Ulm Polizei berichtet zum Thema Straftaten und Flüchtlinge

Ulm / ULRIKE SCHLEICHER 16.10.2015
Der Anstieg der Asylbewerber zieht keinen Anstieg der Kriminalität nach sich. Die Sicherheitslage ist stabil, sagt Polizeipräsident Christian Nill.

Im Zusammenhang mit Flüchtlingen gibt es viele Vorurteile. Eines davon: Sie seien kriminell. Dass das nicht stimmt, hat der Ulmer Polizeipräsident Christian Nill in der Sitzung des Gemeinderats am Mittwoch durch nackte Zahlen, aber auch mit erklärenden Anmerkungen widerlegt.

Nill berichtete dem Gremium über die Entwicklung der Straftaten in seinem Zuständigkeitsbereich, der immerhin vier Landkreise - Biberach, Alb-Donau, Göppingen, Heidenheim und den Stadtkreis Ulm - umfasst. Alles in allem sind die Beamten für 102 Sammelunterkünfte zuständig. 60 davon werden von mehr als 50 Flüchtlingen bewohnt.

Vorneweg: "Insgesamt haben wir einen Rückgang von Straftaten im ersten Halbjahr 2015", sagte Nill, um dann konkreter zu werden. So ermittelte die Polizei im Vergleichszeitraum, dem ersten Halbjahr 2014, gegen insgesamt 9500 Tatverdächtige. Darunter waren 200 Asylbewerber. Im ersten Halbjahr 2015 wurde gegen 8500 Tatverdächtige ermittelt. Darunter gegen 400 Asylbewerber. Das sei zwar ein Anstieg innerhalb dieser Gruppe. Aber betrachte man die inzwischen stark gestiegene Zahl der Flüchtlinge, sei die Entwicklung "weder signifikant noch besorgniserregend".

Die Polizei legt Wert darauf, die Zahlen zu erläutern. So fallen Asylbewerber bei Ladendiebstählen auf. Des Weiteren bei Körperverletzungen und bei der so genannten Erschleichung von Sachleistungen. "Die Gewalt findet jedoch in den Unterkünften statt und richtet sich nicht gegen Externe", betonte Polizeisprecher Wolfgang Jürgens. Bei der Erschleichung der Sachleistungen handle es sich in der Regel um Schwarzfahren. "Das bewegt sich also alles im grünen Bereich. Niemand braucht Angst zu haben."

Die Polizei sei im Bereich der Unterkünfte präsent und sehe sich dort als Ansprechpartner für die Flüchtlinge. "Wir wollen unterstützen und Vertrauen aufbauen", sagt Jürgens. Das ist nicht so einfach, denn viele haben in ihren Heimatländern schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht. "Wir wollen bei Problemen helfen." In der Regel verständige man sich auf Englisch oder es finde sich jemand, der dolmetschen könne.

Was die Sicherheit in den Unterkünften betrifft, so sieht Jürgens in erster Linie die Betreiber in der Verantwortung. Aber: "Wir geben Tipps, beraten und intervenieren natürlich bei Notfällen."

Gerufen werden die Beamten aber auch von Bürgern, die Flüchtlinge in ihrer Nachbarschaft haben. "Da geht es dann meistens um Lärmbelästigung und die Ablagerung von Müll." Die Erfahrung seiner Kollegen: "Wenn man die Leute darauf anspricht, reagieren sie sofort." Sie brauchten Zeit, um die deutschen Gepflogenheiten zu lernen. "Das wird sicher besser mit der Zeit. So was geht nicht von heute auf morgen."