Interview Schlafforscher: „Jeder muss seine Einschlaf-Methode finden“

Dr / Karin Mitschang 13.10.2018

Mirja Quante leitet das Kinderschlaflabor am Uniklinikum Tübingen. Sie verrät, was den Kinder-Schlaf so besonders macht.

Was unterscheidet den Schlaf eines Kindes von dem von Erwachsenen?

Dr. Mirja Quante: Kinder haben ein viel größeres Schlafbedürfnis. Dies nimmt mit dem Alter immer mehr ab. Während ein Säugling 14 bis 17 Stunden schläft, kommt ein Erwachsener gewöhnlich mit sieben oder acht Stunden Schlaf aus. Auch die Schlafzyklen und der Schlafrhythmus ändert sich: Kinder durchlaufen kürzere und häufigere Zyklen. Sie haben im Vergleich zu Erwachsenen außerdem deutlich mehr Tiefschlaf.

Was passiert da?

Der Tiefschlaf ist besonders wichtig für uns, weil wir uns in dieser Phase wirklich erholen. Im Tiefschlaf ist die Weckschwelle sehr hoch. Diese Schlafphase ist für das Gedächtnis entscheidend. In dieser Phase kann es auch zu sogenannten Parasomnien kommen, das sind Phänomene wie zum Beispiel das Schlafwandeln.

Wie viel Schlaf brauchen Kinder?

Für Säuglinge unter einem Jahr werden insgesamt 12 bis 16 Stunden täglich empfohlen, für  Kinder zwischen 3 und 5 Jahren 10 bis 13 Stunden und für Grundschulkinder 9 bis 12 Stunden. Jugendliche sollten regelmäßig mindestens 8 Stunden pro Nacht schlafen.

Was sind Ursachen für Ein- und Durchschlafprobleme?

In bestimmten Situationen, etwa bei Problemen in der Schule, kann Stress Ursache für Einschlafprobleme sein. Sie können aber auch mit mangelnder Routine zusammenhängen. Schlechter Schlaf kann aber auch organische Ursachen haben, etwa wenn vergrößerte Mandeln die Atemwege verlegen und es zu Atempausen kommt. Die Schlafapnoe lässt sich im Labor untersuchen. Außerdem gibt es noch spezielle Krankheitsbilder wie etwa die Narkolepsie.

Wann sollten sich Eltern sorgen?

Ein Alarmsignal ist immer Tagesmüdigkeit: Wenn das Kind in der Schule einschläft, Lehrer von Konzentrationsschwierigkeiten berichten oder es zu einem plötzlichen Notenabfall kommt.  In extremen Fällen kann sich sogar das Wachstum des Kindes verzögern, wenn es nachts nicht erholsam schläft. Eine Untersuchung ist auch sinnvoll, wenn ein gesundes Kind regelmäßig schnarcht.

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