Das Handy muss raus aus dem Schlafzimmer? Nicht unbedingt, sagt Psychologe Hans-Günter Weeß von der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung. Wichtig ist, emotional abzuschalten.

Herr Weeß, ist das Handy im Bett für den Schlaf kontraproduktiv?

Hans-Günter Weeß: Wenn man noch Arbeits-E-Mails checkt oder etwas Spannendes anschaut, schon. Eine Studie hat belegt, dass Kinder, die mit dem Handy ins Bett gehen, schlechter schlafen und schlechtere Noten in der Schule haben.

Was ist von digitalen Einschlafhilfen wie ASMR-Videos zu halten?

Aus schlafmedizinischer Sicht spricht nichts dagegen. Ich bin der Meinung, erlaubt ist, was gefällt und zum Ziel führt. In unseren Schlaftherapiegruppen für Menschen mit Schlafstörungen mache ich da keine Unterschiede: Jeder muss seine individuelle Methode finden, die ihm hilft, um wieder Entspannung zu lernen – ob das Yoga, autogenes Training, geführte Phantasiereisen oder ASMR ist. Wir brauchen ein Ritual vor dem Schlafen, um uns vom Alltag zu entpflichten und auch emotional abzuschalten.

Dann gehört ASMR nicht zu den „digitalen Schlafräubern“, die Sie in Ihrem neuen Buch beschreiben?

Nein. Meistens geht es bei ASMR ja um bestimmte Geräusche, die man anhört. Wer sich das Video aktiv anschaut, kann noch einen Blaulicht-Filter verwenden, denn das blaue Licht eines Bildschirms führt zu einer geringeren Bildung des Schlaf-Botenstoffs Melantonin, was das Einschlafen verzögern kann.

Was halten Sie von Handy-Apps, die den Schlaf analysieren?

Die empfehle ich ganz und gar nicht, denn sie beruhen – wie im Übrigen auch die Fitness-Tracker – auf Steinzeitmethoden der Forschung. Die Schlaf-Apps bedienen sich bei Biosignalen wie Bewegung, Puls oder Helligkeit. Die Ergebnisse sind ungenau und verunsichern die Nutzer oftmals unnötig oder wiegen sie fälschlich in Sicherheit. Den medizinischen Apps gehört die Zukunft, jedoch müssen sie wissenschaftlich fundiert sein und nachweislich funktionieren.

Info Dr. Hans-Günter Weeß’ neuestes Buch „Schlaf wirkt Wunder“ erscheint im November im Droemer Verlag, 16,99 Euro, ISBN 978-3-426-27755-3.