Der geheime Crooner: Bob Dylan singt Frank Sinatra

So sieht das neue Bob-Dylan-Album "Shadows in the Night" aus
So sieht das neue Bob-Dylan-Album "Shadows in the Night" aus © Foto: Sony
(mia/spot) 30.01.2015

Er hat es tatsächlich getan: Auf seinem 36. Studioalbum covert Bob Dylan ausschließlich Songs von Frank Sinatra. Noch einmal: Der Mann mit der Krächz-Stimme covert Frank "The Voice" Sinatra. Kein Wunder, dass Dylan seit Bekanntwerden dieses Plans Wert darauf legt, dass dieses Album nicht als Cover-Album wahrgenommen wird. Es handele sich nur um Songs, die zufällig schon von Sinatra gesungen wurden. Auch Dylan ist klar: "An ihn kommt niemand heran. Nicht ich und auch sonst niemand".

Das neue Album "Shadows In The Night" bei Amazon bestellen

Gut, kein Coveralbum (pssst: doch!). So oder so: "Shadows In The Night" ist ein Album, das sich an ältere Generationen richtet. Solche, die auch noch die Versionen von Louis Armstrong ("That Lucky Old Sun") und Billy Holiday ("I'm a Fool to Want You") zu schätzen wissen. Und die diese Platte an lauen Sommernächten und mit schwerem Rotwein genießen wollen. Allerdings sollten sie den Rotwein besser durch eine Kanne Espresso ersetzen.

Die größte Überraschung an "Shadows In The Night" ist, dass Dylan erstmals tatsächlich nicht nach Dylan klingt. Dass der nölende Altmeister auch anders, sprich so was wie "croonen" kann. Das hat man nach dem ersten Song verstanden - und damit das gesamte Konzept des Albums. Und das muss, bei aller Liebe, auch gesagt werden: Mehr kommt da nicht. Die eiernde Pedal Steel Gitarre (die skurrilerweise auch ab und zu für Karibik-Feeling sorgt), das gedämpfte Horn, Dylan in trauter Zweisamkeit mit seiner neuen Stimme - das war's.

Als Zugabe auf einem gewöhnlichen Dylan-Album wäre das sicherlich ein Highlight. Ausgedehnt auf 35 Minuten und sich jeder Variation verweigernd, tönen die zehn Songs allerdings dermaßen gleich, dass es träge bis narkotisierend wirkt. Dass "Shadows In The Night" eher ältere Generationen ansprechen wird, war Dylan wohl auch klar. Und vermutlich der Grund für ihn, 50.000 Exemplare an die Leser des Magazins "AARP" zu verschenken - die "Amerikanische Vereinigung der Ruheständler".