Rechberghausen Faszinierend in Szene gesetzt

Rechberghausen / LILLI ELL 15.12.2015
Gleich zwei Mal hörten die Besucher am dritten Advent in der katholischen Kirche in Rechberghausen Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium - nachmittags die kleinen Menschen und abends die großen.

Kinder und Jugendliche in die großen Werke der Komponisten einzuführen, ist eine wichtige und dankbare Aufgabe. Und wenn so viele kleine Menschen kommen, macht das richtig Laune. Denn sowohl beim Kinder-, als auch beim Erwachsenenkonzert war die Kirche in Rechberghausen voll besetzt.

Der geniale Erzähler, Alexander Strauss, der die Geschichte vom Christkind den Kindern auf Schwäbisch nahebrachte und dem es immer wieder gelang, die Aufmerksamkeit der vielen Kinder zu gewinnen, und die Kantorei Rechberghausen mit den Musikern und den Solisten unter der Leitung von Gerhard Großmann entfalteten die Geschichte der Geburt des Christuskindes in Bethlehem. Verpackt in einer launigen, herzerwärmenden Moderation wurden die Kinder in die Musik Johann Sebastian Bachs und die Handlung eingeführt.

Nebenbei gab es noch eine kleine Instrumentenkunde, wenn es darum ging, das richtige Instrument für das Wiegenlied beziehungsweise das königliche Instrument für den König Jesus zu finden. Zum Schluss dieser reizenden Darstellung machte der Erzähler noch einmal deutlich, dass es eine schöne Sache sei, der Musik zu lauschen, noch schöner aber sei es, selbst mitzumachen. Die kleinen Menschen klatschten begeistert Beifall, was wiederum zeigt, dass Gefallen an der klassischen Musik nicht an das Alter gebunden ist.

Am Abend dann füllte sich die Kirche ein zweites Mal für die Aufführung für die Großen. Gerhard Großmann am Pult, die Kantorei Rechberghausen, Solisten und ein Orchester warteten mit einer rasanten, anfangs etwas hektischen, dennoch kraftvollen, prächtigen sogenannten Figuralmusik auf, reichlich verziert und faszinierend in Szene gesetzt. Die großen Chöre der ersten drei Teile, die Großmann zur Aufführung brachte, inszenieren die Geburt und feiern den Herrn der Welt mit großer Pracht und dem Chor gelangen diese Herausforderungen mit aufwühlendem Duktus.

Das Solistenquartett, Pia Schäfer-Mayer, Sopran, Andrea Wahl, Alt, Hubert Mayer, Tenor, und Manuel Wiencke, Bass, zeigte sich etwas unausgeglichen und bisweilen traten Schwächen auf, auch konnte besonders die Altistin in dieser transparenten Akustik nicht überzeugen. Der junge Bassist wartete mit einem großen Volumen auf, das mühelos das Kirchenschiff füllte, und gestaltete die erste Bassarie "Großer Herr, o starker König" gemeinsam mit den Trompeten zu einem bewegenden, strahlkräftigen Erlebnis. Da zeigte sich auch der Dirigent Gerhard Großmann bewegt, der in seiner üblichen sicheren und einfühlsamen Art Chor und Orchester mit wenigen Gesten unaufgeregt durch die Musik führte.

Das Orchester war eine sichere Stütze für den Chor und für die Solisten, wenn man sich auch an einigen Stellen gewünscht hätte, dass die temperamentvolle Spielweise sich etwas mehr an den Möglichkeiten des Chores und der Solisten orientiert hätte. Hervorzuheben sind die Holzbläser, die weich und gewandt agierten.

Am Ende des Konzerts gab es zunächst lange Betroffenheit unter den Besuchern, bevor begeisterter Beifall über eine sehr gelungene Aufführung aufbrauste. Mit Bachs Musik war das Tor zur Weihnacht wieder einmal reich und mit großen musikalischen Gefühlen aufgestoßen.

Ein Teil des Erlöses dieser beiden Konzerte geht an die NWZ-Aktion "Gute Taten".