Kontaktbeschränkungen, Verbot von Böllern im öffentlichen Raum, keine Partys - und auch kein Alkohol im Freien: Die Corona-Regeln im Zuge des Lockdowns waren an Silvester 2020 streng. Viele Menschen hatten sich schon im Vorfeld darauf eingestellt und angekündigt, nur zu Zweit oder mit den Kindern das neue Jahr begrüßen zu wollen, und es zeichnete sich ab, dass das Böllern dieses Jahr ausbleibt.
Andere hatten allerdings angekündigt, etwa in sozialen Netzwerken, sich trotz des Verkaufsverbots mit Feuerwerk eingedeckt zu haben - woher auch immer. Tatsächlich waren in der Ulmer Altstadt schon vor Mitternacht der eine oder andere Knaller zu hören.

Das sagt die Polizei zur Silvesternacht in Ulm und Neu-Ulm

Doch wie lief es später zum Jahreswechsel in Ulm, Neu-Ulm und der Region, wenn - in normalen Zeiten - die Knallerei und die Partys ihren Höhepunkt erreichen?
Eine Anfrage beim Polizeipräsidium in Ulm am Neujahrsmorgen ergab, dass die Lage in der Nacht in Ulm wohl recht entspannt gewesen sei. Die Einsatzkräfte hatten wie angekündigt verstärkt kontrolliert, auch an bekannten Aufenthaltsorten und Treffpunkten. Aber es sei relativ ruhig gewesen, berichtete ein Sprecher. Alle Dienststellen meldeten von 20 Uhr an wenig Verkehr und es seien kaum Menschen anzutreffen gewesen. Und die Böllerei? „Von der Knallerei her war das schnell vorbei“, hieß es.

Mehr als 300 Polizei-Einsätze allein in Ulm

Trotzdem gab es zahlreiche Einsätze. Wie das Polizeipräsidium Ulm später mitteilte, habe man in der Silvesternacht fast 300 Einsätze absolvieren müssen. Ein Großteil betraf Anzeigen wegen Ruhestörungen und vermeintliche Verstöße gegen die Coronaverordnung im Zusammenhang mit Feuerwerkskörpern. Eine Vielzahl der Anrufer sei davon ausgegangen, dass Feuerwerk grundsätzlich verboten sei. Ihnen sei aber meist nicht klar gewesen, dass lediglich das Böllern auf öffentlichen Flächen verboten gewesen war. Beim Einsatz vor Ort habe sich dann meist herausgestellt, dass sich die Beschwerden auf Aktivitäten im privaten Raum bezogen hatten.

Meldungen zu illegalen Partys und Verstößen gegen die Ausgangssperre

Wie die Polizei weiter berichtete, wurden auch zahlreiche Verstöße gegen das Aufenthaltsverbot zur Nachtzeit gemeldet. Auch angeblich größere Partys, meist in Zusammenhang mit einer Ruhestörung, hätten Einsätze mit Überprüfungen und Kontrollen vor Ort nach sich gezogen. Doch in den meisten Fällen habe man keinen Lärm feststellen können. Wenige Menschen hätten auf die Rechtslage hingewiesen werden müssen und hielten sich dann auch an die Regeln. Der größte Teil der kontrollierten Personen habe einen triftigen Grund für vermeintliche Verstöße gehabt.

Brand durch Feuerwerkskörper in Gögglingen

Einen Einsatz der Feuerwehr gab es in Gögglingen. Gegen Mitternacht hatte ein 43-Jähriger einen Feuerwerkskörper gezündet, der unter ein geparktes Auto geriet. Der Böller entzündete den Untergrund. Um das Auto vor einem Übergriff der Flammen zu sichern, wurde die Feuerwehr alarmiert. Sie löschte den Brand. Am Auto entstand geringer Sachschaden.

In Neu-Ulm fast überall ruhige Lage an Silvester

Erstes Fazit also: Es gab kaum größere Verstöße und die Leute haben sich weitgehend an die Regeln gehalten. Auch die Polizeizentrale in Kempten hatte auf Anfrage am Neujahrsmorgen keine größeren Ereignisse aus dem Bereich Neu-Ulm zu melden. Einige hätten ihre Böller-Restbestände vom vergangenen Jahr abgefeuert, aber insgesamt sei es vergleichsweise ruhig geblieben, hieß es. Einige Einsätze gab es aber trotzdem.

Böller auf Autos - Polizei löst illegale Party junger Leute auf

Der Polizeiinspektion Illertissen wurde gemeldet, dass eine größere Personengruppe Feuerwerkskörper von ihrem Balkon aus auf parkende Fahrzeuge feuerte. Die Polizei traf acht junge Frauen und Männer im Alter zwischen 17 Jahren und 20 Jahren an, die ausgiebig den Jahreswechsel feierten. Da alle acht Personen unterschiedlichsten Hausständen angehörten, werden sie nun angezeigt.
Silvestertypische Verletzungen durch Böller oder von Feuerwerkskörpern ausgelöste Brände meldeten die Einsatzkräfte links und rechts der Donau nicht.

Das sind die Vorfälle in der Region

In den Kreisen Biberach im Alb-Donau-Kreis, in Heidenheim und Göppingen gab es in der Nacht zu Neujahr einige Anzeigen:
  • Im Landkreis Biberach wurden neun Personen wegen einem Verstoß gegen die Corona-Verordnung angezeigt. Zwei Anzeigen gab es wegen einer Ruhestörung.
  • In der Stadt Ulm und im Alb-Donau-Kreis gab es ebenfalls neun Anzeigen nach der Corona-Verordnung und vier Ruhestörungen.
  • Im Landkreis Heidenheim wurden vier Verstöße gegen die Verordnung gefertigt und eine wegen Ruhestörung.
  • Im Landkreis Göppingen war der Schwerpunkt in der Stadt Geislingen. Hier gab es bei 112 kontrollierten Personen 35 mündliche Verwarnungen und fünf Anzeigen. Gegen 17 Personen, die trotz einer Verwarnung sich nicht entfernen wollten, wurde ein Platzverweis ausgesprochen.
  • In der Stadt Göppingen wurden 9 Anzeigen wegen einem Verstoß gegen die CoronaVO gefertigt, 1 Verstoß wegen einer unrechtmäßig Verwendung von Feuerwerkskörpern. 39 Personen wurden mündlich verwarnt.

Öffentlicher Aufruf und Kontrollen der Polizei

Die Polizei war eigenen Angaben zufolge personell gut aufgestellt und wurde durch die Bereitschaftspolizei unterstützt. Auch die Städte hätten mit ihren Ordnungsdiensten zur Aufrechterhaltung der Sicherheit und Ordnung mit beigetragen.
Der öffentliche Aufruf der Polizei im Vorfeld, sich an Silvester an die Regeln zu halten, sowie die Ankündigung, dass verstärkt kontrolliert werde, scheinen ebenfalls gewirkt zu haben. Schon am 30.12.2020 twitterte die Polizei: „Bitte beachtet das verfügte Alkohol- und Böllerverbot im öffentlichen Raum. Und die Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen gelten auch in der Silvesternacht!“

Demonstrationen gegen Corona in Stuttgart

In Baden-Württembergs Landeshauptstadt Stuttgart verhielt es sich ähnlich - die Polizei dort meldete eine ruhige Nacht. Allerdings waren viele Beamte im Einsatz wegen zahlreicher Demonstrationen gegen die Corona-Politik der Bundes- und der Landesregierung in Stuttgart. Bei den insgesamt fünf Demonstrationen, die über den Donnerstagabend verteilt stattfanden, kam es wiederholt zu Verstößen gegen die Auflagen, wie die Polizei mitteilte.