Crailsheim Drogen-Paradies im Netz lockt 4600 Kunden an

Über die Website „Shiny Flakes“ soll auch ein 32 Jahre alter Mann aus der Region diverse Drogen bestellt haben.
Über die Website „Shiny Flakes“ soll auch ein 32 Jahre alter Mann aus der Region diverse Drogen bestellt haben. © Foto: Archiv
Crailsheim / Harald Zigan 14.02.2019
Auch ein 32 Jahre alter Mann aus der Region soll sich über die Webseite „Shiny Flakes“ mit Rauschgift eingedeckt haben. Die Ware wurde an Packstationen geliefert.

Den ganz speziellen Kaufrausch seiner Kunden bediente ein 20 Jahre alter Lehrling aus Leipzig im ganz großen Stil: Sein Zimmer im Elternhaus glich einem Versandzentrum für Drogen aller Art, die über das Internet geordert und mit der virtuellen Währung Bitcoin bezahlt wurden.

Der überaus schwunghafte Handel mit rund 900 (!) Kilogramm an Rauschgiften flog vor drei Jahren auf – und zog einen ganzen Rattenschwanz an polizeilichen Ermittlungen nach sich.

Auf der 4600 Positionen umfassenden Kundenliste stand auch ein 32 Jahre alter Mann aus der Region, der sich jetzt vor dem Amtsgericht in Crailsheim vor dem Schöffengericht unter dem Vorsitz von Richterin Uta Herrmann zu verantworten hat.

Drogengeschäfte über Packstation

Die Online-Drogengeschäfte werden vor allem über Packstationen der Post abgewickelt: Der Lieferant verschickt die Päckchen mit falschen Absenderangaben, der Empfänger holt die Ware an der Packstation mit gefälschten oder gehackten Kundenkarten ab, die es ebenfalls in den Hinterzimmern des Internets zu kaufen gibt.

Diesen konspirativen Versandweg nutzte auch der Leipziger Drogen-Großhändler auf seiner inzwischen nicht mehr zugänglichen Webseite „Shiny Flakes“ („Glitzernde Flocken“), auf der auch der 32 Jahre alte Mann aus der Region schon seit dem Jahr 2014 seine einschlägigen Bestellungen aufgegeben haben soll. Die Staatsanwältin Alexandra Henning wirft ihm vor, insgesamt 665 Gramm Amphetamine und knapp 100 Ecstasy-Tabletten nebst geringen Mengen an Haschisch und Kokain geordert und zu 90 Prozent weiterverkauft zu haben – mit einem Erlös von knapp 3000 Euro.

Die lukrativen Geschäfte des Leipziger Drogen-Jungunternehmers flogen erst auf, als er Päckchen nicht ausreichend frankierte und die Ware retour ging an den vermeintlichen Absender. So fiel eine grundsolide Firma aus Stuttgart aus allen Wolken – und verständigte die Polizei.

Polizei observiert

Nach umfangreichen Ermittlungen kam die Polizei auch dem Angeklagten auf die Spur, der zunächst eine Packstation in Rothenburg und dann in Wallhausen genutzt haben soll. Die Kripo observierte den „Briefkasten“ in Wallhausen, und im Oktober 2017 klickten die Handschellen, als der 32-Jährige die Drogenlieferung eines anderen Internet-Anbieters mit knapp 100 Gramm Amphe­tamin abholen wollte.

Dieses illegale Geschäft räumte der Angeklagte ein. Mit den anderen Fällen, die ihm vorgeworfen werden, habe er aber nichts zu schaffen – die besagte Kundenkarte der Post sei erst seit Sommer 2017 in seinem Besitz. „Was zuvor damit gemacht wurde, ist mir nicht bekannt“, ließ der Mann über seinen Verteidiger Timo Fuchs aus Ellwangen mitteilen. Der Strafprozess wird am 26. Februar fortgesetzt.

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