Im September 2019 veröffentlichte die Polizei Ulm einen Fahndungshinweis der Kollegen aus Niedersachsen: Der 58-jährige wurde nach schwerem sexuellen Missbrauch von Kindern gesucht. Vermutet wurde er im Süden Deutschlands. Das sagten die zuständigen Polizeibeamten, an die die Kollegen aus Ulm verwiesen haben. „Trotzdem könnte er sich überall aufhalten“, erklärte der Polizeibeamte aus Göttingen.

Polizei bekommt pro Woche einen Hinweis

Auch Monate nach dem Aufruf gehe noch mindestens ein Hinweis jede Woche zu diesem Fall ein. Zur Freude der ermittelnden Beamten. Das Fahndungsfoto war etwas mehr als zwei Jahre alt - das Aussehen konnte sich daher entsprechend verändert haben. Dabei spielten seine damaligen Lebensumstände eine große Rolle - war er beispielsweise obdachlos oder hatte er die Möglichkeit zur täglichen Pflege?

Sofort Handyfoto machen und Polizei rufen

Wer meint einen Gesuchten Straftäter zu sehen, soll am besten ein Handyfoto machen und sich sofort bei der Polizei melden. Einfach über den Notruf 110 bei der örtlichen Polizei. Das gemachte Foto dann an die vereinbarte Adresse oder Nummer schicken. Falls es sich nicht um den Gesuchten handelt, löscht die Polizei aus Datenschutzgründen die Aufnahme und weißt die Zeugen an, das auch zu tun.

Fall tauchte immer wieder auf Social Media auf

„Die Hinweise häuften sich auch in Sozialen Medien wellenartig“. Dies trat immer dann auf, wenn mutmaßliche Sichtungen des Täters gemacht wurden. Synchron dazu registrierten die Beamten auch die Resonanz zum Aufruf auf Facebook oder Twitter.

Aufenthaltsort des Gesuchten unklar - Polizei schließt nichts aus

Seine Biografie belegt eine lange asketische Lebensweise - er war für mehrere Monate alleine mit dem Fahrrad in Amerika unterwegs. Daher war bei seinem damaligen Aufenthaltsort nichts ausgeschlossen.

Völlig unklar war nicht nur die aktuelle Lebenssituation des 58-Jährigen, sondern auch, ob er überhaupt von der Fahndung nach ihm weiß. Daher ist es umso wichtiger, dass er gefunden wird, um weitere Taten zu verhindern.

Polizei kann Gesuchten in Italien auf Campingplatz festnehmen

Im Dezember dann konnte die Polizei in Italien den Gesuchten auf einem Campingplatz festnehmen. Die Vermutung der Polizei, er sei mit dem Fahrrad in Richtung Süden unterwegs, bestätigte sich jetzt. Italienische Polizeibeamte überprüften den mit europäischem Haftbefehl gesuchten 58-Jährigen auf einem Campingplatz in der Provinz Livorno an der Westküste der Toskana. Er gab an mit dem Rad durch Europa zu reisen und zuvor in Spanien und Frankreich unterwegs gewesen zu sein.

Missbrauchte Kinder aus Familienumfeld

Die betroffenen Kinder sollen aus dem engsten Familienumfeld des mutmaßlichen Täters stammen. Das teilte die Staatsanwaltschaft mit. Zum Beginn der Übergriffe waren die Kinder fünf und acht Jahre alt. „Es sind nicht seine Kinder und auch nicht seine Enkelkinder“, wie Oberstaatsanwalt Frank-Michael Laue bereits im August 2018 dem Göttinger Tageblatt mitteilte. Der Gesuchte hatte die Taten in einer Vernehmung kurz nach der Anzeige im Mai 2018 teilweise gestanden. Dann war er zur Überraschung der Ermittler abgetaucht.