Gewalt Versuchter Mord: Anklage gegen Mann aus Blaubeuren

Blaubeuren / Petra Laible 13.03.2018
Gegen einen 24 Jahre alten Mann aus Blaubeuren hat die Staatsanwaltschaft Ulm Ankalge wegen versuchten Mordes und gefährliche Körperverletzung erhoben.

Ein DNA-Abgleich hat die Ermittler auf die Spur eines 24-jährigen Blau­beurers geführt, der am 15. Mai 2016 eine Spaziergängerin brutal mit einem Messer angegriffen hat. Wegen versuchten Mordes und gefährlicher Körperverletzung hat die Staatsanwaltschaft Ulm  gegen ihn nun Anklage zur Schwurgerichtskammer des Landgerichts Ulm erhoben.

Passanten hatten am Abend des Pfingstsonntags die schwerverletzte Frau gefunden. Die 59-Jährige, die aus Rumänien in Blaubeuren zu Besuch war, war auf einem schmalen Fußweg zwischen Bahndamm und einem Kanal unterwegs gewesen.  Die Frau sagte aus, dass ihr ein Mann aufgefallen war, der sich bückte. Nachdem sie vorbeigegangen war, habe dieser sie unvermittelt mit dem Messer angegriffen. Sie wehrte sich massiv, der unbekannte Angreifer ergriff  die Flucht.

Es gab keine Hinweise auf ein sexuelles Motiv, was hinter dem Überfall steckte, war völlig unklar. Die Ermittler konnten jedoch an Gegenständen, die der Täter zurückgelassen hatte, DNA-Spuren sichern, sagte Oberstaatsanwalt Michael Bischofberger auf Anfrage. Doch die DNA sei nicht registriert gewesen.

  Zunächst sei wegen „ähnlicher Umstände“ an einen Zusammenhang mit dem Überfall auf eine 76-jährige Joggerin in Blaustein  einige Wochen zuvor gedacht worden. Ein Radfahrer hatte versucht, die sportliche Frau zu vergewaltigen, doch diese konnte sich nach Kräften und mittels Pfefferspray wehren. Der Täter hinterließ eine DNA-Spur auf ihrer Jacke. Diese führte zur Festnahme des 36-jährigen Rumänen, der 2017 verurteilt wurde.  Mit der Spur aus Blaubeuren stimmte sie aber nicht überein.

Treffer bei DNA-Spur

Im September 2017 wurde die Polizei zu einem Casino in der Ulmer Innenstadt gerufen, weil dort ein Mann randalierte –  „versuchte gefährliche Körperverletzung, sexuelle Belästigung, Sachbeschädigung“, zählte Bischofberger auf. Der Mann wurde erkennungs­dienstlich behandelt, Spuren konnten gesichert werden. Ein DNA-Abgleich ergab den Treffer: Der Täter war auch derjenige, der die Spaziergängerin angegriffen hatte. Im Oktober 2017 wurde der Blaubeurer festgenommen.

Der 24-Jährige räumte ein, am späten Nachmittag des 15. Mai 2016 auf einem Rad- und Fußweg eine ihm unbekannte Spaziergängerin von hinten am Hals umfasst und zu Boden gedrückt zu haben. Anschließend habe er ihr mit einem Messer gezielt in den Hals- und Gesichtsbereich gestochen, „wobei er auch ihren Tod jedenfalls billigend in Kauf genommen hat“, heißt es seitens der Staatsanwaltschaft. Aufgrund der starken Gegenwehr der Frau – sie biss ihn in seinen Unterarm und rief laut um Hilfe – ließ er von ihr ab.

Die Spaziergängerin erlitt eine große, klaffende, vom rechten Ohr bis zum Mundwinkel reichende, die Mundhöhle öffnende Schnittverletzung, eine tiefe Stichverletzung am Hals und weitere Abwehrverletzungen. Ein Rettungshubschrauber brachte sie in eine Klinik, „wo sie aufgrund der ärztlichen Versorgung die Messerattacke überlebte“.

Die Anklagebehörde zog einen Gutachter zu Rate. Diese geht daher davon aus, dass bei dem 24-Jährigen eine leichte Intelligenzminderung besteht und er zum Tatzeitpunkt an einer akuten psychischen Störung mit Halluzinationen litt. Zudem hatte er vor der Tat Alkohol getrunken. Das Zusammenwirken all dieser Faktoren habe dazu geführt, dass dieser nicht in der Lage war, sein Verhalten an seiner durchaus gegebenen Unrechtseinsicht auszurichten und entsprechend zu steuern. Seine Steuerungsfähigkeit sei während der Attacke „in Schuld ausschließender Weise“ aufgehoben gewesen.

Bereits im Dezember 2017 wurde der Haftbefehl umgewandelt in eine vorläufige Unterbringung in der Psychiatrie. Aufgrund seines Zustands sei der 24-Jährige  für die Allgemeinheit gefährlich. Deshalb betreibt die Staatsanwaltschaft seine weitere Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel