Einsatz des Kampfmittelräumdienstes im Bereich der Otto-Hahn-Straße in Neu-Ulm Offenhausen: Wie die Stadt Neu-Ulm mitteilt, wurden bei Sondierungsarbeiten zum Ausbau der B10 am Sonntagvormittag drei Bomben aus dem zweiten Weltkrieg gefunden.

Drei Fliegerbomben zu je 250 Pfund in Neu-Ulm entdeckt

Auf dem Baufeld der Erweiterung der B10 in Sichtweite des Gewerbegebiets hatten sich zuvor bei Untersuchungen elf Verdachtspunkte ergeben. Die sollten Experten vom bayerischen Kampfmittelbeseitigungsdienst klären, als Termin war Sonntagmorgen angesetzt. „Wir wollten möglichst wenig Störungen: Da gibt es kaum Lastwagenverkehr und auch die Firmen sind geschlossen“, erläuterte Thomas Nägele von der Stadt Ulm.

Blindgänger lagen in nur geringer Tiefe

Um 6.30 Uhr begannen die Arbeiten. Die Experten fanden, so Sprengmeister Daniel Raabe, an den gekennzeichneten Punkten insgesamt drei Blindgänger: US-Spitterbomben des Typs Frag 20, gefüllt mit 110 Kilo TNT-Sprengstoff.  Die Bomben lagen nur 45 bis 70 Zentimeter tief: „Das ist extrem flach“, meinte Raabe, „das kommt beim Pflügen irgendwann hoch.“ Acht Verdachtspunkte waren dagegen harmlos. Hier wurde lediglich Bauschutt aus den Kriegsjahren vorgefunden.

B10 für Entschärfung der Blindgänger gesperrt

Parallel wurde die Sperrung der B10 vorbereitet in einem Sicherheitsradius von 350 Metern. Evakuierungen in Offenhausen wie etwa im April 2018, als in Neu-Ulm eine Fliegerbombe aus dem Weltkrieg entschärft werden musste. waren diesmal aber nicht nötig. Insgesamt waren 65 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Rotem Kreuz und Polizei beteiligt.

Um 10 Uhr wurde es Ernst: Die Sperrung griff zwischen der Abzweigung Breitenhof und der Auffahrt Nersingen – und die Experten begannen mit der Entschärfung der freigelegten Bomben. „Die Zünder waren sehr verbacken“, berichtete Sprengmeister Roger Flakowski. Er und sein Kollege Torsten Thienert arbeiteten parallel an den beiden Zündern jeder Bombe und konnten diese gut entfernen.

Entwarnung kam gegen 11 Uhr

Thomas Nägele, Leiter der Abteilung Sicherheit und Ordnung der Stadt Neu-Ulm, gab gegen 11 Uhr Entwarnung, alle drei Bomben seien sicher entschärft und unschädlich gemacht worden. Sie wurden abtransportiert und werden dann entsorgt.

Stadt rechnet mit weiteren Bombenfunden

Im Zuge der Arbeiten zum Ausbau der Bundesstraße 10 finden im Bereich zwischen Neu-Ulm und der Anschlussstelle Nersingen zurzeit Sondierungsarbeiten statt. Sandra Lützel, die Pressesprecherin der Stadt, rechnet mit weiteren Funden auf der B-10-Baustelle: „Das Gebiet war Ausflugschneise. Die Piloten hatten den Befehl, nicht mit Bomben zurückzukehren. Sondern sie mussten, wenn sie ihr Ziel verpasst hatten, die Bomben abwerfen.“

Bomben mit mechanischen Zündern

Alle drei Bomben hatten jeweils einen mechanischen Kopf- und Heckzünder. Diese Art von Zündern lassen sich relativ gut von Hand entschärfen. Sehr gefährlich sind hingegen chemische Langzeitzünder, die nicht bewegt werden dürfen. Bei Luftangriffen wurden nur ganz wenige solcher Bomben eingesetzt. Sie sollten in den Boden eindringen und erst 30 Minuten bis 144 Stunden nach dem Luftangriff detonieren, wenn die Menschen die Bunker und Schutzräume wieder verlassen hatten.

Im März 1945 waren Ulm und Neu-Ulm noch Ziel von großen amerikanischen Bombenangriffen mit enormen Zerstörungen. Am 24. April 1945 nahmen die Amerikaner beide Städte ein.