MHP Riesen Die mentale Stärke fehlt

Royce O'Neale (am Ball) und Jason Boone haben unter dem Korb Schwerstarbeit zu leisten. Hier werden die beiden Ludwigsburger von den Zielona-Profis Vlad Moldoveanu (links) und Dejan Borovnjak in die Zange genommen.
Royce O'Neale (am Ball) und Jason Boone haben unter dem Korb Schwerstarbeit zu leisten. Hier werden die beiden Ludwigsburger von den Zielona-Profis Vlad Moldoveanu (links) und Dejan Borovnjak in die Zange genommen. © Foto: Avanti
ANDREAS EBERLE 07.01.2016
Die MHP Riesen Ludwigsburg haben einen Fehlstart in die zweite Gruppenphase des Eurocups hingelegt. Der Basketball-Erstligist aus der Barockstadt verlor sein Heimspiel gegen den polnischen Topklub Stelmet Zielona Gora mit 73:82.

Ein gellendes Pfeifkonzert mussten sich die drei Schiedsrichter Aare Halliko (Estland), Tomislav Hordov (Kroatien) und Ingus Baumanis (Lettland) nach dem dritten Viertel anhören. Die Fans der MHP Riesen Ludwigsburg waren gar nicht einverstanden mit den in der Tat zum Teil merkwürdigen Entscheidungen des Trios - und äußerten lautstark ihren Unmut. Dass ihre Mannschaft das Eurocup-Duell gegen den polnischen Vertreter Stelmet Zielona Gora verpatzte und mit 73:82 verlor, hatten sich die Riesen freilich selbst zuzuschreiben. So sah es auch John Patrick. "Ich will die Schiedsrichterleistung nicht kommentieren. Es ist immer leicht, auf andere Dinge zu zeigen. Man sollte die Fehler aber immer bei sich selbst suchen. Uns hat die mentale Coolness gefehlt", stellte der Ludwigsburger Trainer nach dem Fehlstart in die zweite Eurocup-Gruppenphase fest.

Vor den 2507 Zuschauern in der MHP-Arena lief nur das erste Viertel nach Wunsch. Wie schon bei der Basketball-Gala gegen Alba Berlin legten Jon Brockmann und Co. los wie die Feuerwehr. Adam Waleskowski und Jason Boone warfen jeweils einen Elf-Punkte-Vorsprung heraus, nach dem ersten Durchgang lag Ludwigsburg verdient mit 25:16 vorne. Die Polen, die vorzeitig aus der Euroleague ausgeschieden waren, hatten mit so einem forschen Auftritt der Hausherren wohl nicht gerechnet.

Nach und nach fand das Team aus Niederschlesien besser in die Partie. Die physisch stärkeren Zielona-Profis hielten nun besser dagegen und verkürzten bis zur Halbzeitpause auf 38:41. Die Riesen leisteten sich dagegen ungewohnt viele Leichtsinnsfehler und wirkten fahrig. Gar nicht ins Rollen kam diesmal Spielmacher Kerron Johnson, der drei Tage zuvor gegen Alba noch eine überragende Vorstellung geboten hatte. Auch andere Leistungsträger wie Alvaro Munoz, Rocky Trice und Tekele Cotton schwächelten.

In der zweiten Hälfe übernahm Gora vollends die Spielkontrolle. Mit einem erfolgreichen Dreipunktewurf warf der rumänische Basketball-Star Vlad Moldoveanu die Gäste erstmals seit dem 0:2 wieder in Front (24.). Noch einmal schlugen die Riesen zurück - etwa durch Shawn Huff, der mit seinem zweiten Dreier eine 50:45-Führung besorgte. Bis zum 55:50 in der 27. Minute schien es so, als ob der Bundesliga-Sechste die Kurve noch bekommen würde. Doch dann ging so ziemlich alles schief, was schief gehen konnte: Die Schiedsrichter pfiffen nun fast jede strittige Situation zugunsten von Stelmet Zielona, die Riesen selbst agierten kopflos, und die Erfolgsquoten bei den Würfen blieben auf bescheidenem Niveau - sowohl aus dem Nahbereich (45 Prozent Trefferquote) als auch aus der Distanz (27). Die Folge: Gora kam mit einem 11:2-Lauf zu einer 61:57-Führung nach 30 Minuten.

Im Schlussviertel nahm das Unheil weiter seinen Lauf: Huff verabschiedete sich mit dem fünften Foul aus dem Spiel. Dasselbe Los traf wenig später auch Center Brockman. Der Ludwigsburger Kapitän hatte sich von Dee Bost provozieren lassen und war mit dem Gästespieler aneinandergeraten, was die Regelhüter mit einem technischen Foul für beide ahndeten. Auch das Wurfpech blieb den Patrick-Schützlingen treu, und so eilte das polnische Spitzenteam uneinholbar davon. Spätestens nach dem Dreier von Goras Topscorer Mateusz Ponitka zum 66:75 (38.) war das Duell entschieden. Johnson sorgte in der letzten Minute immerhin für ein versöhnliches Ende: Der US-Amerikaner versenkte einen Distanzwurf zum 73:82-Endstand. Am nächsten Mittwoch (18 Uhr) geht die Europa-Tournee der Riesen mit dem Gastspiel in St. Petersburg weiter.