Erweiterte Realität

Apps wie Wikitude erkennen zum Beispiel das Brandenburger Tor und können passende Informationen dazu einblenden. Foto: Wikitude
Apps wie Wikitude erkennen zum Beispiel das Brandenburger Tor und können passende Informationen dazu einblenden. Foto: Wikitude
THOMAS SCHÖRNER, DPA 14.09.2013
Google Glass ist ein wichtiges Thema. Die Technik aus der Brille, die Infos aus dem Internet über die Realität legt, gibt es aber längst: auf dem Handy. In Großstädten funktionieren Augmented-Reality-Apps gut.

Sie erkennen Sehenswürdigkeiten, finden Restaurants und helfen bei der Suche nach der nächsten Toilette. So genannte Augmented-Reality-Apps sorgen dafür, dass Nutzer sich im Großstadtleben leichter zurechtfinden. "Augmented Reality ist eine für den Benutzer glaubhafte Kombination von interaktiven, computergenerierten Informationen mit der Realität", erklärt Leif Oppermann vom Fraunhofer-Institut für Angewandte Informationstechnik (FIT) in Sankt Augustin.

Die Funktionsweise von Augmented Reality oder AR ist einfach: "Im Computer generierte Informationen werden mittels eines geeigneten Ausgabegeräts passgenau in das Blickfeld des Benutzers eingeblendet", sagt Oppermann. Dieses Ausgabegerät kann wie Google Glass eine Datenbrille sein, aber auch ein Live-Kamerabild des Handys.

Die technischen Voraussetzungen dafür erfüllen laut Oppermann die meisten aktuellen Smartphones. Wichtig ist nur, dass das Gerät eine Kamera und GPS zur Positionsbestimmung an Bord hat. Auch eine Datenflatrate ist Pflicht, genau wie eine schnelle Verbindung ins mobile Internet.

Für die gängigen Handy-Betriebssysteme sind bereits zahlreiche Apps erhältlich. "Android und iOS haben hier ganz klar die Nase vorn", sagt Sascha Pallenberg vom Weblog "Mobilegeeks.com". Für Windows Phone gibt es ebenfalls AR-Apps, allerdings längst nicht so viele.

Viele Apps sind sogar kostenlos. "Die bekannteste dürfte wohl Layar sein, die alleine für Android über 30 Millionen Mal heruntergeladen wurde", sagt Pallenberg. Die App zeigt zum Beispiel den Weg zum nächsten Geldautomaten oder Restaurant und sucht Informationen über bekannte Gebäude heraus.

Im Praxistest erweist sich die Bedienung von Layar als denkbar einfach: Die App legt dazu Ebenen über das Kamera-Bild, ein Umkreisradar zeigt interessante Orte in der Umgebung an - darunter sogar Immobilien, die zur Miete oder zum Verkauf frei stehen. Der Nutzer dreht sich so weit mit dem Smartphone, bis die Richtung stimmt und ein Symbol im Bild erscheint. Möchte der Nutzer sich zu diesem Punkt bewegen, bietet die App auch eine Navigation.

Bei der App des Bewertungsportals Yelp verbirgt sich die AR-Funktion hinter dem Namen Monocle. Sie zeigt nicht nur den Weg zum nächsten Hotel, sondern weiß nebenbei auch noch, was andere Nutzer davon halten. Auch Standorte von Freunden lassen sich damit anzeigen. Mit Eselsohren setzt der Nutzer außerdem persönliche Ortsmarker. Im Vergleich mit Layar bietet das Kategoriensystem von Yelp deutlich mehr Details: Vom Schlüsseldienst über Hundeschulen bis zur Wohnmobilvermittlung lassen sich die Suchanfragen klar eingrenzen.

Sowohl Yelp als auch Layar zeigen in der Praxis aber auch ein paar Schwächen: In manchen Kategorien wie Biergärten oder Lieferservice erkennen die Programme nicht immer alle vorhandenen Angebote.

Andersherum existieren manche abgebildeten Restaurants gar nicht oder nicht mehr: Hier scheinen die Datenbanken der Apps nicht immer vollständig und auf dem neusten Stand zu sein.

Während Augmented Reality gerade erst mit solchen Apps im Nutzeralltag ankommt, entwickelt sich die Technik bereits weiter. Noch klingen die Ideen der Forscher allerdings eher wie Science Fiction: Am Fraunhofer FIT wird zum Beispiel an einem Unterwasser-Lernspiel mit AR-Elementen für Kinder gearbeitet.