Stapelweise Material hat er gesichtet, hunderte von Interviews geführt, immer wieder kam neues Material hinzu. Keine Frage, das Projekt Weltkriegsende hat Stefan Lang gefangen genommen. Am Schluss hat der Kreisarchivar sogar davon geträumt. Und jedes Mal, wenn er an der Bartenhöhe vorbei fährt, sieht er die Männer des "Volkssturms", die an jenem 20. April 1945 am Fuß des Bergs auf einen übermächtigen Gegner warten.

Mehr als zwei Jahre lang hat sich Lang mit dem Buchprojekt beschäftigt, nun ist es endlich soweit: Gestern Abend wurde der Band zum Kriegsende im Landkreis Göppingen und in der Region im Alten Farrenstall in Faurndau erstmals vorgestellt. Nach dem im April erschienenen Film zum gleichen Thema umfasst nun das Buch mit 532 Seiten und 340 Abbildungen den kompletten Ablauf der Ereignisse vom 19. bis 25. April, über 100 persönliche Erinnerungen deutscher und amerikanischer Zeitzeugen sowie mehrere Aufsätze zu bestimmten Aspekten, wie der Erinnerungskultur oder den Anfängen der US-Verwaltung.

Das Buch bietet eine Fülle von Informationen. Die objektive Berichterstattung macht dabei nur etwa ein Drittel des Buchs aus. Spannender sind die vielen Zeitzeugenaussagen, die das Geschehen subjektiv aus unterschiedlichen Perspektiven spiegeln. "Allein für Göppingen hätten wir 25 spannende Zeitzeugen ins Buch nehmen können", betont Stefan Lang. Letztlich sind es 13 geworden. "Diese Berichte sind das Salz in der Suppe", glaubt Langs neuer Assistent Fabian Beller, von dem ein Aufsatz über das "Kriegsende im Spiegel der Kreispresse" von 1946 bis 2014 zu lesen ist.

Doch auch wer das Buch nicht als Lesebuch benutzt, sondern gezielt Informationen zu bestimmten Orten sucht, wird gut bedient: Ein umfangreiches Ort- und Personenregister erleichtert den Überblick.

Aber warum heißt der Titel "Württemberg, April 1945"? "Das Buch steht exemplarisch für die US-Besatzung im Land", erklärt Lang. So wurde hier so umfangreich wie in kaum einem anderen Kreis die Geschichte jener Tage aufgearbeitet.

Nur ein Beispiel: Vor dem Projekt gab es offiziell gerade mal ein Foto von der Göppinger US-Besatzung. Der Einmarsch der Amis? Fehlanzeige. Mit Unterstützung des Amerikaners Michael Hixson wurden aus unterschiedlichen Quellen allein 150 Farbbilder eruiert, von denen die besten den neuen Band zieren.

2000 Mal wurde der gewichtige Band gedruckt, der nun in den Buchhandel kommt. Stefan Lang ist zuversichtlich, dass es kein Ladenhüter wird. Stand Donnerstagmittag - das Buch war noch gar nicht präsentiert - waren schon Bestellungen für die ersten 40 Exemplare eingegangen.

Info: Stefan Lang (Hg.), Württemberg, April 1945 - Das Kriegsende im Landkreis Göppingen, Veröff. des Kreisarchivs Göppingen, Bd. 18. 532 Seiten, 340 Abbildungen, 25 Euro.

"Die Front rückt näher": Aus dem Tagebuch eines Mädchens

Roßwälden: Die vielen Zeitzeugenberichte geben dem Buch über das Kriegsende im Landkreis Lokalkolorit. Aus dem Tagebuch eines damals 16-jährigen Mädchens aus Roßwälden stammt folgender Eintrag vom 20. April 1945: "Die Front rückt näher. Wir selbst können es nicht begreifen. () Über dem Dorf liegt eine sonderbare, drückende Stille. Wir warten - auf was wir warten, wissen wir selbst nicht." - Wenige Stunden später vibrieren in Roßwälden die Häuser: Die ersten Sherman-Panzer der US-Armee fahren durch den kleinen Ort.