Die Dietenheimer Feuerwehrleute sind einiges gewöhnt. Was sie gestern jedoch erleben mussten, ging an die Substanz. Die Einsatzkräfte konnten vier junge Menschen, zwischen 20 und 26 Jahre alt, nach einem entsetzlichen Unfall mitten im Ortskern nur noch tot bergen. Das Unfallauto war in den frühen Morgenstunden unweit der Martinuskirche, dem Wahrzeichen der Stadt, mit brachialer Wucht gegen eine Hauswand geprallt. Die Opfer, drei Männer und eine Frau, stammen aus Dietenheim und Balzheim. Sie waren einigen Einsatzkräften bekannt. Ein donnernder Knall lässt einen Anwohner am Samstag gegen 5.30 Uhr aus dem Schlaf schrecken. Grauen beim Blick aus dem Fenster: ein völlig demolierter Kleinwagen, nur noch ein Knäuel Blech, aufgespießt von der Ecke eines Wohn- und Geschäftshauses. Rauch steigt in den dunklen Himmel. Mit dem Gartenschlauch versucht der Mann, den beginnenden Motorbrand in den Griff zu bekommen, als wenige Minuten später die Dietenheimer Feuerwehr 20 Mann hoch eintrifft.

Den Feuerwehrleuten wird das entsetzliche Ausmaß schnell klar. „Bei einem Aufprall mit solcher Heftigkeit sind die Überlebenschancen minimal“, sagt Stadtbrandmeister Stefan Pistel, der den Einsatz leitet, aus trauriger Erfahrung. Die Befürchtungen bestätigen sich. Ihren Einsatz wickeln die Männer dennoch ab, als hätten die vier jungen Leute im Wrack noch eine Chance. Das Autodach wird abgetragen, mit Spreizern und Scheren werden die Eingeklemmten behutsam befreit. Eine Stunde lang dauert die furchtbare Arbeit.

Längst ist zu dieser Zeit die Unfallstelle an der L 260 abgesperrt, sind Notärzte aus Illertissen und Orsenhausen, der Rettungsdienst aus Weißenhorn, Kreisbrandmeister Harald Bloching sowie Polizeikräfte aus Dietenheim und Ulm eingetroffen. Sachverständige nehmen ihre Tätigkeit auf. Auch die sechs Notfallseelsorger, darunter Helmut Schön, Leiter der Notfallseelsorge im Alb-Donau-Kreis, sowie der Dietenheimer Pfarrer Gerhard Bundschuh beginnen mit ihrer schweren Arbeit und informieren die Angehörigen.

Bürgermeiser Christopher Eh eilt ebenfalls zum Unfallort. Er verfügt über einen Feuerwehr-Piepser und war nach der Erstmeldung zunächst von einem vergleichsweise harmlosen Autobrand ausgegangen. Ein Feuerwehrmann auf dem Weg zur Arbeit setzte kurz danach die Zweitmeldung mit hoher Dringlichkeit ab. „Mir fehlen die Worte“, kommentiert Eh, Vater von Kindern in ähnlichem Alter, das tragische Geschehen. Spekulationen, wonach der Unfall die Folge eines Autorennens war, wollte die Polizei gestern nicht bestätigen. Sie gibt als Unfallursache lediglich „überhöhte Geschwindigkeit“ an, weshalb der Fahrer, vermutlich ein 22-Jähriger, in einer Kurve die Kontrolle über das Auto verloren habe. Als die Geschäfte in der Stadt öffnen, trifft sich die Feuerwehr zu einer Nachbesprechung: Notfallseelsorge auch für Einsatzkräfte. „Das hat keinen unberührt gelassen, manchen richtig schwer getroffen“, sagt Pistel, der seine Kameraden erst nach diesem Gespräch nach Hause entlässt. Die Nachricht verbreitet sich unterdessen wie ein Lauffeuer in der Stadt, wo die Menschen die beiden schrecklichen Unfälle auf der A 7 vor vier Jahren noch nicht vergessen haben. Auch damals starben vier Menschen.