Das Gletschergelübde

Viele Jahrhunderte sorgte der Große Aletschgletscher für schwere Zeiten in Fiesch. Unzählige Male ließ er den Märjelensee über seine Ufer treten und überschwemmte die Gemeinde. 1678 beschlossen die Katholiken von Fiesch ein Gelübde abzulegen, um den Katastrophen ein Ende zu setzen. Dieses wurde von Papst Innozenz XI. genehmigt. Seither ziehen die Einwohner von Fiesch und Fieschertal immer am 31. Juli, am Tag des Heiligen Ignatius in einer Prozession zur Mutter Gottes Kapelle in den Ernerwald und beten gegen das Wachstum des Großen Aletschgletschers.

Die Gebete wurden erhört und die Bevölkerung von weiteren Naturkatastrophen verschont. Doch nun stehen sie vor dem nächsten Problem. Dank des Klimawandels schmilzt der Gletscher stark. Die Menschen sind aber auf das Trinkwasser des Gletschers und auf die Touristen, die jedes Jahr den Gletscher besuchen, angewiesen. Aus diesem Grund wurde Herbert Volken, Präfekt des Bezirks Goms, am 11. September 2009 bei Papst Benedikt XVI. vorstellig, mit der Bitte, das „Katastrophen-Gelübde“ umzukehren und in der Prozession um göttlichen Beistand gegen den Klimawandel zu beten. Im August 2010 kam der lang ersehnte Brief des apostolischen Nuntius, dass die Pfarrei vom Heiligen Vater ermächtigt wird, die Erderwärmung, den Klimawandel und die Gletscherschmelze in ihre jährliche Prozessions-Fürbitten einzuschließen. Am 31. Juli 2012 fand die erste Prozession mit entgegengesetzten Vorzeichen statt.