Ein junger Mann hat am Sonntag in einer Sparkassenfiliale in Senden im Kreis Neu-Ulm sein Handy aufgeladen und ist dafür angezeigt worden. In den sozialen Medien sorgte das für einen Sturm der Entrüstung.

Senden: Mann lädt Handy in Sparkasse auf und kassiert Anzeige

Wie die Polizei mitteilte, hatte ein Zeuge am Sonntag die Beamten informiert. Die Polizisten fanden daraufhin einen 27-jährigen Mann, der sein Handy in der Sparkassenfiliale in der Ulmer Straße an einer Steckdose aufgeladen hatte. Die Staatsanwaltschaft leitete gegen den wohnungslosen Mann eine Starfanzeige wegen Entziehung elektrischer Energie ein.

Ärger über Sparkasse wegen Anzeige

In den sozialen Medien brach nach Veröffentlichung der Mitteilung ein Shitstrom aus. Denn die Aufladung eins Handys kosten weniger als einen Cent Stromkosten. Unter dem Post in der Gruppe „Du weißt, dass du auch Ulm/Neu-Ulm bist“ fanden sich zahlreiche wütende Kommentare, aber auch Hilfsangebote für den jungen Mann.
Zunächst war auch Verwirrung über das Alter des Mannes entstanden. Es war davon die Rede, dass es sich um einen 14-Jährigen handele. Die Polizei stellte das in einer weiteren Mitteilung richtig.

Sparkasse hat Polizei nicht gerufen

Die Sparkasse in Senden wurde wegen des Vorfalls stark kritisiert. Allerdings hatte sie die Polizei nicht verständigt. „Die Initiative für den Einsatz der Polizei ging nicht von der Sparkasse Neu-Ulm-Illertissen aus. Wir werden die Angelegenheit nicht weiterverfolgen“, teilte die Bank dem SWR mit.

Entziehung elektrischer Energie - Ist öffentlich Handy laden strafbar?

Obwohl das Aufladen eines Handys an einer öffentlichen Steckdose kaum Strom kostet, erfüllt es tatsächlich einen Straftatbestand. Nach Strafgesetzbuch §248c gilt: „Wer einer elektrischen Anlage oder Einrichtung fremde elektrische Energie mittels eines Leiters entzieht, der zur ordnungsmäßigen Entnahme von Energie aus der Anlage oder Einrichtung nicht bestimmt ist, wird, wenn er die Handlung in der Absicht begeht, die elektrische Energie sich oder einem Dritten rechtswidrig zuzueignen, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ Im Fall des 27-jährigen Mannes aus Neu-Ulm ist es aber möglich, dass das Verfahren wegen Geringfügigkeit des Schadens eingestellt wird.