Weil eine Frau auf einen 50 Meter hohen Turmkran am Bahnhofplatz geklettert war, kam es am Freitagmorgen zu einem größeren Einsatz von Polizei, Feuerwehr und dem Rettungsdienst. Dabei konnte die 35-Jährige in Sicherheit gebracht werden. Sanitäter fuhren sie in eine Ulmer Klinik. Warum sich die rumänisch sprechende Frau in Lebensgefahr begeben hatte, werde derzeit ermittelt, teilte Wolfgang Jürgens, Sprecher der Polizei Ulm, auf Anfrage mit.

Gegen 7 Uhr hatten Zeugen beobachtet, wie die Frau die Leitern im Krangerüst in der Nähe des Busbahnhofs hochstieg. Als die herbeigerufene Feuerwehr eintraf, hatte sich die Frau in rund 25 Metern Höhe auf eine Zwi­schen­ebene gelegt, berichtet Andreas Burst, Einsatzleiter der Feuerwehr Ulm.

Kran am Ulmer Hauptbahnhof: Einsatzkräfte seilen Frau ab

Als die Frau die Feuerwehrleute heraufkommen sah, kletterte sie höher, immer höher, in Richtung Führerhaus. Oben angekommen, stieg sie auf den Ausleger und verharrte dort zusammengekauert auf einer schmalen Plattform nahe der Umlenkrolle des Krans. „Die Frau zu verfolgen, wäre eine zu große Gefahr für die ersten Einsatzkräfte vor Ort gewesen“, erklärt Burst. Deshalb wurde Unterstützung von Polizei und Höhenrettung angefordert.

Etwa um 9.15 Uhr machten sich Kräfte des aus Göppingen herbeigeeilten Spezialeinsatzkommandos (SEK) dazu bereit, die Frau zu retten. Mit Sicherungsseilen ausgerüstet, stiegen sie gemeinsam mit den Männern der Höhenrettung die Leiterstufen empor und kletterten ebenfalls auf den Ausleger.

Youtube Frau klettert in Ulm auf Kran – das sagt die Polizei

Minuten des Schreckens am Hauptbahnhof in Ulm

Als die Frau die Einsatzkräfte registrierte, wurde die Situation noch brenzliger: Mit wackligen Beinen richtete sie sich auf, bewegte sich weg von der verhältnismäßig sicheren Plattform und setzte ihren Fuß auf das dünne Krangestänge, um sich von ihren Rettern zu entfernen. „Es waren die gefährlichsten Momente. Die Frau war kurz davor, in die Tiefe zu stürzen“, betont Burst. „Das unter dem Kran aufgestellte Sprungkissen hätte bei dieser Höhe nicht viel ausrichten können.“

Während die Einsatzkräfte am Boden hofften, dass die Situation ein glimpfliches Ende nimmt, versuchten die Kollegen in der Höhe, der Frau zuzureden, erzählt Burst. Nach einigen Minuten konnte sie schließlich mit Handzeichen und Rufen davon überzeugt werden, auf die Plattform zurückzukommen. Dort wurde ihr dann ein Sicherungsgeschirr angelegt. Gegen 10.30 Uhr seilte sich ein SEK-Beamter mit ihr vom Kran ab. Nachdem die Frau sicher am Boden angekommen war, wurde sie sofort medizinisch versorgt. Sanitäter legten sie auf eine Trage, wickelten sie in eine Rettungsdecke ein. Anschließend wurde sie im Krankenwagen abtransportiert.

ÖPNV fiel vorübergehend aus

Der Bereich um den Bahnhofplatz war am Freitag bis zum Ende der Rettungsaktion gegen 11 Uhr weiträumig abgesperrt. Da der Ausleger des Krans über die Friedrich-­Ebert-Straße ragte, wurden die Autos zwischenzeitlich umgeleitet. Darüber hinaus mussten die Stadtwerke den Bus- und Straßenbahnverkehr rund um den Hauptbahnhof vorübergehend einstellen. Auf den Linien kam es noch bis zum Mittag teilweise zu erheblichen Verspätungen.

30-jähriger Mann von Polizei festgenommen

Innerhalb des gesperrten Bereichs sorgte ein Mann für Ärger. Der 30-Jährige lief während des Rettungseinsatzes an den Straßenbahnschienen entlang. Polizisten wiesen ihn an, einen anderen Weg zu wählen. Dem kam er jedoch nur zögerlich nach. Plötzlich drehte er sich um und beleidigte die beiden Beamten mit wüsten Beschimpfungen und Gesten, schildert Polizeisprecher Wolfgang Jürgens. Als die Polizisten ihn deshalb festhalten wollten, habe er versucht, auf sie einzuschlagen. Das konnten die Polizisten allerdings verhindern. Sie rangen den Mann nieder, nahmen ihn fest und brachten ihn anschließend aufs Revier. Ihn erwartet jetzt eine Strafanzeige.

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