Skelett-Fund in Lonsee Skelett aus dem Steinbruch gibt Rätsel auf

Lonsee / Petra Laible 06.08.2018
Wer war der Mensch, dessen Knochen und Schuhe im Lonseer Steinbruch gefunden worden sind. Das Rätsel beschäftigt viele.

Wer war der Mensch, dessen Knochen und Schuhe in einem Kalksilo in Lonsee gefunden worden sind? Das Rätsel um seine Identität beschäftigt viele: Polizei und Staatsanwaltschaft, Rechtsmediziner, Bürgermeister Jochen Ogger, die Lonseer.  Zum Beispiel den 87-jährigen Georg Hößle, der sozusagen alles und jeden aus der Gemeinde kennt, auch die Geschichte des Steinbruchs. „Es ist mir ein Rätsel“, sagt er.

Ein Baggerfahrer hatte bei Abbrucharbeiten im ehemaligen Steinbruch vergangenen Donnerstag den grausigen Fund gemacht. Auf seiner Baggerschaufel sah er Knochen und einen Schuh. Er alarmierte die Polizei, die Spurensicherung rückte an. In einer Ladung Bauschutt entdeckte sie weitere Knochen. Am Ende wurde ein fast vollständiges menschliches Skelett gefunden.

Am Freitag haben Rechtsmediziner die Überreste obduziert, sie waren nach Angaben von Stefan Adamski, Sprecher der Staatsanwaltschaft, teilweise skelettiert, teilweise mumifiziert. Nun steht fest: Es handelt sich um das Skelett eines Mannes. Das teilten Staatsanwaltschaft Ulm und Polizei gestern mit. Wie dieser zu Tode kam, ist aber weiter ungeklärt. Verbrechen oder Unfall?  „Es wurden keine Hinweise auf Gewalteinwirkung gefunden“, sagen die Ermittler. Weitere Erkenntnisse aus der Untersuchung: Der Verstorbene dürfte älter als 40 Jahre gewesen sein und ungefähr 1,80 Meter groß. Die Arbeitsschuhe haben etwa Größe 40. „Diese könnten Rückschlüsse auf den Toten zulassen“ (siehe Infokasten)

Das Kalksilo wurde 1977 stillgelegt, der Steinbruch 1979, sagte Bürgermeister Jochen Ogger. Seither habe dort niemand mehr gearbeitet, auch gereinigt wurde nichts. In dem Silo befand sich Kalksand. Der Frage, ob dieser konservierend oder zersetzend wirkte, werde noch nachgegangen, erklärte Polizeisprecher Wolfgang Jürgens. Wie lange die Leiche im Silo lag, wissen die Ermittler nicht. Mehrere Jahre auf jeden Fall, sie könnte aber auch schon seit vielen Jahrzehnten dort liegen. Deshalb hat die Polizei ältere Lonseer befragt, wer überhaupt in diesem Steinbruch gearbeitet hat.

„Es ging zu wie im Taubenschlag“

Was Georg Hößle darüber erzählt, gleicht einem Geschichtsbuch.  Einheimische hätten dort geackert, ab 1939 dann vor allem Südtiroler, die nach dem Abkommen von Hitler und Mussolini nach Deutschland abwanderten. An die zehn Familien seien gekommen, für die der Unternehmer Markus Häge gegenüber, „Im Herrengarten“, ein Haus gebaut hat, „Kaserne“ nennt es Hößle. Mancher der Südtiroler sei geblieben und auf dem Lonseer Friedhof bestattet, Nachkommen lebten in der Gemeinde. Später hätten Gefangene aus dem Zweiten Weltkrieg im Steinbruch gearbeitet: „Zuerst Franzosen, dann Russen, dann Italiener“. 1958/59 errichtete der Unternehmer zwei weitere große Häuser. Dort seien Flüchtlinge aus der DDR einquartiert worden, dann ab 1965 türkische Zuwanderer – darunter seien immer welche gewesen, die im Steinbruch ihr Geld verdienten. „Es ging zu wie im Taubenschlag, es war ein Kommen und Gehen“, erinnert sich der 87-Jährige. Nur davon, dass dort mal jemand vermisst wurde, hat er nichts gehört.

Eine weitere Analyse der Knochen könnte Aufschluss darüber geben, aus welcher Region der Mann stammte. Diese sei aber noch nicht in Auftrag gegeben worden, sagt Adamski. Nachdem ein Abgleich mit aktuellen Vermisstenfällen keinen Treffer ergeben hatte, würde nun weiter „in der Historie zurückgegangen“. Für den Ur-Lonseer Georg Hößle steht fest: „Es ist ein Fremder gewesen.“

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