Polizei-Bilanz Erhöhter Fahndungsdruck schreckt Einbrecher ab

Im vergangenen November kontrollierte die Polizei auf der B 28 bei Senden in einer groß angelegten Aktion mehrere hundert Fahrzeuge, um Einbrechern auf die Spur zu kommen.
Im vergangenen November kontrollierte die Polizei auf der B 28 bei Senden in einer groß angelegten Aktion mehrere hundert Fahrzeuge, um Einbrechern auf die Spur zu kommen. © Foto: Patrick Fauß
Memmingen / Carsten Muth 17.04.2018
Bemerkenswert: Trotz einer erfolgreichen Bilanz wird die Sonderkommission des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West aufgelöst.

Weniger Taten, fast 50 Festnahmen. Die Bilanz der vor einem halben Jahr eingerichteten Sonderkommission Wohnungseinbruch des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West kann sich sehen lassen. Die Zahl der Einbrüche ging in den vergangenen sechs Monaten deutlich zurück – um 42 Prozent, von 347 auf 199 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Das hat Polizeipräsident Werner Stößner in einer Pressekonferenz gestern Mittag in Memmingen berichtet. Die Soko war wegen massiv steigender Fallzahlen zwischen 2012 und 2016 gegründet worden.

Der Fahndungsdruck wurde laut Polizei seit vergangenen Oktober deutlich erhöht. Es gab unter anderen Verkehrskontrollen auf Bundesstraßen und Autobahnen, darunter auf der A 7 und der B 28 bei Senden.

Die Ermittler forcierten ihre Öffentlichkeitsarbeit, informierten an Ständen in Supermärkten oder auf Messen über Einbruchsprävention und wie sich Zeugen richtig verhalten (Info-Kasten). Sie inspizierten sogar Baumärkte, weil sich Einbrecher dort gerne mit Tatwerkzeugen wie Brecheisen, Handschuhen oder Taschenlampen eindecken.

Das alles lohnte sich. 45 mutmaßliche Täter wurden seit Oktober festgenommen. Mehr als 50 Prozent der Verdächtigen stammen aus dem Ausland, vor allem aus osteuropäischen Ländern, hieß es. Die Mitglieder zweier überregional agierender Banden gingen den Fahndern gleich zu Anfang ins Netz.

Soko wird aufgelöst

Dennoch wird die Sonderkommission jetzt aufgelöst. Ob sie im kommenden Herbst – mit Beginn der dunklen Jahreszeit, wenn Einbrecher erfahrungsgemäß verstärkt zuschlagen – wieder reaktiviert wird, ist offen. „Wir beobachten die Lage und entscheiden im Spätsommer“, sagte der Polizeipräsident. Seine Beamten würden auch künftig viel in die Bekämpfung von Wohnungseinbrüchen investieren, auch ohne Soko, versprach er. Auch deshalb, weil Einbrüche das Sicherheitsgefühl der Bürger massiv beeinflussten.

Bis zu 25 Beamte arbeiteten in der Soko. Diese wiederum war in drei Ermittlungsgruppen in Kempten, Memmingen und Neu-Ulm aufgeteilt. Die Ermittler hätten in den vergangenen Monaten viel Erfahrung gesammelt. Nun gehen sie zurück in ihre Einheiten. „Und die Erfahrungen nehmen sie dorthin mit.“

Aber warum wird die Soko aufgelöst? Sonderkommissionen sind temporäre Einrichtungen, betonte Leiter Michael Keck von der Kripo Neu-Ulm. Sie binden viele Einsatzkräfte. Auch deshalb habe man die Gruppe aufgelöst. „Wir wollten die Fallzahlen verringern. Das ist uns gelungen.“

Serientäter gefasst

Der Polizeipräsident lobte in dem Zusammenhang die bundesländerübergreifende Zusammenarbeit, verwies auf die spektakuläre Festnahme eines Serientäters jüngst in Ulm. Dem 56-Jährigen werden, wie berichtet, fast 150 Einbrüche zur Last gelegt, vor allem in Kindergärten und Pfarrheimen, etwa in Pfuhl und Blaustein. Gefasst wurde auch ein Serieneinbrecher, der im Illertal sein Unwesen getrieben hatte.

Soko-Leiter Keck und Polizeipräsident Stößner räumten ein, dass die groß angelegten Verkehrskontrollen nicht allen gefallen haben. Viele Autofahrer fanden es gar nicht lustig, wenn sie deshalb in Staus gerieten, mitunter lange warten mussten. „Die Kontrollen sind unvermeidlich“, betonte Stößner. Einbrecher benutzten häufig Fernstraßen. „Und wir lernen dabei viel über die Wege reisender Täter.“

Stets Fenster und Türen schließen

Schutzbereich Der Schutzbereich des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West reicht von den Allgäuer Alpen und dem Bodensee im Süden bis an die Donau im Norden. Auch der Landkreis Neu-Ulm gehört dazu. Im Zuständigkeitsbereich leben eine Million Menschen.

Prävention Die Kripo Neu-Ulm bietet Beratungen zum Einbruchsschutz an: Tel. (0731) 801 32 89 oder Mail: pp-sws.neu-ulm.kpi@polizei.bayern.de

Tipps Sämtliche Türen und  Fenster schließen, auch wenn man nur kurz das Haus verlässt. Bewohner sollten nicht in den sozialen Netzwerken darauf hinweisen, dass sie nicht zu Hause sind. Schlüssel niemals draußen verstecken.