Wie sich die Bilder gleichen. Immer wenn im Mai der deutsche Fußball-Meister gekürt wird, jubeln die Bayern. Dies ist auch 2019 der Fall, selbst wenn den Münchnern in der abgelaufenen Spielzeit in Borussia Dortmund ein halbwegs ernstzunehmender Gegner erwachsen ist. Zum siebten Mal in Folge Meister, zum 29. Mal insgesamt. Das Titelmonster Bayern München hat seine Ausnahmestellung in der Bundesliga erneut bestätigt – und die Gewissheit erhalten, dass es selbst in einer durchwachsenen Saison inklusive ungewohnt langer Schwächephase und zwischenzeitlich neun Punkten Rückstand auf Konkurrent Dortmund nicht vom Thron zu stoßen ist.

Das sagt einiges aus über die Qualität einer Liga, die – dies hat die Saison gezeigt – im internationalen Vergleich vorerst abgehängt worden ist. Die Bilanz der deutschen Teams in der Champions League als mau zu bezeichnen ist jedenfalls eine freundliche Untertreibung. Zur Erinnerung: Hoffenheim flog trotz ansprechender Leistungen in der Vorrunde raus, für den BVB war im Achtelfinale gegen Tottenham Schluss. Über die Achtelfinal-Vorstellung von Schalke 04, das bei Manchester City mit 0:7 unterging, mag man lieber den Mantel des Schweigens legen. Wie es dieses uninspiriert agierende Team überhaupt in die Königsklasse und darin über die Gruppenphase hinaus geschafft hat, bleibt ein Rätsel.

Und Serienmeister Bayern? Nun ja, auch der FCB musste früh die Segel streichen, war im Viertelfinale gegen den famosen FC Liverpool und Trainer Jürgen Klopp chancenlos. Eine Niederlage, an der die Verantwortlichen in München zu Recht noch ein Weilchen zu knabbern haben.

Wenn am 1. Juni in Madrid das große Finale der Champions League steigt, sind die englischen Teams Liverpool und Tottenham unter sich. Selbiges gilt für das Endspiel in der Europa League, in dem mit Chelsea und Arsenal London sogar zwei Teams aus einer Stadt kommen.

Was zeigt: Die Klubs aus der Premier League sind den Vereinen vom europäischen Festland enteilt und derzeit das Maß der Dinge – vor allem für die Bundesligisten. Stärke und Wucht der englischen Mannschaften alleine auf ihre Kapitalkraft zurückzuführen, greift zu kurz. Beispiel Liverpool. Dort kommt zusammen, was zusammen gehört und Erfolg ermöglicht: Kapital, Kompetenz, Kontinuität und ein klar vorgegebenes Konzept, eine Spielidee, die zu Verein, Trainer und Team passt.

Womit wir bei Eintracht Frankfurt wären. Einem Klub, der zwar nicht ganz so viel Geld wie die Top-Vereine hat, dessen Führung aber eine klare Idee verfolgt, auf Europa setzt und damit als Vorbild für andere taugt. Die Hessen und ihre Fans haben die deutsche Fahne hochgehalten, die Europa-League-Saison – anders als etwa der früh kapitulierende RB Leipzig – voll angenommen. Sie waren beteiligt an den begeisternden Halbfinal-Thrillern in den beiden Europapokal-Wettbewerben. Das Duell der Eintracht mit dem FC Chelsea, das tragische Aus nach Elfmeter-Krimi, hat schon jetzt seinen Platz in den Fußball-Geschichtsbüchern sicher.