Thomas Hambalek - 54-Yard-Pass von Ryan Taggart (PAT Maximilian Leutert)

42:6 - Felix Brenner - 39-Yard-Pass von Ryan Taggart (PAT Maximilian Leutert)

45:6 - Maximilian Leutert - 45-Yard-Fieldgoal

45:12 - Mathieu Lapios - 9-Yard-Pass von Zachary Walls

52:12 - Timothy Goth - 12-Yard-Lauf (PAT Maximilian Leutert)

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