Die Brettpunkte sind in etwa mit dem Torverhältnis beim Fußball zu vergleichen. Bei Punktgleichheit wäre Schwäbisch Hall aufgrund des gewonnenen direkten Vergleichs vorne gewesen. Damit glückte der OSG Baden-Baden doch noch die erfolgreiche Titelverteidigung.

In den letzten beiden Runden kam es zum Fernduell zwischen den ersten vier der Tabelle. In Kiel trafen der Zweite Hamburg und der Dritte Schwäbisch Hall aufeinander, in Friedberg Tabellenführer Baden-Baden und der Vierte Bad Königshofen.

Am Samstag erledigten die Spitzenmannschaften zunächst ihre Pflichtaufgaben gegen schwächer eingeschätzte Teams. Während Schwäbisch Hall (gegen Kiel) und Bad Königshofen (gegen Karlsruhe) glatt mit 6:0 gewannen, hatten Hamburg und Baden-Baden bei ihren 4:2-Siegen mehr Mühe.

Dann kam es am Sonntag zum Showdown. Schwäbisch Hall, Hamburg und Baden-Baden rüsteten ihre Mannschaft nochmal auf. Hall brachte Alina Kashlinskaya und Iva Videnova ins Spiel. Die beiden ersetzten Mutter und Tochter Zpevakova, die so am Sonntag bei ihrem ersten Ostseeaufenthalt noch in den Genuss einer Hafenbesichtigung in Kiel kamen.

Auch Hamburg hielt eine Überraschung bereit: Die Iranierin Sara Khademalsharieh erschien auf einmal an Brett 2. Eine erste Ernüchterung war, dass zumindest aufstellungstechnisch die Schützenhilfe aus Bad Königshofen ausblieb. Bad Königshofen spielte mit derselben Aufstellung wie am Vortag, in der einige Topspielerinnen fehlten. Damit war Baden-Baden im Fernduell mit Hamburg und Schwäbisch Hall klarer Favorit auf den Titel.

Zwischen Schwäbisch Hall und Hamburg fielen die ersten Entscheidungen nach etwa drei Stunden, als die Zeitnotphase anbrach. Iva Videnova überspielte die deutsche Nationalspielerin Marta Michna fast mühelos, und nach Remispartien von Ekaterina Atalik und Deimante Daulyte fiel die Entscheidung am Spitzenbrett. Die Hamburgerin Monika Socko, die bisher alle fünf Saisonpartien gewonnen hatte, stand gegen Alina Kashlinskaya haushoch auf Gewinn, als ihr ein folgenschwerer Fehler unterlief. Eine taktische Finte, die sie übersah, kostete eine Figur und damit die Partie. Direkt nach Ausführung des Zuges schüttelte sie schon den Kopf, als sie ihr Versehen erkannte. Damit stand es 3:1. Den Haller Sieg stellte Karina Ambartsumova dann sicher. Nur noch Ergebniskosmetik für Hamburg war die Niederlage von Irina Bulmaga gegen Sarasadat Khademalsharieh.

Zu dem Zeitpunkt zeichnete sich aber schon ab, dass es mit der Meisterschaft für Hall wohl nichts werden würde. Baden-Baden stand an fast allen Brettern besser, und nach einstündiger Wartezeit stand der ungefährdete Baden-Badener 4,5:1,5-Sieg fest, der die Titelverteidigung bedeutete.

Obwohl es am Ende nicht ganz reichte, ist die zweite Vizemeisterschaft in Folge ein Riesenerfolg für das Schwäbisch Haller Team. Die Hallerinnen spielten eine fantastische Saison, schlugen mit Baden-Baden, Bad Königshofen und Hamburg alle drei Topmannschaften und sorgten für das wohl spannendste Ligafinale aller Zeiten. Nach den Schwierigkeiten mit der Finanzierung zu Saisonbeginn konnte mit einem solchen Erfolg nicht gerechnet werden.

Betreuer und Spielerinnen freuen sich auf die nächste Saison und sind guter Hoffnung, dass die Finanzierung dieses Mal einfacher und vor allem früher gesichert werden kann.