Ulm Der Frustfaktor beim Aquarium ist hoch

Ulm / YASEMIN GÜRTANYEL 13.12.2013
Das Kind will ein Haustier. Die Eltern nicht ( zuweilen auch andersherum). Der Kompromiss: Dann halt Fische, die machen keinen Lärm und stinken nicht. Und machen wenig Arbeit - denkt ihr, liebe Eltern!

Fische, beziehungsweise deren Lebensraum, das Aquarium, nehmen viel mehr Zeit in Anspruch als man sich in seinen kühnsten Träumen ausmalen kann. Und: Es gibt kaum ein frustrierenderes Hobby. Denn in den rund 200 Litern (wenn es weniger sind, wird es noch schwerer) einen annähernd natürlichen Lebensraum zu simulieren, erweist sich als nahezu unmöglich. Sprich, die Fische taumeln halblebig durchs Wasser oder treiben schon kieloben, die Pflanzen kümmern als veralgter Schlick.

Zumindest dann, wenn man nicht mit nerdartiger Intensität nur noch fürs Aquarium lebt - was die wenigsten auf Dauer aushalten. Und nein, ich neige nicht zu übersteigertem Pessimismus, was mir gewisse Kolleginnen schon vorgeworfen haben. Ich spreche aus jahrelanger Erfahrung. Angefangen hat meine Aquaristik-Karriere in sehr jungen Jahren, da redeten mir meine Eltern noch ein, die oben treibenden Fische würden schlafen.

Später trat ich gemeinsam mit meinem Vater den Kampf gegen hartes Wasser, zu hohe ph-Wert und Algenexplosionen an. Nunja, den Kampf haben wir verloren, nur eine tapfere Guppy-Population hat bis heute überlebt. Allerdings hat sie sich von hochgezüchteter Farbenpracht zurück zur eher einfachen Urform entwickelt.

Warum das Aquarium trotz ausgiebiger Lektüre diverser Bücher, trotz Einsatzes super-teurer Mittelchen (billig ist das Hobby übrigens auch nicht) scheiterte? Problem Nummer eins, zumindest in der Ulmer Region: Das Wasser ist zu hart, was Aquarienfische übelnehmen. Das Wasser dauerhaft weicher und damit auch auf einen ph-Wert von unter 7 (Chemie-Kenntnisse schaden nicht, wie man sieht) zu bekommen, haben zumindest wir nicht geschafft. Nicht mit Torf im Filter, nicht mit den besagten Wasserzusätzen und auch nicht mit der noch teureren CO2-Anlage, die der geschäftstüchtige Zoohändler an uns losgeworden ist.

Problem Nummer zwei: Die Fische und Pflanzen sind natürlicherweise meistens in völlig verschiedenen Lebensräumen zu Hause. Ergo ist das Aquarium für die einen zu warm, für die anderen zu kalt, zu hart ist das Wasser sowieso, aber einige Fische nehmen das noch übler. Die einzigen, die mit den widrigen Umständen einigermaßen fertig werden, sind Guppys, die sich aus Rache derart vermehren, dass das Wasser umzukippen droht. Die einzige Rettung: Guppys neigen zu Kannibalismus.

Das führt schon zu Problem Nummer drei: Die meisten Aquarien sind überbevölkert. So viele Fische würden in der Natur niemals auf einem Fleck leben. Das Wasser ist überdüngt, was die Algen ins Kraut schießen lässt. Was zurück zum Thema "viel Arbeit" führt. Ein Teufelskreis.

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