Crailsheim Ein kleines Königreich ohne Direktor

Crailsheim / Ursula Richter 11.10.2018
Mit vielen Gästen von Oberkirchenrat Hans-Peter Duncker bis zur Enkelschar des Kirchenverwaltungsdirektors ist Dieter Krauß in den Ruhestand verabschiedet worden.

Lieber guter Dieter Krauß!“ Dekanin Friederike Wagner traf nicht nur bei ihrer Begrüßung den richtigen Ton. Ein „treuer Haushalter“ sei er gewesen und mit Lied, Bibelvers und einem Gebet begann denn auch folgerichtig die Veranstaltung.

Die Erfahrung und seinen unaufgeregten, effizienten Beitrag werde Hans-Peter Duncker vermissen. Der Oberkirchenrat sprach von der segensreichen Arbeit des Urgesteins Krauß, der riesigen Aufgabe mit den schönen und wertvollen Kirchen und Pfarrhäusern – insgesamt 400 Gebäuden – hier im „kleinen Königreich“, der Verwaltungsstelle Crailsheim, wie „immer mit ein bisschen Neid“ gesagt werde.

Eine Art Naturgesetz

„Sie waren eine Institution“, stellte Uwe Altenmüller im Namen der vier Kirchenbezirke des Landkreises fest. Der Dekan des Kirchenbezirks Gaildorf berichtete lächelnd: „Immer wieder wurde geäußert: Herr Krauß hat gesagt, das sollen wir so machen – und dann war das auch so; eine Art Naturgesetz.“ Er überreichte einen karierten schottischen Schal als Ausdruck für Kraußens Sparsamkeit und war gleichzeitig davon beeindruckt, dass dieser immer betont habe, sie sollten nicht aufs Geld schauen. Bei Projekten müssten sie wissen, was sie wollten.

Mit Fritz Ruff kam eine humorvolle Note in die Verabschiedung. Der Vertreter der Kollegen begrüßte die Festgemeinde mit einem Krauß-Zitat: „So, hat mer’s eirichte kennt?“ Der Leiter der kirchlichen Verwaltungsstelle Waiblingen beschrieb das notorisch kultivierte Hohenlohisch des gebürtigen Satteldorfers: „I waas net, wie des bei eich geht – bei uns in Craalse geht des asau.“ Mit der Übergabe eines vielfach signierten Schwarzwurstbretts samt Wurst wünschte er, dass der künftige Ruheständler „seiner Straße fröhlich“ ziehen möge.

Die elf Videobotschaften derer, die verhindert waren, waren teils aufgelockerte, teils gefühlvolle Würdigungen. Wie anerkannt und beliebt er trotz oder wegen seines ausgeprägten Charakters gewesen sein muss, konnte dem Song seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entnommen werden: „An Tagen wie diesen darf man auch mal traurig sein…“

Ein begnadeter Netzwerker

Das persönliche Schlusswort von Dieter Krauß enthüllte dann eines seiner Erfolgsgeheimnisse: Er ist offenbar ein begnadeter Netzwerker. Vor der Veranstaltung begrüßte er am Eingang alle persönlich mit Handschlag. Er wusste wie und was, wer da war und wer nicht da war und nannte sie alle namentlich. Die Faktoren eines 30-jährigen Wirkens – ohne Streit, wie er betonte - formulierte er sehr klar.

Die vielen Wünsche, fand er, hätten auch Glückwünsche sein können. „Habe ich bis jetzt nicht gehört.“ Zum Schluss dann sein eigener Wunsch: „Die Geschäfte sollen gut weiterlaufen.“ Und dann lächelte er in seiner charakteristischen Art: „Besser als jetzt natürlich nicht.“

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