Pflege NWZ-Aktion: Die Damen mit den roten Nasen

Die Gesundheits-Clowninnen Carotta (l.) und Rosalie sorgen im Pflegeheim der Wilhelmshilfe für Abwechslung.  Foto: Staufenpress
Die Gesundheits-Clowninnen Carotta (l.) und Rosalie sorgen im Pflegeheim der Wilhelmshilfe für Abwechslung. Foto: Staufenpress © Foto: Foto: Staufenpress
Margit Haas 27.12.2016

Weihnachtslieder erklingen im Hintergrund – ein älterer Herr würde lieber „AC DC“ hören! An den liebevoll gedeckten Tischen in der Cafeteria des Pflegeheimes der Wilhelmshilfe in Ursenwang warten die Seniorinnen und Senioren gespannt. Um die Zeit abzukürzen, liest ihnen Uschi Rother eine Weihnachtsgeschichte vor, dann singen sie gemeinsam.

Und dann ist es endlich soweit. In bunten Kostümen und Ringelsocken mit der unverzichtbaren roten Nase kommen Carotta und Rosalie herein, singen ein Kinderlied und gleich fallen die alten Herrschaften ein und geben sich als sehr textsicher. „Wie schön das klingt, wenn alles singt“, freuen sich die Clowninnen und stimmen schon das nächste Weihnachtslied an. Geschickt beziehen sie die betagten Damen und Herren ein, gehen auf sie zu und sprechen sie direkt an.

Carotta braucht einen Spickzettel, damit sie ihr Nikolausgedicht vortragen kann, eine Bewohnerin hat den nicht nötig und ergänzt den Text mühelos. Wieder singen alle gemeinsam. Dann packen Carotta und Rosalie Fläschchen mit wohlriechenden Ölen aus und lassen alle einmal riechen und raten. Sie massieren den Bewohnern die Hände mit dem Öl und schnell verbreitet sich der Weihnachtsduft in der Cafeteria. Eine alte Dame klagt über Schmerzen im Knie. „Die singen wir weg“, ist die Idee von Rosalie und tatsächlich entspannt sich die Frau wieder und genießt sichtlich die Massage mit dem duftenden Öl. Viel zu schnell ist die halbe Stunde herum und Carotta und Rosalie machen sich schon wieder auf den Weg – nicht, ohne wieder zu singen.

Charlotte Fiedler, alias Clownin Carotta, ist Krankenschwester und viele Jahre in den verschiedenen Aufgabenbereichen innerhalb der Altenhilfe tätig. Ihre Partnerin Bettina Hübner, alias Clownin Rosalie, ist Erzieherin und Mutter von drei Töchtern. Beide ziehen regelmäßig die Clowninnen-Kostüme an und sind nach einer jeweils zweijährigen Ausbildung Gesundheit!Clown®.

„Inzwischen sind Psychologen und Kommunikationswissenschaftler der festen Überzeugung, dass Lachen heilen kann. Zehnminütiges Lachen am Tag erhöht die Ausschüttung der sogenannten Glückshormone und unterstützt den Körper beim Aufbau eines guten Immunsystems“, wissen die Clowninnen. Die Tätigkeit des Clowns ermögliche den Zugang zu sozialen, emotionalen und kommunikativen Ressourcen. Clowns unterstützen und ergänzen die therapeutische Pflege, indem sie durch Humor und Lachen die Menschen mit ihren eigenen Gefühlen und Erfahrungen verbinden, Distanz und Ängste abbauen „und die Selbstheilungskräfte von Körper und Seele aktivieren“.

Das hat der Besuch in der Wilhelmshilfe in Ursenwang augenscheinlich gezeigt. Die beiden kommen regelmäßig vorbei. „Sie bringen weitere Abwechslung in den Alltag von unseren Bewohnern“, sagt Jutta Müller, die stellvertretende Pflegedienstleiterin der Einrichtung. Und: „Das Lachen lenkt sie von ihren Leiden ab. Sie sind nach dem Besuch der Clowns immer sehr entspannt“. Die Einrichtung würde das Clown-Programm gerne weiterführen und braucht dazu finanzielle Unterstützung aus der NWZ-Aktion.

Bezeichnung durch Patent geschützt

Marke Der Titel Gesundheit!Clown® ist seit 2005 vom Europäischen Patentamt als geschützt anerkannt und bedeutet somit für die verschiedenen Einrichtungen eine Qualitäts-Garantie. Die entsprechend ausgebildeten Clowns arbeiten nach strengen ethischen Grundsätzen.