Sie möchten es nicht an die große Glocke hängen, aber nun haben die Caritas-Initiatoren ihr neues Angebot des Jugendmigrationsdiensts (JMD) doch vorgestellt. Der erfolgreiche Start erfolgte bereits in Hechingen im November 2018 und Albstadt im Januar dieses Jahres. Über ihre bisherigen Erfahrungen sprachen die Beteiligten am Freitag beim Pressegespräch im Hechinger Caritas-Haus.

Erstmals gibt es den JMD damit auch im Zollernalbkreis. Er wird von den zwölf- bis 27-jährigen Migranten in Anspruch genommen, die eine Bleibeperspektive haben und Beratung zu den Themen Integration, Arbeitsmarkt und Behördengänge suchen – und die Nachfrage ist hoch.

Die Caritas der Dekanate Schwarzwald-Alb-Donau und Zollern schufen die zwei neuen Stellen gemeinsam, die durch Sonja Störzer (Hechingen) und Meggi Wimmer (Albstadt) besetzt wurden. Finanziert werden die beiden 50-Prozent-Stellen durch das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ). Auch die Caritasverbände der beiden Dekanate, die im Landkreis aneinander grenzen, steuern Eigenmittel für dieses neue Angebot bei.

Die jungen Menschen mit Migrationshintergrund, die Sonja Störzer – vorher Jobmentorin der Caritas Zollern – in ihren Sprechstunden empfängt, kommen beispielsweise aus Syrien, Eritrea, Griechenland und Litauen. Sie übersetzt ihnen die Briefe des Jobcenters, hilft ihnen bei der Wohnungssuche, schreibt Lebensläufe für Bewerbungen, informiert über Freizeitangebote vor Ort und ist auch einmal wöchentlich in der Kaufmännischen Schule Hechingen präsent, um die jungen Menschen zu unterstützen. Die Beratungsgespräche dauern unterschiedlich lang: manchmal auch nur zehn Minuten.

Meggi Wimmer, die den Jugendmigrationsdienst in Albstadt übernommen hat, greift auch öfters auf einen Dolmetscher-Pool der Caritas zurück. Dann beruhigt sie zum Beispiel einen Migranten, der vergessen hat, die Bafög-Verlängerung zu beantragen und dann vor dem Problem steht, wer die Wohnung zahlt, wenn das Geld ausbleibt.

Oftmals ist es auch ein Teufelskreis. Die jungen Menschen wollen arbeiten, brauchen aber erst eine Wohnung. Diese bekommen sie aber nur, wenn sie ein geregeltes Einkommen vorweisen können, weiß Anton Bock, Dekan des Caritasverbands Schwarzwald-Alb-Donau. Inmitten dieses Dilemmas helfen dann die neuen Mitarbeiterinnen des Jugendmigrationsdienstes.

„Wir versuchen den jungen Menschen diesen Weg leichter zu machen“, erläutert Elmar Schubert, Geschäftsführer des Caritasverbandes für das Dekanat Zollern. „Wenn Menschen hier sind, geben wir ihnen eine Chance“, sagt er. Das verstehe sich für die Caritas allein schon aus dem eigenen christlichen Auftrag heraus. „Man hört nicht auf, wenn es schwierig wird“, ergänzt Manuela Mayer, Regionalleiterin der Caritas Schwarzwald-Alb-Donau und meint damit die Finanzierung des neuen Dienstes. So habe sich sogar schon ein kirchliches Netzwerk gebildet, das sich gegenseitig hausintern bei schwierigen Fällen berät. Auch Sonja Störzer und Meggi Wimmer greifen auf diese Strukturen zurück. „Das Thema Migration wird uns immer begleiten“, findet Geschäftsführer Schubert.

Für Dekan Anton Bock geht es bei dem Angebot auch darum, die jungen Menschen zu fördern und zu fordern, ohne sie aber zu überfordern. Er sieht die Caritas als Starthilfe und Begleiter. Die Migranten haben noch kein soziales Netz und keinen Familienrückhalt wie andere Gleichaltrige. „Irgendwann werden sie flügge“, fügt Elmar Schubert hinzu. Die Caritas sei zwar Begleiter, aber kein doppelter Boden. Aber damit sie „ein gelingendes Leben“ und Sicherheit hinbekommen, hilft der Jugendmigrationsdienst. Aber die Menschen, die zu ihr kämen, seien hochmotiviert, so Sonja Störzer. Es entwickelt sich also alles ganz gut.

Kontakt zum neuen Jugendmigrationsdienst


Die beiden neuen Jugendmigrationsdienstbeauftragten sind in Hechingen und Albstadt im Einsatz. Sonja Störzer ist in der Hohenzollernstadt, Gutleuthausstraße 8, unter Telefon 07471/93 32-80 oder per E-Mail an jugendmigrationsdienst@caritas-hechingen.de erreichbar. Der Kontakt zu Meggi Wimmer in Albstadt, Bühlstrasse 13, ist möglich unter Telefon 07431/8 29 97-77 oder per E-Mail an wimmer@caritas-schwarzwald-alb-donau.de.