Berlin / Guido Bohsem Gleich drei historische Ergebnisse gibt es bei dieser Wahl: Der Einzug der AfD, die Niederlage der Kanzlerin und der weitere Absturz der SPD. Ein Kommentar.

So ein Wahlergebnis hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Drei Dinge machen es so außergewöhnlich: Der Einzug der AfD, die krachende Niederlage der Bundeskanzlerin und der weitere Absturz der SPD. In der besten Wirtschaftslage seit Jahrzehnten haben die Wähler die regierende große Koalition regelrecht vom Feld gejagt. Deutlicher kann eine Niederlage nicht ausfallen.

Erstmals seit den 50er­Jahren wird wieder eine rechtsnationale Partei im Bundestag sitzen. Der Einzug der AfD ist eine Schande, realistisch betrachtet aber eben keine Katastrophe. Die Demokratie in Deutschland ist stabil und wehrhaft und durchaus in der Lage, sich mit der neuen Kraft von rechts auseinanderzusetzen. Zumal vieles dafür spricht, dass die Partei sich selbst diskreditieren könnte. Doch darf man die neuen Rechten auch nicht unterschätzen. Die anderen Parteien müssen ihr inhaltlich und argumentativ entgegentreten und eben nicht, wie so oft im Wahlkampf, nur mit der Moralkeule.

Formal hat Angela Merkel diese Wahl gewonnen. Sie kann wieder Bundeskanzlerin werden. Doch eine strahlende Siegerin sieht beileibe anders aus. Tatsächlich sind sie und ihre Partei die großen Verlierer der Wahl mit dem schlechtesten Ergebnis seit 1949. Ihrem aktuellen Koalitionspartner geht es nicht besser: die stolze SPD kann das Etikett Volkspartei bald nicht mehr für sich beanspruchen. Sie hat ganz offenbar weder mit ihren Themen noch mit ihrem Kandidaten eine entsprechende Unterstützung bei einer breiten Wählerschicht gefunden.

Für Merkel selbst ist das Ergebnis ein Menetekel: Ihre beste Zeit als Bundeskanzlerin liegt hinter ihr, trotz ungebrochen hoher Popularitätswerte. Das Wahlergebnis ist der Beginn des Verfalls ihrer Macht. Das hat vor allem mit der Aufgabe zu tun, eine neue Regierung zu formen. Die stabilitätsverliebten Deutschen haben der Republik nämlich das instabilste Wahlergebnis seit Jahren beschert. Den geborenen Koalitionspartner gibt es nicht. Die SPD will nicht mehr für eine neue Koalition mit der Union zur Verfügung stehen, und Merkel wird größte Mühe haben, ein funktionierendes Bündnis aus Union, FDP und Grünen zu schaffen, eine Jamaika­-Koalition.