Sozialengagement Die Zeit, das unschätzbare Gut

Die Grünen Damen wurden in der  Ermstalklinik für ihre 20-jährige Tätigkeit in der Patientenbetreuung geehrt.
Die Grünen Damen wurden in der  Ermstalklinik für ihre 20-jährige Tätigkeit in der Patientenbetreuung geehrt. © Foto: Mara Sander
Bad Urach / Mara Sander 08.09.2018

Die „Grünen Damen“ und inzwischen auch Herren, ein ehrenamtlicher Besuchsdienst, sind aus der Ermstalklinik nicht mehr wegzudenken. Sie arbeiten ohne Bezahlung und ihre wertvollen Dienste sind ohnehin unbezahlbar.

Das wird jedem Patienten deutlich, den sie bei einem Aufenthalt in der Klinik betreuen, aber ist auch den Ärzten und dem Pflegepersonal mehr als nur bewusst.

So war es am Mittwoch den Grußworten zu entnehmen bei einer kleinen Feierstunde zum 20-jährigen Wirken in der Ermstalklinik in Bad Urach.

„Sie sind von den Kranken geschätzte Persönlichkeiten“, so Eckhard Zieker von der Geschäftsführung der Reutlinger Kreiskliniken. „Sie sind ein ganz großer Gewinn“, so Pflegedirektorin Dr. Sabine Proksch. „Wir sind ganz froh, dass wir Sie haben“, sagte sie auch im Hinblick darauf, dass die ehrenamtlichen Patientenbetreuer ein „unschätzbares Gut“ seien, weil sie das mitbringen, was Ärzten und Pflegepersonal durch die Rationalisierungsmaßnahmen fehlt: Zeit.

„Grüne Damen“, die so heißen, weil ihr Berufskittel grünen Besatz hat um sie äußerlich als Besuchsdienst vom Pflegepersonal und Ärzten unterscheiden zu können, sind deutschlandweit tätig.

„Ich habe Hochachtung vor Ihrer Arbeit, die Sie schon so lange unentgeltlich machen“, so Dr. Adrian Gillissen, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie, Allergologie, Sportmedizin und Notfallmedizin an der Ermstalklinik. „Sie sind extrem wichtig“, nicht nur der Gesundheit wegen sondern auch für die Seele.“ Auch der Mediziner betonte, dass dem Personal die Zeit für mehr Ansprache der Patienten im Dienst fehle. Bitte machen Sie weiter so. Sie leisten supertolle Arbeit und sind eine wahre Bereicherung.“

Die könne sogar noch größer sein, wenn sich weitere Menschen zu diesem Dienst entschließen könnten. Derzeit sind 11 Damen und ein Herr im Wechsel von montags bis freitags zwischen 8.30 und 12.30 Uhr für die Patienten da, manche von ihnen schon seit 20 Jahren. Sie würden sich sehr freuen, wenn sie Verstärkung bekämen. „Es wäre sehr schön, wenn sich mancher Leser zur Mitarbeit angesprochen fühlt und bei uns mitmachen würde“, so Karin Linneweh, Ansprechpartnerin für den Besuchsdienst.

Positive Ausstrahlung

Das Wichtigste sei, Zeit mitzubringen neben Kontaktfreude, Freundlichkeit, Zuverlässigkeit, Einfühlungsvermögen, positiver Ausstrahlung, psychischer und physischer Belastbarkeit und Teamfähigkeit. „Zusammen sind wir stark“. Fortbildungen, Dienstkleidung, Unterstützung seitens der Verwaltung  seien vorhanden, aber das Wichtigste sei, „dass wir eine Tätigkeit haben, die Freude macht und Patienten glücklich machen kann“. Das geschieht durch Zuhören, wobei alle der Schweigepflicht unterliegen, kleine Hilfsdienste bei der Aufnahme, Begleitung zu Untersuchungen und Therapien oder bei kleinen Spaziergängen und mit anderen Diensten. Mit Aktionen wie Weihnachtsbasar oder Flohmarkt finanzieren sie Referenten bei den Treffen miteinander und freuen sich jetzt ganz besonders über das Geburtstagsgeschenk vom Förderverein der Ermstalklinik, dessen Vorsitzender Siegfried Weber 500 Euro mitbrachte.

Schirmherrin Dr. Elke Schmelz kann stolz auf das sein, was sie vor 20 Jahren initiierte und zusammen mit Birgit Köpf als Krankenhausbesuchsdienst aufgebaut hat. Auch sie wünscht sich, dass noch möglichst viele Menschen diesen ehrenamtlichen Dienst machen werden. Die Anregung muss ja nicht unbedingt aus einem eigenen Klinikaufenthalt kommen, sondern vielleicht reicht eine Information, die unter E-Mail: kolb_n@klin-rt.de zu erhalten ist.

Die „Grünen Damen und Herren“ gehören zwar formal zur Evangelischen Krankenhaus- und Altenheim-Hilfe, arbeiten aber vollkommen konfessionsunabhängig und sind ein eingetragener, gemeinnütziger Verein.

Mehr als 10 000 „Grüne Damen und annähernd 1000 Herren sind in der gesamten Bundesrepublik in etwa 500 Krankenhäusern und 250 Altenhilfeeinrichtungen im Einsatz.

500

und 250 Altenhilfeeinrichtungen kommen zurzeit bundesweit in den Genuss des ehrenamtlichen Dienstes der Grünen Damen. In Bad Urach sind elf Frauen und ein Mann.

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