Göppingen Tod darf nicht länger Tabutthema sein

Der Verein „Hospizbewegung Kreis Göppingen – Ambulante Dienste für Erwachsene e.V.“ hat in diesem Jahr Jubiläum. Vorsitzender Bertram Veeser, die leitende Koordinatorin Birgit Göser und die Ehrenamtliche Steffi Kaub berichten von ihrer Arbeit.
Der Verein „Hospizbewegung Kreis Göppingen – Ambulante Dienste für Erwachsene e.V.“ hat in diesem Jahr Jubiläum. Vorsitzender Bertram Veeser, die leitende Koordinatorin Birgit Göser und die Ehrenamtliche Steffi Kaub berichten von ihrer Arbeit. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Marie-Christin Zepf 01.06.2018
Der Verein Hospizbewegung Göppingen feiert in diesem Jahr sein 25-jähriges Bestehen.

Das Thema Tod muss aus der Tabuzone der Gesellschaft geholt werden“, sagt Bertram Veeser, Vorsitzender der „Hospizbewegung Kreis Göppingen – Ambulante Dienste für Erwachsene e.V.“. Er ist Gründungsmitglied des Vereins. Denn: Der Mensch verlernt den Umgang mit dem Tod, weiß also nicht mehr, wie er mit einer solchen Situation umgehen soll und ist dann im Ernstfall überfordert, wenn Angehörige plötzlich nicht mehr da sind. „Wir haben die Geburt und den Geburtstag im Blick. Doch der Tod wird aus unserer Gesellschaft nahezu verbannt“, berichtet er. In anderen Kulturen würde mit dem Tod anders umgegangen, ja nahezu zelebriert. „Der Tote wird in manchen Kulturkreisen beispielsweise drei Tage im Wohnhaus aufgebahrt, so dass jeder seine persönliche Zeit zur Verabschiedung bekommt. Das ist in Deutschland auch möglich – es weiß aber niemand. Im Gegenteil: hier kommt sofort der Bestatter und holt den Leichnam ab. Man hat also kaum Zeit, sich zu verabschieden“, sagt Veeser.

Angehörige wollen auch hierzulande häufig wieder zu früh zurück in den Alltag und geben sich selber nicht ausreichend Zeit, um zu trauern und das Geschehene zu verarbeiten. „Wir alle müssen einmal gehen, das ist der Kreislauf des Lebens. Die Frage ist eben nur, wie wir gehen“, sagt er weiter. Gemeint ist damit ein würdevolles Ende, das wohl jedermann anstrebt. Genau das ist der Hospizgedanke, den der Verein verfolgt, wie der Vorsitzende erklärt: „Wir begleiten sterbende Menschen auf dem letzten Abschnitt ihres Lebensweges und fördern gemäß der persönlichen Wünsche auch deren Lebensqualität in der letzten Lebensphase.“ Die Betonung liegt dabei jedoch ganz klar auf dem Wort Leben – niemand soll einfach nur auf seinen Tod warten müssen, es soll möglichst angenehm und würdevoll sein.

Die 67 ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiterinnen besuchen die betroffenen Menschen zu Hause, im Pflegeheim oder im Krankenhaus und nehmen sich viel Zeit für eine individuelle Betreuung. „Sie stehen den Sterbenden tagsüber oder auf Wunsch auch nachts zur Seite, lesen ihnen vor oder sind eben einfach nur da, sodass niemand alleine sein muss“, sagt auch Birgit Göser, leitende Koordinatorin der Hospizbewegung.

Doch nicht nur die betroffenen Personen, sondern auch die Angehörigen werden unterstützt. „Manchmal ist es schon hilfreich, wenn der Angehörige einer schwer erkrankten Person einfach mal wieder in Ruhe einkaufen gehen kann, ohne dass man sich Sorgen machen muss, dass zu Hause etwas passiert“, sagt sie weiter. Solche Situationen sind nicht einfach und viele sind froh darüber, wenn sie dann einen Ansprechpartner haben oder eben einfach nur etwas mehr Zeit für sich.

Die Hospizbewegung Göppingen gibt es bereits seit 25 Jahren. Der Verein hatte sich am 25. Mai 1993 aus einer Initiativgruppe heraus entwickelt und sich seitdem stets weiterentwickelt. Seinen Sitz hat der Verein in der Villa Hammer in Faurndau, wo sich auch das stationäre Erwachsenen-Hospiz im Neubau sowie das Kinder- und Jugendhospiz der Malteser befindet. Zum Jubiläum gibt es in diesem Jahr viele Veranstaltungen, die nicht nur das Thema Tod wieder näher in die Gesellschaft rücken sollen, sondern die auch die Entwicklung des Vereins aufzeigen. So gibt es beispielsweise im Juni ein Fest für geladene Gäste, bei denen sich der Vereinsvorstand bei seinen Kooperationspartnern, dem Team, sowie den ehemaligen Ehrenamtlichen bedanken möchte. „Ohne unsere ehrenamtlichen Mitarbeiter könnten wir unsere Aufgaben nicht erfüllen“, sagt Bertram Veeser.

Eine dieser ehrenamtlichen Sterbebegleiterinnen ist die 54-jährige Steffi Kaube. In einem Kurs, der aus 100 Unterrichtseinheiten besteht, hat sich die gelernte Physiotherapeutin auf das Ehrenamt der Sterbebegleitung vorbereitet. „Ich habe vor ein paar Jahren selber eine gute Freundin verloren und war in dieser Zeit viel bei ihr. Da habe ich gemerkt, dass ich damit nicht nur der betroffenen Person helfe, sondern dass das auch etwas ganz Besonderes mit mir macht“, sagt Steffi Kaube. Im April dieses Jahres hat sie ihre Ausbildung abgeschlossen und hat bereits die erste Patientin.

„Es ist erfüllend, wenn man für andere Menschen da sein kann, sodass sie nicht alleine sind. Jeder hat es verdient, einen würdevollen letzten Lebensabschnitt zu haben und nicht alleine sterben zu müssen.“

Veranstaltungen rund um das Jubiläum

Studienfahrt Ehrenamtliche Mitarbeiter fahren vom 11. bis 12. August nach Kassel – gefördert von der Bürgerstiftung.

Gottesdienst „Baum des Lebens“ ist das Thema bei einem Gottesdienst am 19. Oktober um 19 Uhr in der Evangelischen Stiftskirche in Faurndau.

Lesung „Letzte Lieder solo“ heißt der Titel einer multimedialen Lesung mit Stefan Weiler am 23. November 2018 um 19 Uhr in der Stadtkirche Göppingen.

Vortrag Über die „Spiritualität an den Grenzen des Lebens“ spricht  Dr. Holger Eschmann – ein Termin für diese Veranstaltung gibt es jedoch noch nicht.

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