Crailsheim Neue Drehleiter ist europäische Spitze

Die Oberbürgermeister-Stellvertreterin Helga Hartleitner, Feuerwehr-Kommandant Armin Klingenbeck und Abteilungsleiter Jochen Ekert (von links) neben der neuen Drehleiter.
Die Oberbürgermeister-Stellvertreterin Helga Hartleitner, Feuerwehr-Kommandant Armin Klingenbeck und Abteilungsleiter Jochen Ekert (von links) neben der neuen Drehleiter. © Foto: Luca Schmidt
Crailsheim / Luca Schmidt 01.06.2018
Nach 26 Jahren hat die Drehleiter in Crailsheim ausgedient. Das neue Fahrzeug verbessert mit seiner Ausstattung die Rettungsmöglichkeiten in einer Höhe von bis zu 30 Metern.

Ohrenbetäubender Lärm von Sirenen ist in der Gartenstraße zu hören, dann taucht das Blaulicht auf und sie fährt zum ersten Mal auf das Gelände der Crailsheimer Feuerwache Kernstadt: Die L32A-XS. Hinter dem Kürzel versteckt sich die neue Drehleiter der Stadt. „Das ist der modernste Stand der Technik. Nur fünf Feuerwehren in Europa haben dieses Modell“, sagt Kommandant Armin Klingenbeck.

Hauptaufgabe der neuen Drehleiter: Hilfe für Menschen über den zweiten Rettungsweg. Der erste Rettungsweg ist meist der herkömmliche Zugang ins Haus, der zweite Rettungsweg führt durch Fenster, über einen Balkon oder über eine Leiter. „Bis acht Meter Oberkante Fensterbrüstung kommen wir mit einer tragbaren Leiter“, erklärt Klingenbeck. Zwischen acht und 23 Meter Höhe brauche man aber die Drehleiter, um den zweiten Weg gewährleisten zu können.

Günstiger als geplant

Die Vorschrift besagt, dass 23 Meter mit der Leiter erreicht werden müssen, wenn das Fahrzeug zwölf Meter vom Ziel entfernt steht. „Bei guten Bedingungen können wir aber auch steiler anstellen und schaffen dann 30 Meter.“ Dabei ist das neue Modell nicht nur wichtig, um Menschen zu retten: „Ohne eine Drehleiter kann eine Stadt nicht über das zweite Obergeschoss hinaus bauen“, sagt der Stadtbrandmeister. Das schreibe das Baurecht vor. In einer Stadt wie Crailsheim, in der Wohnraum eine dauerhafte Mangelware ist, wäre also keine Drehleiter auch keine Lösung.

„629 521, 34 Euro hat die Drehleiter gekostet“, berichtet Helga Hartleitner, die als Vertreterin von OB Dr. Christoph Grimmer gekommen war. Das hört sich erst einmal nach einem stolzen Preis an. Aber: „Damit liegen wir rund 150 000 Euro unter dem Ansatz.“ Die Beschaffung sei notwendig gewesen, da die bisherige Drehleiter 26 Jahre alt ist – und dadurch reparaturanfällig. In der Vergangenheit musste immer wieder eine Drehleiter bei einem Hersteller angemietet werden. „Das war nicht billig. Die Neuanschaffung ist kein Statussymbol der Crailsheimer Feuerwehr und orientiert sich an unserem Bedarf. Ihr Zweck ist es, Menschen retten zu können“, sagt Klingenbeck. Und das nicht nur im Crailsheimer Stadtgebiet: „Die Drehleiter kommt auch in den benachbarten Gemeinden zum Einsatz.“

Eine Neuerung: Der Korb der Drehleiter ist jetzt größer und lässt sich abknicken. „Damit haben wir mehr Spielraum und können auch hinter eine Fassade gelangen.“ Ein Vorteil sei der neue Korb auch bei Veranstaltungen in der Innenstadt. „Bisher hatte ich immer etwas Bauchschmerzen, wenn Buden vor den Häusern standen“, sagt Klingenbeck.

Der größere Korb bringt noch mehr Vorteile mit sich. „Wir können jetzt bis zu drei Personen auf einmal mitnehmen statt einer wie bisher.“ Außerdem ist jetzt auch eine Reanimation durch die Rettungskräfte im Korb möglich, weil dort eine Trage abgestellt werden kann.

Aufbau ist Handwerk

40 Wochen Bauzeit waren nötig, bis die Drehleiter von der Firma Rosenbauer aus Karlsruhe fertig gestellt wurde. „Das Grundgerüst bildet ein 300 PS starker Lkw. Der Aufbau ist Handwerk, die Treppe handgeschweißt“, sagt Klingenbeck. Knapp 15 Tonnen wiege das Gefährt beladen, die Leiter ist 32 Meter lang.

Die alte Drehleiter wird verkauft, wenn die Crailsheimer Floriansjünger an der neuen eingelernt sind. „Der Erlös fließt in neue Fahrzeuge“, verrät Klingenbeck. Dabei sieht die bisherige Drehleiter noch richtig gut aus: Sie wurde von manchem Besucher sogar für das neue Modell gehalten.

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