• Die Corona-Zahlen in Sachsen sind weiterhin extrem hoch und deutschlandweite Höchstwerte
  • Da die Überlastungsgrenze überschritten ist, greifen bereits strengere Regeln
  • Medien berichten am Donnerstag aber übereinstimmend, dass es Lockdown-Pläne für den Freistaat gibt
  • Ministerpräsident Kretschmer (CDU) soll diese befürworten
  • Eine endgültige Entscheidung über einen Shutdown in Sachsen aber steht noch aus
Kommt in Sachsen ein Lockdown? Die Corona-Lage im Freistaat ist dramatisch, die Zahlen und die Inzidenzen steigen immer weiter. Jetzt berichtet „Bild“ am Donnerstag, dem Tag des Corona-Gipfels von Bund und Ländern, von möglichen Shutdown-Plänen in Sachsen. Ein entsprechender Plan läge auf dem Tisch, heißt es in dem Bild-Bericht.

Restaurants, Bars, Hotels, Handel: Die möglichen Lockdown-Pläne in Sachsen

Demnach könnte es einen Lockdown bis zum 15. Dezember geben. Betroffen wären demnach unter anderem Geschäfte und Handel, Restaurants und Hotels, die nach Bild-Informationen)$ schließen müssten.
Es geht, so berichtet ntv am Vormittag, bei den Lockdown-Plänen um Schließungen von Freizeiteinrichtungen und ein Verbot von Großveranstaltungen. Ein Mitglied der Landesregierung bestätigte die Überlegungen gegenüber dem TV-Sender. Entsprechende Pläne über deutlich schärfere Maßnahmen seien bei einer außerordentlichen Sitzung des CDU-Fraktionsvorstandes am Mittwochabend besprochen worden, berichtet ntv unter Berufung auf einen Bericht der „Leipziger Volkszeitung“. Demnach befürwortete Ministerpräsident Kretschmer eine komplette Schließung von Bars und Diskotheken sowie ein generelles Verbot von Großveranstaltungen.
Auch Schließungen im Kultur- und Freizeitbereich sind demnach angedacht. Ob Restaurants offen bleiben können, sei indes noch unklar. Vom Verbot von Großveranstaltungen wären wohl auch Weihnachtsmärkte betroffen. Dem Bericht zufolge könnten die neuen Regeln schon ab Montag gelten und drei Wochen dauern.

Corona in Sachsen: Zahlen, Inzidenz – Das ist die aktuelle Lage

Nach einem leichten Rückgang am Vortag ist die Sieben-Tage-Inzidenz in Sachsen erneut gestiegen. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete am Donnerstag einen Wert von 761,4. Am Vortag lag die Inzidenz - die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen - bei 742,2. Damit hat Sachsen bundesweit mit Abstand die höchste Infektionsrate vor Bayern (609,5) und Thüringen (565,0).
Das Berliner RKI meldete für Sachsen 7000 neue Corona-Fälle und 19 weitere Todesfälle. Insgesamt wurden im Freistaat seit Ausbruch der Pandemie 30.891 Infektionen registriert. 10.597 Menschen starben.
Die höchste Inzidenz hat zurzeit der Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge (1369,7). Auch die Landkreis Meißen, Leipzig und Bautzen wiesen Werte oberhalb der 1000er-Marke auf. Am niedrigsten war die Inzidenz in der Stadt Leipzig mit 438,5.
Bundesweit meldeten die Gesundheitsämter dem RKI binnen eines Tages den Höchstwert von 65.371 Corona-Neuinfektionen. Vor einer Woche waren erstmals mehr 50.000 Neuinfektionen pro Tag gezählt worden.

Sachsens Krankenhaus-Koordinator Albrecht fordert 14-tägigen Lockdown

Sachsens Krankenhauskoordinator Michael Albrecht hat einen 14-tägigen Lockdown gefordert, um die drastisch steigenden Corona-Infektionszahlen im Freistaat in den Griff zu bekommen. „Meine persönliche Empfehlung wäre: Machen Sie jetzt einen totalen Lockdown für 14 Tage. Lassen Sie uns Luft holen, lassen Sie uns sehen, wie sich die Entwicklung der Fallzahlen dann abschwächen wird“, sagte der medizinische Vorstand des Universitätsklinikums Dresden am Mittwochabend bei einer Online-Diskussionsrunde mit dem sächsischen Ministerpräsidenten Michael Kretschmer (CDU). Darüber berichteten unter anderem die Nachrichtenagentur DPA und der MDR in einem aktuellen Bericht zur Corona-Lage in Sachsen)$.
Derzeit sei die Dynamik beim Corona-Infektionsgeschehen ungebremst und es brauche lange, bis die Zahlen der Infizierten zurückgingen. Die bisherigen Maßnahmen hätten nichts gebracht, das zeigten die Zahlen der Patienten in den Krankenhäusern.
Die Prognosen gingen davon aus, dass die Zahlen der Corona-Erkrankten in den Kliniken und Intensivstationen immer weiter steigen würden - laut Prognosen auf mehr als 2800 Patienten insgesamt in den Krankenhäusern und 550 Intensivpatienten in zwei Wochen. „Da sind wir dann schlechter, als wir im Dezember letzten Jahres waren, wo wir ja wirklich in heroischen Aktionen kurz vor Weihnachten 60 intensivpflichtige Patienten aus Sachsen in andere Bundesländer ausgeflogen haben“, sagte Albrecht.

Lockdown in Sachsen: Das sagt MP Kretschmer

Wegen der verschärften Corona-Lage treten in Sachsen ab Freitag Kontaktbeschränkungen und strengere Zutrittsregeln in vielen Bereiche in Kraft. Ein Besuch beim Friseur, im Fitnessstudio oder in einem Club ist dann nur noch mit einem 2G-Nachweis (geimpft oder genesen) möglich, wie das Sozialministerium am Mittwoch mitteilte.
Angehörige eines Haushalts dürfen sich nur noch mit einer weiteren Person treffen. Geimpfte, Genesene und Kinder bis 16 Jahre zählen nicht mit. Sachsen erreichte am Mittwoch die Überlastungsstufe bei seinen Krankenhausbetten.
Ministerpräsident Kretschmer hält angesichts der dramatischen Lage weitere Maßnahmen für nötig. Die Freiheit der Geimpften sei ihm immer wichtig gewesen, sagte er am Mittwochabend bei einer Online-Diskussionsveranstaltung. „Ich spüre nur immer mehr, wenn wir wirklich erfolgreich diese Welle brechen wollen, werden wir das nicht tun können, indem wir nur die Gruppe der Ungeimpften adressieren, sondern wir werden vermutlich einen größeren Wurf machen müssen.“ Das sei eine bittere Erfahrung, „aber vermutlich die einzige Möglichkeit“.
Die Landesregierung will am Freitag vorzeitig eine neue Corona-Schutzverordnung beschließen. Diese würde dann ab Montag nächster Woche bis zum 20. Dezember gelten. In erster Linie geht es um eine Reduzierung von Kontakten und mehr Tests. Sachsen wies am Mittwoch mit einer Sieben-Tage-Inzidenz von 742,2 den mit Abstand höchsten Wert aller Bundesländer aus.