Festivalfun: Es geht auch ohne Bands

Helmut Pusch 25.04.2017

Wer wann auf welchem Festival spielt? Die Antwort auf diese Frage scheint immer irrelevanter zu werden. Denn die großen Festivals sind meist schon so gut wie ausverkauft, bevor auch nur ein Bruchteil ihres Programms steht. Bei Wacken, Southside oder Rock am Ring  sind längst die Festivals selbst die Stars und nicht die Bands, die dort zu Dutzenden auf den Bühnen stehen.

Zumal es für die Festivalmacher immer schwieriger und kostspieliger wird, bekannte Bands zu buchen. Denn nach dem Schrumpfen des Musikmarktes sind Konzerte die Haupt­einnahmequelle für die Musiker geworden. Waren es früher die Live-Konzerte, die Werbung für die Alben machten, werden heute die Alben so veröffentlicht, dass deren Rundfunk-Einsatz Werbung für die Konzerte macht. Und für die fordern die Bands anders als früher überaus stattliche Honorare.

Zum anderen ist die Zahl der Festivals in Europa extrem gewachsen. Konkurrierten in den 80er und 90er Jahren nur die westeuropäischen Länder, mischt heute der ehemalige Ostblock kräftig mit – vom Baltikum bis Südosteuropa. Das Budapester Sziget-Festival etwa gehört zu den größten weltweit.

Und wenn es schon so aufwendig ist, gute Bands zu buchen, warum sie nicht gleich ganz weglassen? So abwegig das klingen mag: Es gibt Festivals ohne Bands, die alles bieten, was man an Festivals neben der Musik auch mag: Fastfood, Innfield, Campen neben dem Auto, Dixies und Porzellanspüler, verrückte Nachbarn, Flunky Ball, Crowdsurfing, Überraschungen und Schlammbäder nach dem obligatorischen Regen.

Im oberschwäbischen Hailtingen (Kreis Biberach) findet eines vom 12. bis 14. Mai statt – ohne Bands, aber mit jeder Menge Spaß auf dem Campingplatz. Das interessiert niemanden? Von wegen. Die Initiatoren haben bereits 1200 Tickets verkauft, so viele, dass sich das Ganze sicher trägt. Break even. Heißt das im Rock-Jargon. Aber der Rock kommt bei diesem Festival ja bestenfalls aus der Konserve. Denn Bands, das bedeutet den Stress, sich rechtzeitig vom Zelt zur Bühne zu begeben.

Diesen Stress will sich so mancher ersparen. Stellt sich die Frage, warum diese Festivalgänger eigentlich bislang auf Festivals mit Bands und Konzert-Stress gegangen sind?

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