Kurz nach ein Uhr hörte ein Ehepaar im Betlinshauser Schwärzlegraben am Donnerstag einen lauten Knall. Die beiden waren noch wach, eilten zum Fenster, öffneten es. Dann hörten sie ein Knistern und Knarren und sahen, dass etwa 200 Meter entfernt aus dem Haus des Senior-Ehepaars Münzenrieder in der Lindenstraße Rauch kam. Sie riefen sofort die Feuerwehr.

Um 1.10 Uhr ging die Meldung bei der Rettungsleitstelle in Krumbach ein. Nach etwa drei Minuten waren die Rettungskräfte aus Betlinshausen an Ort und Stelle, die Kollegen aus Illertissen, Bellenberg und Tiefenbach folgten nach. Insgesamt 60 Leute waren zu Hilfe geeilt. Als sie jedoch am Haus ankamen, loderten bereits die Flammen. Die Einsatzleitung bei den Betlinshausern übernahm zumindest für den Anfang Franz Münzenrieder, der Sohn des 86-Jährigen, der wenig später tot im Keller aufgefunden werden sollte. Später übernahm dann Erik Riedel von der Illertisser Mannschaft das Kommando.

Zwei Brenner sind im Keller des Einfamilienhauses: einer für die Ölheizung, einer wird mit Holz befeuert. Im Heizungsraum befanden sich große Mengen Holz. Deswegen geht die Kriminalpolizei davon aus, dass das Feuer im Bereich der Holzheizung ausbrach. Sohn Franz vermutet, dass der Vater entweder nachts Holz nachlegen wollte oder etwas gerochen hat, das ihm seltsam vorkam, und er deswegen in den Keller ging.

Ein bereits betätigter Feuerlöscher gilt als Hinweis darauf, dass Johann Münzenrieder noch versucht hat, den Flammen selber Herr zu werden. Außerdem, so ergaben die Nachforschungen, wollte er wohl zusätzlich mit Wasser löschen. Dazu musste er in einen Nebenraum, wo sich der Wasserhahn hinter einem Regal befindet. Es gelang dem betagten Mann nicht mehr, die Eimer zu füllen, weil er schon zu viel Rauch eingeatmet hatte. Er brach hinter dem Regal zusammen.

Die 82-jährige Maria Münzenrieder hatte ebenfalls ein Geräusch gehört, stand auf und bemerkte Rauch. Sie konnte sich noch rechtzeitig aus dem Gebäude retten, ging ins Freie und rief um Hilfe. Sie wurde mit einer leichten Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht. Noch während die Feuerwehr mit Löscharbeiten beschäftigt war, suchten Einsatzkräfte mit Atemschutzgeräten mehrmals das Gebäude nach dem Vermissten ab. Als er dort nirgends gefunden wurde, wurde die Suche auf ganz Betlinshausen ausgedehnt. Auch in Richtung Tiefenbach waren Helfer von Polizei und Feuerwehr unterwegs. Schon wurde überlegt, den Polizeihubschrauber mit Wärmebildkamera anzufordern, als ein Feuerwehrmann den Körper des Hausbesitzers schließlich doch noch im Keller entdeckte. Das Regal, hinter dem er lag, hatte wohl zuvor die Wärmebildkamera abgeschirmt.

Neben der Feuerwehr und der Polizei waren Notarzt, Rettungswagen sowie Notfallseelsorger vor Ort. Wie die Kriminalpolizei schon am Donnerstagvormittag mitteilte, starb Münzenrieder vermutlich an den Folgen einer schweren Rauchgasvergiftung. Die Ermittlungen dauern aber noch an. Den Brandschaden schätzt die Polizei auf 100.000 Euro.

Johann Münzenrieder war in jüngeren Jahren selber aktiver Feuerwehrmann in Betlinshausen gewesen. Auf der Suche nach Erklärungen für seinen Löschversuch waren am Donnerstag Äußerungen zu hören wie: „Er war halt ein typischer schwäbischer Landwirt, hat immer geschafft in seinem Leben und dachte wohl, das schaff’ ich selber.“

In seinem Heimatort galt er als lebende Chronik; wer eine Frage hatte zur Ortsentwicklung, musste nur zu ihm gehen. Von 1960 bis 1971 war er Mitglied des Gemeinderats im damals selbstständigen Betlinshausen. Er war auch Gemeindekassier und als Feldgeschworener tätig. In den örtlichen Vereinen hat er sich stets für die Belange des Dorfes eingesetzt. Winfried Mayer als Sprecher des Kulturrings sagt: „Er war ein ausgesprochen angenehmer Mensch, der sich für alles eingesetzt und geschafft hat; Betlinshausen war sein ganzes Anliegen.“