Senioren Cool, authentisch und Freund sein

Illerrieden / Benjamin Merkle 01.06.2018

Als 2008 ihr erstes Enkelkind angekündigt wurde, wollten Marianne und Reinhard Kopp (beide 64 Jahre alt) sich so gut wie möglich auf das neueste Mitglied ihrer Familie vorbereiten.  Auf der Suche nach Ratgebern und Tipps merkten sie aber bald, dass auf diesem Gebiet wenig geboten wird.

Selbst die Großeltern in der  Kirchengemeinde des ehemaligen Pastorenpaares konnten weder Rat noch Hilfe bieten. Also mussten sie selbst aktiv werden, wälzten Bücher über die Rolle der Großeltern in den vergangen Jahrhunderten. Das Ergebnis: Sie erarbeiteten dabei eine Art Anleitung mit Tipps und Tricks für den Umgang mit den Enkeln.

Mittlerweile wurde schon das zweite Enkelkind geboren, und das Paar gibt sein gesammeltes Wissen an Interessierte weiter. Auch beim diesjährigen Kreisseniorentag in Ehingen am 2. Juli, sind die zwei vertreten.  Sogar ein Ratgeber in Buchform ist im Moment in Arbeit. Unter dem Arbeitstitel „Wir Großeltern von heute“ sucht Marianne Kopp aber noch nach einem Verleger.

Vor allem aber halten sie Vorträge. Die „Großeltern-Akademie“, wie die zwei  Senioren ihr Projekt nennen, hilft Omas und Opas dabei besser in ihrem „Job“ zu werden. Auf Anfrage referieren die Senioren über Themen wie „Cool-sein voll im Trend“ und „Generation der unbegrenzten Möglichkeiten“. Berührungsängste haben sie nicht: „Wir kommen dahin, wohin man uns ruft“. Ihr Ziel ist es, „die Leute, die jetzt Großeltern sind, dazu zu bewegen, sich der jungen Generation zu nähern“ und „ein besseres Verständnis zwischen den Generationen zu schaffen“.

Kein zweites Elternpaar sein

Besonders wichtig sei es, dass Großeltern sich mit ihren Enkeln identifizieren, am besten gemeinsame Interessen fänden.  Denn was die Kinder bräuchten, sei kein zweites Elternpaar, sondern Freunde. „Großeltern müssen einsehen, dass ihr Verhältnis zu den Enkeln wichtig ist. Wir als Großeltern brauchen die Enkel, aber die Enkel können uns auch gut gebrauchen. Wir können durch unsere Lebenserfahrung wertvolle Ratschläge geben und den Kindern den Rücken stärken“, sagt Reinhard Kopp.

Das bedeute auch, dass Großeltern versuchen sollten mit der stetigen technischen Entwicklung Schritt zu halten. Natürlich brauche es nicht immer das neueste Gerät sein. Aber wenigstens eine E-Mail Adresse sei empfehlenswert, um mit den Enkeln in Kontakt zu bleiben. Was die Affinität zur Technik betrifft, gehen die Kopps mit gutem Beispiel voran. Mit ihrer Website, einem Blog und sogar einem eigenen Youtube-Kanal machen die Senioren auf sich und ihre Akademie aufmerksam. Bei aller Liebe, dürfe man sich aber nicht um den Finger wickeln lassen, sondern müsse auch unangenehme Dinge ansprechen, warnt Marianne Kopp. Begeistert spricht sie von der so genannten „Grossmütterrevolution“ in der Schweiz, einem Zusammenschluss älterer Damen, die sich trotz ihres fortschreitenden Alters ausleben und sich nicht ungefragt vor den Karren der Kindeskinder-Betreuung spannen lassen wollen.

Kopp: „Das muss einen liebevollen Umgang mit den Enkeln nicht ausschließen.“ Gute Großeltern mache eben vor allem ihre Authentizität aus.

Info www.grosselternakademie.de

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