London Bogenschütze Mayr ausgeschieden

Camilo Mayr hatte gegen seinen chinesischen Konkurrenten keine Chance. Foto: Peter Kneffel
Camilo Mayr hatte gegen seinen chinesischen Konkurrenten keine Chance. Foto: Peter Kneffel
London / Von Bogota in den schwäbischen Wald: Mayr und sein Olympia-T 31.07.2012
Olympia in London betrachtet Camilo Mayr als Lernprozess, aber 2016 in Rio de Janeiro will er ganz vorne mitmischen.

"Dann bin ich genau im richtigen Alter, habe die nötige Erfahrung und werde mich mit dem Wissen der letzten Monate gezielt darauf vorbereiten", sagte der Bogenschütze in London, nachdem er in der ersten K.o.-Runde gegen den starken Chinesen Yu Xing mit 0:6 ausgeschieden war.

Im traditionsreichen Lord's Cricket Ground musste er erst einmal seine Nerven beruhigen. Rund 5000 Zuschauer, darunter seine komplett angereiste Familie feuerten den 21-Jährigen an. Jeder hatte noch einen Glücksbringer dabei, einen kleinen Eisbären klemmte er sich um den 2000 Euro teuren Hightech-Bogen. "Leider konnte meine Freundin nicht dabei sein, sie hatte einen Lehrgang", meinte der gebürtige Kolumbianer, der schon als Baby eine halbe Weltreise absolvierte.

Der am 4. März 1991 in Bogota geborene Camilo wurde von der Kolumbianerin Marta und seinem deutschen Vater adoptiert. Nach eineinhalb Jahren in Vaterstetten bei München wuchs er im schwäbischen Wald in Welzheim auf. Dort wurde irgendwann ein Sportverein für den Jungen gesucht. Die Schützengilde (Sgi) Welzheim bot gerade einen Kurs im Bogenschießen an. "Aber nur mit einem Gummiband, da wollte ich gleich aufhören", sagte Camilo Mayr. "Du machst den Kurs zu Ende, immerhin hat er Geld gekostet", erinnerte sich Mama Marta an das Jahr 1999 - nun ist ihr Sohn Olympionike in dieser Sportart.

In vier Jahren soll es wieder in die südamerikanische Heimat gehen. Im Nachbarland Brasilien finden die nächsten Sommerspiele statt, da wird bei einer erneuten Teilnahme noch mehr Verwandtschaft anreisen. "Das ist so ein großes Ziel, mein absoluter Traum. Dieses Jahr war aber auch spannend, es war das bislang emotionalste Jahr meines Lebens", bekannte Mayr. "Erst das knappe Olympia-Aus bei der Qualifikation, dann die Nachnominierung. Ich war echt fertig, musste die Reset-Taste drücken."

Mayr gibt wöchentlich bis zu 1500 Schuss mit dem Bogen ab. "Die Südkoreaner schießen das manchmal an einem Tag. Die sind ja auch Profis, werden bezahlt wie Bundesliga-Fußballer. Das ist für mich undenkbar. Ich kann von dem Sport nicht leben", betonte der Medizintechnik-Student, der für Olympia sein Studium unterbrach.

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