San José / Moritz Clauß (mit dpa)  Uhr
Apple attackiert Google und Facebook mit einer neuen Login-Funktion. iPads erhalten ein eigenes Betriebssystem, das kommende iOS 13 macht iPhones schneller.

Ein Dunkelmodus, aktuelle Karten, eine modernere Smartphone-Tastatur: Apple hat auf der Entwicklerkonferenz WWDC im kalifornischen San José mehrere Neuerungen für sein mobiles Betriebssystem iOS vorgestellt. Viele Nutzer dürfte jedoch vor allem eine Nachricht freuen: iOS 13 soll die Geräte beschleunigen.

Bereits der vergangene Systemsprung hat älteren iPhones und iPads neues Leben eingehaucht. „Da haben viele gesagt, dass sich ihr iPhone wie ein neues Gerät anfühlt“, sagt Stephan Ehrmann, Chefredakteur des Magazins „Mac & i“. Dabei war iOS jahrelang für das Gegenteil bekannt: „Der Code wurde immer fetter, und je fetter der Code, desto langsamer läuft alles“, sagt Ehrmann. Ältere iPhones und iPads liefen nach einigen Jahren spürbar ruckliger als nach dem Kauf.

Viele Nutzer witterten dahinter Absicht. Jetzt scheint sich der Konzern aber konsequent darum zu kümmern, dass auch alte Geräte zuverlässig funktionieren. Das neueste iOS-Update erhalten alle Apple-Smartphones bis zum iPhone 6s, das Ende 2015 veröffentlicht wurde. Das System soll im Herbst erscheinen. Apple hat außerdem weitere Neuerungen für iPhones, iPads und iMacs vorgestellt. Ein Überblick: 

Dunkler Modus: Das iPhone bekommt mit iOS 13 einen „Dark Mode“. Sein zentrales Merkmal ist, dass die üblicherweise weißen Flächen in Apps schwarz sind. Das Smartphone erhält zudem eine Tastatur, auf der Nutzer mit Wischgesten schreiben können, wie man es von anderen Touchscreen-Tastaturen kennt. Auch die Karten-App wird aktualisiert. Zunächst bekommen Nutzer in den USA die Möglichkeit, sich dreidimensionale Straßen-Ansichten anzusehen, ähnlich wie bei Google Streetview. 

Verbesserter Datenschutz: Nutzer bekommen die Möglichkeit, ihren Aufenthaltsort auch nur einmal mit einer App zu teilen. Bisher kann man nur der permanenten Nutzung von Ortsdaten bei aktiver Anwendung zustimmen. Wenn eine App versucht, zu schummeln und trotzdem den Aufenthaltsort abzurufen, kommt eine Warnmeldung.

Besseren Datenschutz verspricht der Konzern auch mit der Funktion, sich bei anderen Apps und Diensten mit den Login-Daten des Apple-Accounts anzumelden. Entwickler von Apps für Apples Geräte müssen die Funktion zwingend einbauen, wenn sie die Anmeldung über Konten von anderen Anbietern erlauben. Solche Login-Angebote gibt es unter anderem von Google und Facebook. „Ich gehe davon aus, dass viele Entwickler die Funktion unterstützen werden, weil Google und Facebook für ihren Datenhunger bekannt sind“, sagt Stephan Ehrmann. 

iPad-Betriebssystem: Bisher laufen iPhones und iPads mit dem Betriebssystem iOS. Jetzt bekommen die iPads ihr eigenes System. Das neue iPadOS macht es einfacher, mit mehreren Apps gleichzeitig zu arbeiten. Erstmals kann man auch USB-Sticks und Kameras an die Apple-Tablets anschließen. Entwickler fanden in Vorab-Versionen von iPadOS zudem die Unterstützung einer Computermaus. In Zukunft können iPad-Nutzer auf dem Homescreen außerdem Widgets anlegen – eine Funktion, die es auf Android-Geräten bereits seit Jahren gibt. 

Aus für iTunes: Auf Mac-Computern wird die betagte Multimedia-App iTunes in einzelne Apps für Musik, Podcasts und Videoinhalte aufgeteilt. Apple habe iTunes zu einem „fetten Moloch“ aufgebaut, meint Stephan Ehrmann. „Dadurch wurde die Software langsam und unübersichtlich.“ Unter diese Entwicklung möchte der Konzern jetzt einen Schlussstrich ziehen. Unklar ist, ob es langfristig auch für Windows-Nutzer neue Apps geben wird. 

Unabhängige Uhr: Bisher brauchte man ein iPhone, um Apps auf die Apple Watch zu laden. Künftig bekommt die Computer-Uhr einen eigenen App Store und auf ihr laufende Anwendungen brauchen keinen Gegenpart auf dem iPhone mehr. Die Apple-Uhr ist die mit Abstand populärste Smartwatch, wurde aber zugleich durch die Verbreitung des iPhones zurückgehalten: Android-Smartphones haben einen Marktanteil von mehr als 80 Prozent. 

Siri erkennt Stimmen: Apples vernetzter Lautsprecher HomePod soll Nutzer im Haushalt künftig an der Stimme erkennen. Bittet man die Sprachassistentin Siri also auf dem HomePod etwa um eine Musikauswahl, wird sie auf den Musikgeschmack der jeweiligen Person eingehen.

Die teuerste Käsereibe der Welt

Die Profis unter den Apple-Fans freuen sich: Der neue Mac Pro ersetzt das veraltete Modell aus dem Jahr 2013. Unter anderem kann der Rechner mit mehreren Videos in der extrem hohen 8K-Auflösung gleichzeitig arbeiten. Passend zum neuen Mac Pro gibt es auch einen neuen, hochauflösenden Monitor.

Der Rechner sieht von vorne wie eine große Käsereibe aus. In seinem Innern arbeitet jedoch Top-Hardware: Apple verbaut einen Intel-Prozessor mit bis zu 28 Kernen, dazu kommen bis zu 1,5 Terabyte Arbeitsspeicher. Normalnutzer können mit diesen Leistungsreserven nichts anfangen. Der Mac Pro hat einen US-Preis ab 5999 Dollar, für den Monitor werden 4999 Dollar fällig.