Blaubeuren Drillinge: Das Ende der Freizeit

© Foto: Elisabetta Gorin
Blaubeuren / UWE KEUERLEBER 14.07.2014
Drillinge willst du nicht, Drillinge bekommst du. Elisabetta Gorin und ihr Mann Indy Chahal aus Blaubeuren wurden vor drei Monaten dreifache Eltern. Das Leben mit den drei Babys macht vor allem müde.

Die Küche gleicht der einer Kinderstation im Krankenhaus: Dort stehen ein Dutzend mit Milchpulver vorbereitete Fläschchen, jederzeit griffbereit, um Amritas, Mayas und Minas Hunger zu stillen. Nicht gleichzeitig, jedes der drei Mädchen hat seinen eigenen Rhythmus. Drei Monate sind die Drillinge alt. Das Wohnzimmer ist mollig warm, aus den Lautsprechern klingen beruhigende Klassiktöne, die Mädchen schlafen – noch. Bald beginnt eines von ihnen die Augen zu öffnen, kurz darauf sind auch die Schwestern wach.

Drei Mädchen, die schlagartig das Leben von Elisabetta (43) und ihrem Mann, dem Inder Indy Chahal (36), auf den Kopf gestellt haben. „Ich war sprachlos, als mir die Ärztin bei der Ultraschalluntersuchung mitgeteilt hat, dass sie nicht nur zwei Herztöne, sondern drei gehört hatte.“ Nein, das kann nicht wahr sein, waren ihre ersten Gedanken. Doch nach der Sprachlosigkeit folgte die Ernüchterung, dass sich nun alles ändern wird.

Das galt für den Haushalt ebenso wie für die Arbeit in ihrem Lokal, welches das Ehepaar seit einigen Jahren in Blaubeuren betreibt und dessen Betrieb weitergehen musste. „Am Anfang hatten wir nur noch am Wochenende geöffnet“, sagt Indy. Dieser Entschluss musste kurze Zeit später wieder verworfen werden, denn eine Großfamilie bedeutet auch eine finanzielle Belastung, und durch die reduzierten Öffnungszeiten des Lokalbetriebs fielen Einnahmen weg. Mittlerweile hat sich das Paar auf zwei Ruhetage in der Woche beschränkt.

In dem zuvor eher spontanen Leben von Elisabetta und Indy muss nun alles genau geplant werden. „Früher hab’ ich mich kurz mal mit einer Freundin verabredet oder bin mal eben nach Ulm gefahren, das geht jetzt alles nicht mehr“, erzählt die quirlige Italienerin in einem leicht erschöpften Ton. Seit den frühen Morgenstunden ist sie auf den Beinen und muss sich am Abend ums Lokal kümmern. Die Mädchen halten auch in der Nacht die Eltern gut auf Trab. „Zum Glück ist Indy derjenige, der sehr lange aufbleiben kann,“ erzählt Betty, wie Elisabetta von allen genannt wird.

Trotz dieser enormen Belastungen hat sich das Ehepaar Gorin/Chahal gut in seine Rolle als Elternpaar eingefunden, beschreibt Betty das Familienleben. „Indy ist der Planungsmensch, er kann perfekt organisieren und kümmert sich um die Dinge, die noch nebenher zu machen sind.“ Also zum Beispiel um den Kauf eines neuen Autos, das alte ist zu klein. Ein Bus muss her. Der 36-Jährige sitzt am Computer, schaut sich Angebote an, vergleicht. „Es kommt auf jeden Cent an, den ich sparen kann,“ sagt der hochgewachsene Inder und lächelt. Zwei Modelle hat er schon in seine engere Auswahl genommen, letztendlich entschieden wird aber gemeinsam.

Obwohl das Paar sich sehr gut ergänzt, ganz auf fremde Hilfe kann es doch nicht verzichten. Tagsüber bekommt die junge Familie Unterstützung von einer Haushaltshilfe. Unterstützt werden sie auch von ihren vielen Freunden und Bekannten, die sie mit Windeln und Babykleidung versorgen. Dass die Eltern von Indy im mehr als 6000 Kilometer entfernten Indien leben, findet Betty schon ein wenig schade. Die Großeltern haben bisher ihre Enkeltöchter in Blaubeuren noch nicht besuchen können, aber dieses Jahr werden sie für ein paar Wochen nach Deutschland kommen.

Wo immer die Italienerin mit ihrem Kinderwagengespann – zwei Sitze nebeneinander, einer obendrauf – und den drei Mädchen auftaucht, wird sie zu einer kleinen Attraktion. Neugierig blicken Passanten ihr hinterher, oft wird Betty auf ihre Drillinge angesprochen, teils mitleidig, teils freudig. Mittlerweile kennt man die Mädchen mit den indischen Namen. „Auch wenn du dir nie Drillinge gewünscht hast, du kannst dir ein Leben ohne sie nicht mehr vorstellen“, sagt Betty – und gähnt dab ei.