Dröhnende Motoren, dicke Autos: In Ulm hat sich offenbar eine rege Szene an Auto-Tunern und so genannten Posern gebildet. Vor allem freitags und samstags sind in Ulms Innenstadt abends auffallend viele Menschen mit PS-starken Autos unterwegs - und sie zeigen das auch gerne. Gerade die Frauenstraße gilt als einer der Hotspots. Auch in der Olga-Straße wird - nach dem Passieren der Radarfalle - gerne kräftig Gas gegeben.

Parkplatz bei Ikea geräumt - jetzt folgen Kontrollen

Zudem trifft sich die Szene aus dem gesamten Umland – zusammen mit anderen Feiernden – offenbar auch gerne auf Parkplätzen, wie etwa dem bei Ikea und Mediamarkt an der Blaubeurer Straße. Mitte Juni räumte die Polizei den Privat-Parkplatz, wo hunderte Menschen sich getroffen hatten. Die Aktion hatte zahlreiche Reaktionen in sozialen Netzwerken zur Folge gehabt.
Der Pressesprecher der Ulmer Polizei, Wolfgang Jürgens, hatte damals auf Nachfrage bestätigt, es gebe „immer wieder Gruppen in der Stadt, die sich mit ihren Autos treffen" Vor allem auf dem Innenstadtring, und seit man stärker kontrolliere, zunehmend auch in der Blaubeurer Straße. Er betonte, dass die „Straße kein Spielplatz“ sei, und dass die Ulmer Polizei in dem Bereich aktiver werden und die Arbeit intensivieren wolle.

33 Fahrzeuge kontrolliert - 15 Wagen bemängelt

Diese Ankündigung hat die Ulmer Polizei jetzt offenbar umgesetzt. Am Samstag haben Spezialisten der Polizei zusammen mit Sachverständigen bei Kontrollen insgesamt 33 Fahrzeuge überprüft. Das Ziel: „Gefahren durch falsch umgebaute Fahrzeuge zu verhindern“, wie die Polizei berichtet.
Dazu lotsten Beamte auffällige Fahrzeuge auf ein Firmengelände, und sie wurden bei 15 Autos fündig: Durch die Umbauten war an diesen Fahrzeugen die Betriebserlaubnis erloschen. In den meisten Fällen waren es
  • Änderungen der serienmäßig eingebauten Räder,
  • aber auch Umbauten am Fahrwerk in einer nicht zulässigen Kombination mit anderen Rädern
  • sowie der Einbau von so genannten Distanzscheiben.
Die Polizei musste zwei Fahrzeuge bei den Kontrollen sicherstellen. Denn die Veränderungen waren so gravierend, dass die Autos nicht mehr verkehrssicher waren. Über diese werde nun ein Gutachten erstellt, hieß es.

Weitere Kontrollen zu Lärm und Tempo in der Innenstadt

Die Polizei hat am Samstag weitere Schwerpunktkontrollen zum Fahrverhalten von Posern in der Stadt vorgenommen, weil Anwohner und andere Verkehrsteilnehmer sich beschweren würden und des Umweltschutzes wegen.
Die Kontrollen bezogen sich auf
  • Unnötiges Hin- und Herfahren in der Stadt
  • Lärm durch zu laute Autos
  • Fahrzeuge die auf dem Innenstadtring immer wieder ihre Kreise drehen
  • Autos die zu schnell unterwegs sind
  • oder plötzlich stark beschleunigt und wieder abgebremst werden.
„Die Handlungen“, so die Polizei, „mit denen manche Autofahrer auf sich aufmerksam machen und dabei auch noch gefährlich oder umweltschädlich handeln, sind vielfältig“.

19 Autofahrer aus dem Verkehr gezogen

Bei den Kontrollen am Samstag wurden 19 Fahrer beanstandet, weil sie durch ihr Fahrverhalten unnötigen Lärm verursacht oder sich über andere Straßenverkehrsvorschriften hinweggesetzt hatten. Und das wurde für manchen Fahrer teuer, denn die Straßenverkehrsordnung ist zugunsten des Umweltschutzes angepasst worden. Mit der jüngsten Änderung der Straßenverkehrsordnung seien die Bußgelder für dieses Verhalten auf mindestens 80 Euro bis 100 Euro angehoben worden, hieß es.

Neues Konzept: Polizei bietet an, auffällige Fahrzeuge zu melden

Die Polizei kündigt nach der Aktion am Samstag an, weiterhin gezielte Kontrollen durchführen. Und sie bietet den Ulmern an, auffällige Fahrzeuge zu melden. Hinweise mit
  • Tag
  • Uhrzeit
  • Ort
  • Kennzeichen
  • Farbe
  • und Typ des Fahrzeugs
  • sowie einer Beschreibung des auffälligen Verhaltens
können ab sofort per E-Mail geschickt werden. die Adresse lautet: ulm.pp.poser@polizei.bwl.de
Hinweise seien auch telefonisch möglich unter der Telefonnummer 0731 1880 - oder persönlich. Die Polizei bittet jedoch, zeitlich dringende Ereignisse nicht per E-Mail sondern telefonisch zu melden.

Diskussionen auf Facebook über Polizei-Initiative gegen Poser und Raser

Auf Facebook wird das Thema kontrovers diskutiert. Manche sprechen von Denunziantentum und Petzerei andere begrüßen die Möglichkeit, Verstöße durch Lärm und Raser nun direkt bei der Polizei melden zu können.
  • So schreibt ein User unter anderem: „Willkommen zurück in der DDR. Ich frage mich nur wann die ersten Belohnungen für Meldungen verteilt werden.“
  • Ein anderer postet: „Hey ihr Poser geht doch mal mit eurem Schrott zum Fahren auf den Nürburgring 1. Seht ihr dann dass ihr nicht fahren könnt und in der Stadt nur andere gefährdet!“