Punkt 18.30 Uhr ist es so weit, der erste Auftritt der Latein-Tanzformation des TSC Wallhausen steht an. Die Anspannung der Tänzerinnen und Tänzer vor dem Heimturnier kann man förmlich an den Gesichtern ablesen. Auch das Publikum in der beinahe voll besetzten Schrozberger Halle gibt nun alles. Am Ende sind Sportler und Zuschauer überglücklich.

Ein beinahe perfekter Auftritt lässt nicht nur Trainerin Anja D’Ariano jubeln. Auf ihrem Sessel, von dem sie gerade noch äußerst engagiert Anweisungen für die Paare gegeben hatte, hält sie jetzt nichts mehr. Alle klatschen sich ab und liegen sich in den Armen. Und wie anstrengend so ein rund sechsminütiger Auftritt ist, zeigt sich nur wenige Minuten später, nachdem die Wirkung des Adrenalins nachgelassen hatte und sich einige einfach nur noch auf die Treppe setzen, um wieder Kräfte zu sammeln. Nur drei Stunden später muss das Team nämlich noch einmal beim großen Finale ran.

Das ist dann zusammen mit der Probe schon der dritte Durchgang, in dem die Wallhausener ihr komplettes Programm an diesem Tag abliefern müssen. Tanzen mutiert hier vom reinen Vergnügen zum Leistungssport.

Der „Fluch der Wallhäuser Vorrunde“ war aber endlich gebrochen. In den vergangenen Jahren gelang es den Latinos nämlich nicht, in der Vorrunde eine gute Leistung abzurufen. Doch das war dieses Mal anders. „Es war ein guter Auftritt mit kleinen Fehlern, die wir ausbessern können und die der Nervosität geschuldet waren“, so Trainerin Anja D’Ariano, die nun den Platz auf dem Trainerstuhl innehat, da Dario D’Ariano in dieser Saison als Tänzer einspringen muss.

In der vergangenen Saison haben die Wallhausener erstmals in ihrer Vereinsgeschichte den Aufstieg in die Regionalliga geschafft. Zweimal wöchentlich treffen sie sich, um an der Choreografie zu feilen. Bis zu sechs Stunden kann so eine Übungseinheit dauern, „da braucht man Durchhaltevermögen“, erklärt Edgar Kohr, Vorstand des TSC Wallhausen. Fast das ganze Jahr über wird trainiert, Wettkämpfe sind allerdings nur von Januar bis März. Nachwuchssorgen gibt es eigentlich keine, rund 250 Mitglieder zählt der Verein, davon etwa 60 Jugendliche. „Wir haben nur ein Problem: Es gibt zu wenig Männer, die sich für den Tanzsport begeistern.“

Überraschend gut verlief der Start in die Runde für den Aufsteiger mit einem tollen 2. Platz beim Turnier in Rüsselsheim. „Wir haben in diesem Jahr sogar eine große Chance, in die 2. Bundesliga aufzusteigen, weil es durch eine Umstrukturierung möglicherweise sogar drei Aufsteiger geben könnte.“ Begeistert ist Kohr von der Choreografie ­seiner Mannschaft, mit der vor ein paar Jahren noch das Team aus Bremen bei deutschen Meisterschaften, Europa- und sogar Weltmeisterschaften erfolgreich war. „Die Choreografie ist sehr schwierig, aber unsere Paare setzen sie schon hervorragend um. Mit Anja und Dario D’Ariano haben wir ein sehr gutes Trainerteam.“

Der alljährliche Heimwettkampf ist eine Mammutaufgabe für den TSC. Bereits am Samstagabend waren 17 Mannschaften am Start. Zwei hochklassige Turniere wurden dabei parallel ausgetanzt. Neben dem Latein-Formationsturnier sahen die rund 320 Zuschauer einen eindrucksvollen Wettbewerb der 2. Liga bei den Standard-Tänzen. Rund 50 Helferinnen und Helfer kümmerten sich um die Verpflegung von insgesamt rund 700 Menschen. „Unsere Breitensporttänzer halten uns die Stange und unterstützen diese Großveranstaltung nach Kräften“, freut sich Kohr über das intakte Vereinsleben. Doch auch die Leistungssportler beteiligten sich nicht nur am Auf- und Abbau, sondern waren am Sonntag als Helfer bei den Turnieren der Ober- und Hobbyliga im Einsatz.

Tolle Atmosphäre in Schrozberg

Getanzt wird übrigens in Schrozberg, weil es in Wallhausen keine Räumlichkeiten für solch eine Großveranstaltun gibt. „Die Zuschauertribüne und das große Foyer sorgen für eine tolle Atmosphäre und es gibt dort genügend Platz. Zudem gibt es in Schrozberg sogar eine Extra-Halle zum Eintanzen. Die Location ist also ideal“, so Kohr. Mit dem Gewinn aus dem Heimturnier wird die Leistungsmannschaft zum Großteil finanziert. Alleine die maßgeschneiderten Kleider der Tänzerinnen kosten zwischen 4000 und 6000 Euro. Auch für die Rechte an der Choreografie, die nur für zwei Jahre geleast ist, muss bezahlt werden.

 Geld bekommen die Sportler keins vom Verein, obwohl sie teilweise recht weite Fahrstrecken von über 100 Kilometern einfach auf sich nehmen. „Überwiegend kommen die Sportler aus der Region. Wenn man aber höherklassig tanzt, ist es auch ein Anreiz für gute Tänzerinnen und Tänzer, die etwas weiter entfernt wohnen, bei uns dabei zu sein.“

Das Publikum in Schrozberg honorierte äußerst fair auch die Leistungen der anderen Mannschaften mit Applaus. „Das ist auswärts nicht immer so“, erzählt Edgar Kohr, „wir haben immer noch ein bisschen das Image eines Dorfvereins.“ Das spiegele sich manchmal auch in den Wertungen wider. „Aber wir arbeiten daran, dass uns bald jeder kennt und sind da auf einem sehr guten Weg.“

Und dann wird es noch einmal richtig laut in der Halle. Der Moment der Wertung – 2 2 2 1 2 –, Schreie und Jubel erfüllen die Halle. Nachdem die Wertung am ersten Turnier in Rüsselsheim noch undeutlich war, konnte sie dieses Mal nicht eindeutiger sein.

„Wir sind gerade erst in diese Liga aufgestiegen und konnten uns das zweite Mal auf den 2. Platz tanzen. Wir sind wahnsinnig stolz auf unser Team und dessen Leistung. Das ist der Lohn für die vielen Trainingsstunden“, sagt Trainer Dario D’Ariano. „Alles in allem war es wieder ein tolles Turnierwochenende“, so Anja D’Ariano. „Wir haben es geschafft, mit vielen Helfern ein Turnier zu stemmen, an dem 28 Mannschaften in zwei Tagen an den Start gegangen sind. Das war auch für uns Neuland und eine Herausforderung.“ Hinzu komme, dass die Wallhausener erstmalig das Catering komplett selbst übernommen haben. „Wir können mit dem Ergebnis sehr zufrieden sein. Nicht nur sportlich gesehen, sondern auch organisatorisch.“

Nächstes Turnier in Usingen

Jetzt folgen noch drei Turniere, In zehn Tagen geht es in Usingen weiter. Sollten die Hohenloher weiter so toll abschneiden, könnte der Traum von der 2. Bundesliga sogar schon sehr bald wahr werden.

Nürnberger Tanzformation hat erneut die Nase vorn


Der Sieg beim Turnier der Latein-Tanzformationen ging erneut an das A-Team des Rot-Gold-­Casino Nürnberg. Platz 3 sicherte sich das B-Team­ der FG Hofheim/Wiesbaden/Rüsselsheim.

Auch das Turnier der 2. Bundesliga fand großen Anklang. Zum ersten Mal wurde ein Wettbewerb der Standardformationen in Schrozberg ausgerichtet. Das Turnier entschied der TSC Blau-Gold Nienburg für sich, gefolgt von der TSA des TSV Bocholt und dem Club Saltatio Hamburg.

Am Sonntag richtete der TSC Wallhausen das Turnier der Oberliga Süd sowie der Hobbyliga aus. Hier waren insgesamt elf Mannschaften aus ganz Baden-Württemberg angereist. Den Sieg in der Oberliga Süd ertanzte sich das B-Team der TSG Backnang gefolgt vom den B-Teams aus Bietigheim und Ludwigsburg.

Zum zweiten Mal richtete der TSC Wallhausen auch die Hobbyliga mit aus. Hier können Mannschaften jeglicher Sektion an den Start gehen. Ob solo, im Paar, Standard, Hip-Hop oder Latein. Den Turniersieg ertanzte sich die Lateinformation des TC Neckartal Pleidelsheim.