Das Internet vergisst nichts, heißt es oft. Peinliche Fotos aus der Zeit, als man langhaarig Metal-Mucke im Jugendhaus schmetterte, das Saufgelage bei der Tischtennis-­Meisterfeier, der Auftritt als Steppke bei „Kinderquatsch mit Michael“ – einmal im Netz, sind die digitalen Spuren kaum zu tilgen. Personalchefs wird nachgesagt, den Lebenswandel ihrer Bewerber auf Facebook zu überprüfen.

Doch auch anderer Schwachsinn kommt dort immer wieder hoch – so derzeit das angebliche „Grüß-Gott-Verbot“ in Baden-Württemberg. „Das ist der HAMMER!!! (kommt von einer jungen Lehrerin!)“ heißt es im Kettenbrief, der aktuell wieder durch Facebook rast. „Zu Schulbeginn“ seien nun an Stuttgarter Schulen die Kinder informiert worden, dass „Grüß Gott“ tabu sei, da das „moslemische“ Mitschüler beleidigen könnte. „Ich kann's gar nicht glauben. Ist aber wahr. Ihr könnt Euch gerne in Stuttgart in den Volksschulen erkundigen“, heißt es weiter.

Ministerium: Das ist eine Fälschung

Da in Baden-Württemberg die Ferien gerade erst begonnen haben und es im Land sowieso gar keine Volksschulen gibt, ist das mit dem Erkundigen schwierig – und es könnte auch ein erster Hinweis sein, dass da was nicht stimmt. Trotzdem gab es so viele Anfragen zum Thema, dass das baden-württembergische Kultusministerium auf Twitter klarstellt: „Das ist eine Fälschung, es gibt kein Grüß-Gott-Verbot. Der Text will nur fremdenfeindliche Ängste schüren“.

Laut der Seite „Mimikama“, die Fälschungen im Netz nachspürt, macht der Brief in der Bawü-Fassung seit 2011 die Runde – und ist nicht totzukriegen. Das Original ist sogar drei Jahre älter und stamme aus Österreich – auch dort war es selbstredend eine Fälschung. Nur notdürftig wurde der Text irgendwann an die andere Zielgruppe (Stuttgart statt Linz) angepasst – die österreichischen „Volksschulen“, die bei uns „Grundschulen“ heißen, zeugen noch von der Herkunft jenseits der Alpen.

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