Memmingen/Neu-Ulm Neu-Ulmer Brandstifter soll in Psychatrie

Memmingen/Neu-Ulm / HANS-ULI MAYER 25.02.2013
Den Brand in einem Neu-Ulmer Mietshaus im vergangenen Sommer hat ein älteres Ehepaar gelegt. Die Frau nahm sich daraufhin das Leben, der Mann ist gestern in die Psychiatrie eingewiesen worden.

Was Lärm betrifft, sind die Anwohner der Krankenhausstraße in Neu-Ulm nicht so leicht aus der Ruhe zu bringen. Doch eine laute Explosion in der Nacht zum 19. Juli vergangenen Jahres hat die Bewohner eines Mietshauses aus dem Schlaf schrecken lassen. Ein zweiter Knall kurz danach trieb sie dann aus den Betten – aufgeschreckt von einem seit lange währenden Nachbarschaftsstreit mit einem älteren Ehepaar.

Die Störung in dieser Nacht war aber anders die in den Monaten zuvor, sie war lauter und vor allem gefährlicher. Als die Mieter halbwegs orientiert waren, vernahmen sie in jener Nacht Brandgeruch, als sie aus den Fenstern und Wohnungstüren schauten, sahen sie Flammen aus dem dritten Obergeschoss schlagen. Wenig später war die Feuerwehr vor Ort, die das Haus evakuierte und den Brand in der Maisonette-Wohnung bekämpfte.

Ein böser Verdacht machte schnell die Runde, der wenige Tage später zur Gewissheit wurde. Das Feuer war von jenem 58 und 78 Jahre alten Ehepaar gelegt worden, das mit allen im Clinch lag und seit Tagen von niemandem mehr gesehen worden war. Eine Woche später war der Leichnam der Frau gefunden worden, angeschwemmt am Rechen des Günzburger Wasserkraftwerks. Kurze Zeit darauf war auch der Mann wieder aufgetaucht, der gestern vom Landgericht Memmingen wegen einer wahnhaften Störung in ein psychiatrisches Krankenhaus eingewiesen wurde.

Eigentlich hatte das Ehepaar vor der Brandstiftung verabredet gehabt, danach gemeinsam in den Tod zu gehen. Doch als der Mann seine Frau in der Donau untergehen sah, hatte ihn der Mut verlassen. Seine Frau hatte sich eine mit Steinen gefüllte Tasche um den Hals gebunden und war sofort untergegangen. Der Mann irrte daraufhin durch die Umgebung und konnte erst festgenommen werden, als er einen größeren Bargeldbetrag abheben wollte.

Insgesamt fanden die Polizeibeamten bei der Festnahme 2500 Euro Bargeld in seiner Tasche. Er traue den Banken nicht, sagte er gestern zur Erklärung, wie er überhaupt niemandem mehr traue. Schon früh nachdem das Paar 2009 von Weißenhorn in das Mietshaus nach Neu-Ulm umgezogen war, hatte es auch an dem neuen Wohnort Ärger mit den Nachbarn bekommen.

Die Eheleute fühlten sich verfolgt und gegängelt, fürchteten vergiftet zu werden. In großen Lettern hatten die beiden ein Transparent an ein Fenster geklebt, auf dem „Giftgas-Terror“ stand. Die Steckdosen in der Wohnung waren abgeklebt, das Paar beklagte nächtliche Ruhestörungen durch laute Musik, von denen niemand sonst im Haus etwas mitbekommen hatte. Es schaltete den Hauseigentümer ein und bezahlte einen Bausachverständigen – beide aber fanden keinerlei Anhaltspunkte für Manipulationen in der Wohnung des Ehepaares.

Tatsächlich habe es solche auch nicht gegeben, sagte die Vorsitzende Richterin des Landgerichts Memmingen. Vielmehr spreche alles für einen krankhaften Hintergrund, wie auch ein Sachverständiger sagte, der bei dem 78-Jährigen eine „anhaltende wahnhafte Störung“ diagnostizierte.

Die Vorstellung in Gefahr zu sein und verfolgt zu werden, habe bei dem Ehepaar offenbar zunehmend das Leben bestimmt. Weil von dem Mann weitere Straftaten zu erwarten seien, empfahl der Sachverständige dem Gericht die Unterbringung des Mannes in der Psychiatrie.

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